Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Bescheidener Held

Werner Knapp zum Geburtstag

Jan Knapp ist stolz auf seinen älteren Bruder Werner, der als Angehöriger der tschechoslowakischen Exilarmee gegen die Wehrmacht gekämpft hatte und dessen Geschichte für ihn, den Jüngeren, ebenfalls lebensprägend wurde. Und den er heute zum Geburtstag umjubeln wird, wie die ganze Familie sowie Freunde und Bekannte, ob aus der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) oder der Linkspartei. Vielleicht gratulieren Werner Knapp auch ehemalige Kollegen von der Interflug, für die er einst Verträge rund um den Globus ausgehandelt hatte.

Von der Fliegerei war der 1921 in Gotha als Sohn eines Eisenbahners und einer Lehrerin geborene Werner Knapp bereits in jungen Jahren fasziniert. Nach der Verhaftung des im Widerstand gegen die Nazis aktiven Vaters emigrierte er 1935 mit der Mutter und seiner Zwillingsschwester Gisela in die Tschechoslowakei und, nach deutschem Einmarsch in Prag, nach Paris, wo er eine Ausbildung als Maschinenschlosser aufnahm, die der Krieg abrupt beendete. »Für mich war es selbstverständlich, unter der Fahne meines ersten Exillandes gegen die Hitlerdiktatur zu kämpfen«, erinnert sich Werner Knapp im Gespräch mit der Autorin dieser Zeilen. Der 18-Jährige erlebte die bittere Niederlage der Grande Nation gegen den heimtückisch einfallenden deutschen Aggressor, während die Mutter als Angehörige einer feindlichen Nation ins Lager Gurs in Südfrankreich interniert wurde, wo sie nach schwerer Krankheit starb.

Nach der Kapitulation Frankreichs wird Werner mit seiner Einheit nach England verschifft, wo der Angehörige eines tschechoslowakischen Bataillons in die Royal Army integriert wird. Vier Jahre später strandet er am D-Day an der Küste der Normandie. Mit der »Operation Overlord« wird unter erbarmungslosem deutschen Artilleriefeuer am 6. Juni 1944 die Zweite Front eröffnet. »Wir wollen nichts dramatisieren«, kommentiert Werner Knapp bescheiden. Er sieht sich nicht als Held. Und ist es doch - als einer jener Deutschen, die in den Reihen oder an der Seite der Alliierten gegen die eigenen Landsleute kämpften, um sich und sie, die Völker Europas, von faschistischem Joch zu befreien. Als ich seine Geschichte für diese Zeitung aufschrieb und mit »Montgomerys German Soldier« titelte, fand der zurückhaltende Veteran dies »übertrieben«. Obwohl jener britische General tatsächlich sein Oberkommandierender war. Dramatischer sei es später in der Schlacht um Dünkirchen zugegangen, sagt Werner, der einen Cromwell-Panzer steuerte. Er hätte lieber eine Spitfire geflogen. Dunkerque an der französischen Kanalküste war von der SS zur Festung erklärt worden und ergab sich erst nach der Kapitulation der Wehrmachtführung in Berlin-Karlshorst, am 9. Mai 1945.

Wie war es für einen Deutschen, in einer Auslandsarmee zu dienen? Dies fragt sich der jüngere Bruder. Aus den Erzählungen des Älteren weiß der Nachgeborene, dass es nicht leicht war: »Werner wurde von Soldaten und Offizieren der tschechoslowakischen Exilarmee als Deutscher beleidigt und bedroht, aber er bekannte sich als deutscher Antifaschist. Auch sein Wunsch, nach Deutschland zurückzukehren, stieß bei seiner Demobilisierung im Oktober 1945 in Prag auf Unverständnis.« In Berlin kann Werner den aus dem Zuchthaus Brandenburg-Görden befreiten Vater nach über zehn Jahren Trennung wieder umarmen. Die DDR wird als das antifaschistischere Deutschland seine Heimat. Herzlichen Glückwunsch, lieber Werner Knapp, zu Deinem 99. Du kannst stolz auf Dich sein. Wie auch Zwilling Gisela. Und wir auf Euch.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung
  • Lastschrift

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln