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Das Gold bleibt in der Erde

Chilenisches Gericht bestätigt Stopp des Minenprojekts Pascua Lama / Bergbaukonzern Barrick will es trotzdem nicht aufgeben

  • Von Jürgen Vogt, Buenos Aires
  • Lesedauer: 3 Min.

Die Goldmine Pascua Lama in den chilenischen Anden darf nicht gebaut werden. Vergangene Woche bestätigte ein chilenisches Gericht letztinstanzlich die Einstellung des umstrittenen Vorhabens der kanadischen Minengesellschaft Barrick Gold. Zudem muss das Unternehmen wegen bereits begonnener Erschließungsarbeiten eine Geldstrafe von umgerechnet 7,6 Millionen Euro zahlen. Barrick teilte mit, man akzeptiere das Urteil, wolle das Tagebauprojekt aber nicht aufgeben.

Pascua Lama liegt in der Grenzregion von Chile und Argentinien in einer Höhe zwischen 4000 und 5000 Metern. Die Goldvorkommen liegen in einem ökologisch sensiblen Gebiet und Gletschern. Das Gebiet der Mine befindet sich zu 80 Prozent in der chilenischen Atacama-Region und zu 20 Prozent in der argentinischen Westprovinz San Juan. Nach Angaben des Bergbaukonzerns sollen hier 17,8 Millionen Unzen Gold lagern - es wäre damit eines der größten noch nicht ausgebeuteten Vorkommen der Welt. Barrick wollte mehrere Milliarden Dollar in die Erschließung investieren und begann 2009 mit der Errichtung der Infrastruktur.

Es folgte ein langes juristisches Tauziehen. 2013 bestätigte der Oberste Gerichtshof einen von der Umweltbehörde verhängten vorläufigen Baustopp. Diese verfügte im Jahr 2018 die dauerhafte Einstellung. Die Behörde hatte der Minengesellschaft über 30 Verstöße gegen Umweltvorschriften, darunter die Schädigung der Gletscher sowie die Einleitung säurehaltiger Abwässer in einen nahe gelegenen Fluss, nachgewiesen. Dagegen legte Barrick Einspruch ein. Dieser wurde nun endgültig abgelehnt: »Das Ausmaß der Gefahr einer Gesundheitsschädigung der Menschen macht es erforderlich, das Projekt Pascua Lama einzustellen, da auch andere Alternativen für einen sicheren Betrieb für die Umwelt und die Gesundheit der Bevölkerung nicht realisierbar erscheinen«, begründeten die Richter ihr Urteil.

Mit großer Freude und Erleichterung wurde die jetzige Entscheidung in den örtlichen Gemeinden aufgenommen. »20 Jahre mussten vergehen, drei Generationen waren betroffen, irreparabler Schaden ist entstanden«, heißt es in einer Erklärung der »Versammlung für das Wasser des Guasco Alto«. »Unsere enorme Freude kommt daher, dass es uns gelungen ist, unser Territorium vor dem sicheren Tod zu retten, den das Projekt Pascua Lama bedeutet hätte.«

Für Lucio Cuenca von der lateinamerikanischen Beobachtungsstelle für Umweltkonflikte (Olca) ist das Urteil »historisch und die bisher wichtigste Entscheidung der neuen Umweltrechtsprechung«. Es sei zweifellos dem unermüdlichen Kampf der lokalen Gemeinden zu verdanken und werde mit Sicherheit andere Bergbauunternehmen mit ähnlichen Vorhaben stoppen, so der Experte der chilenischen Nichtregierungsorganisation. Dennoch hält sich seine Euphorie in Grenzen: »Die Schäden an Gletschern, Feuchtgebieten und dem gesamten Ökosystem sind irreparabel«, sagte Cuenca. Daran ändere auch die Geldstrafe nichts, mit der die Sanierung finanziert werden soll.

Die Bergbauindustrie ist nach wie vor Chiles wichtigster Devisenbringer. Hauptexportprodukt ist Kupfer; das schmale Land entlang der Anden ist der weltweit größte Produzent des stark nachgefragten Metalls. Doch selbst Chiles Bergbauminister Baldo Prokurica zeigte sich einsichtig, dass sich die Branche an Umweltstandards anpassen muss. »Die Unternehmen, die diese nicht einhalten, werden ihre Projekte nicht mehr durchführen können«, sagte der Minister nach der Urteilsverkündung.

Ganz anders die Reaktion in Argentinien. Für den dortigen Bergbaustaatssekretär Alberto Hensel stehen dem Unternehmen nach dem Urteil zwei Wege offen: Barrick Gold könne eine »Umformulierung des Projekts mit einer neuen Umweltverträglichkeitserklärung« erarbeiten, denn die chilenischen Gerichte hätten die Konzession für den Tagebau nicht per se in Frage gestellt. Oder das kanadische Unternehmen konzentriere sich ganz auf den argentinischen Teil der Mine, auch wenn die Ausbeutung als weitaus weniger lukrativ eingeschätzt werde, so Hensel.

Barrick hat die Vorlage aus Argentinien umgehend aufgegriffen. »Pascua Lama bleibt ein wichtiges Projekt«, erklärte der zuständige Manager Marcelo Álvarez. Das Unternehmen werde jetzt »die technischen, wirtschaftlichen, sozialen und Umweltaspekte gründlich überprüfen sowie an einer anderen Herangehensweise an den Genehmigungs- und Entwicklungsprozess« arbeiten. Jede neue Projektentwicklung solle »den geltenden Gesetzen in Chile und Argentinien entsprechen«, so Álvarez.

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