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Über Doppelgelb in den Corona-Herbst

Die Infektionszahlen steigen. Experten diskutieren im Abgeordnetenhaus Strategien für die Hauptstadt

In drei Wochen beginnen die Herbstferien in der Hauptstadt. Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci hofft, dass die dann zu erwartenden Reiseaktivitäten »verantwortungsvoll« stattfinden werden. »Bitte reisen Sie nicht international«, sagte die SPD-Politikerin am Montag im Gesundheitsausschuss des Abgeordnetenhauses, adressiert an die Berliner. Nicht nur stiegen die Infektionszahlen derzeit rasant, auch die Testkapazitäten, die die Reiserückkehrer in Anspruch nähmen, müssten vermieden werden.

Bei der Inzidenz in den vergangenen sieben Tagen - der Fallzahl pro 100 000 Einwohner - sei Berlin im Bundesländervergleich mit einem Wert von 20,4 nun Spitzenreiter vor Bayern, sagte Kalayci besorgt. Damit sei die Corona-Ampel für diesen Indikator bereits auf Gelb gesprungen. Für die zweite Ampel, die den Reproduktionswert angibt (Zahl der Personen, die eine infizierte Person ansteckt) ist das mit den entsprechenden Zahlen vom Wochenende ab Dienstag der Fall. Der Wert stehe dann bei 1,55.

Neben Ansteckungen in Privathaushalten und bei Freizeitaktivitäten habe man in der Stadt viele gestreute Neuinfektionen, die nicht auf bestimmte Ausbrüche zurückzuführen seien, so die Senatorin. Noch funktioniere der Schutz der älteren Menschen, wenn man auf die betroffenen Altersgruppen schaue. Allerdings müsse man damit rechnen, dass die derzeit bei jüngeren Menschen verbreiteten Infektionen auch verstärkt die höheren Altersgruppen erreichten und dann die Zahl der Krankenhaus- und Todesfälle steigen könne. Sorgen mache ihr mit Blick auf Herbst und Winter, dass private Zusammenkünfte und Partys dann wohl in Innenräume verlegt würden, wo das Infektionsrisiko noch größer sei.

Um zu klären, wer die Auswirkungen des Infektionsgeschehens im Land in den nächsten Monaten vor dem Hintergrund der Erfahrungen seit März dieses Jahres zu stemmen haben wird, waren auch Burkhard Ruppert von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) sowie die Amtsärztin und Leiterin des Gesundheitsamtes Spandau, Gudrun Widders, in den Ausschuss geladen. Widders berichtete zur Frage, ob und wie es unter anderem der Öffentliche Gesundheitsdienst geschafft hat, sich im vergangenen halben Jahr seit Beginn der Pandemie besser aufzustellen. In ihrem Bezirk sei es im März nur deshalb gelungen, »vor die Lage zu kommen«, weil man die acht Mitarbeiter auf 124 aufstocken konnte, indem Beschäftigte aus anderen Abteilungen des Bezirksamts abgezogen wurden. Widders forderte einen Tarifvertrag für Mitarbeiter des Gesundheitsdienstes und eine Klärung, wie er über das Jahr 2026 hinaus finanziert werde. 200 Stellen in Berlin seien noch immer nicht finanziert, ergänzte auch Gesundheitssenatorin Kalayci.

Neben der Kontaktnachverfolgung, die die Gesundheitsämter, zum Teil mit Amtshilfe von Bundeswehrsoldaten, durchführen, tragen die ambulanten Arztpraxen einen großen Teil des pandemiebedingten Aufwands, erklärte Burkhard Ruppert. So habe sich entgegen mancher Annahmen an der Zahl von Arzt-Patienten-Kontakten kaum etwas geändert, erklärte der KV-Vorstand: Acht Millionen habe es im ersten Quartal 2020 gegeben, im Vorjahreszeitraum waren es mit 8,2 Millionen nicht wesentlich mehr. Auch stieg die Zahl der coronabedingten Kontakte mit 62 000 im ersten Quartal 2020 auf 200 000 im zweiten. 265 Praxen führen außerdem Coronatests durch: Es gebe hier berlinweit eine »riesengroße Bereitschaft zur Versorgung«, so Ruppert. Allein 814 000 PCR-Tests seien seit März durchgeführt worden. Bei asymptomatischen Personen werden vor allem exponierte Berufsgruppen wie Beschäftigte in Pflege und Bildung getestet.

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