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Lachen machen auf bayerisch

Die Witzigkeit des Markus Söder

Am Montagmorgen rief mich meine bezaubernde Exfrau an und hinterließ mir auf der Mailbox eine Mitteilung. Sie lachte dabei derart beglückt, dass ich völlig narrisch wurde. »Ich muss dir«, sie lachtee, »ich muss dir einen sauguten Witz«, sie lachte, »erzählen.« Sie lachte. »Ruf doch«, sie lachte, »mal zurück.« Und lachte. Herrje, mehr von solchen Nachrichten, bitte!

Am Nachmittag rief ich zurück. Sie habe in aller Herrgottsfrühe am Hauptbahnhof Nürnberg - sie lachte wieder, dass mir fast die Sinne schwanden - »aus Versehen« - ja: »aus Versehen« - den aktuellen Titel des »Focus« gesehen. »Ich schwöre: Es war ein Versehen! Und: Ich wollte den ›Focus‹ kaufen. Aber - ich - kann - den - ›Focus‹ - nicht - kaufen! Vielleicht schaffst du’s.« Und: sie lachte.

Ich hab’ den »Focus« dann am Dienstag gekauft. Für irgendwas müssen Exmänner ja gut sein. Ich hatte mal einen Text für den »Focus« geschrieben, auf Anfrage. Die freundliche Redakteurin hievte ihn Wort für Wort und Komma für Komma ins Blatt. Kein Grund zur Beschwerde, wahrlich nicht. Dass dieses ehedem Münchner und seit einigen Jahren hauptstädtische sogenannte Nachrichtenmagazin wenig mehr als Breitbandschleimjournalismus darbietet, angereichert mit Deppennews, Börsentinnef und Unternehmensspeichelleckerei, war mir selbstverständlich auch damals klar.

Ich schlug also den »Focus« 39/2020 auf und las in Robert Schneiders Editorial, dass sein Magazin den Innovationspreis »Ideen, die bewegen« ausgelobt habe, »mit Unterstützung von Liqui Moly« - bezeichnenderweise eine Schmierölfirma. In der Jury sitzen eine »Wirtschaftsweise«, ein Modeunternehmer, ein Energiegauner, zwei Internetfiffies und irgend so ein Schweizer Universitätsstar. (Fehlt: R. D. Precht.)

Das ist noch nicht der Witz. Wir nähern uns ihm aber. Denn Schneider setzte mich, den arg aufmerkenden Leser, zudem darüber in Kenntnis, dass sein Kollege Jörg Harlan »tagelang nicht ansprechbar« gewesen sei, weil dessen »Recherche« (schon ganz guter Witz) für das neuste der »legendären A-bis-Z-Interviews für Focus« »alles getoppt« habe, was dieser Gigant der journalistischen Sorgfalt und gedanklichen Schärfe bis dato geleistet hatte.

Ich muß es im Original hinschreiben: »Seine Recherche vor dem Markus-Söder-Gespräch toppte alles.«

Ich blätterte durch komplett weggetretene Foto- und Infokastenseiten und langte beim bereits heute legendären Markus-Söder-Gespräch an, bei einem sage und jaule neunseitigen und, wie sich nach entbehrungsreichen Minuten des Lesens herausstellte, maßstabsetzend sinnlosen Gelaber mit einem Frankenmann, der just am 22. September, an ebendiesem Dienstag, auf einer Pressekonferenz zum besten gab: »Wir sind ein liberales Land« - und zugleich ankündigte, er werde im »Kampf gegen Corona« die Bundeswehr einsetzen.

Nein, auch das ist noch nicht der Witz.

Man mag zu dieser Angelegenheit mit dem Virus stehen, wie man will. Wer indes Markus den Prächtigen noch ernst nimmt, ist so plemplem, wie dieser Herrschaftsbatzen schamlos, anmaßend, berstend eitel und kotzbrockig ist.

Vor seinem Kabinett äußerte diese Karikatur ihrer selbst jüngst: »Corona wird immer gefährlicher.« Im legendären »Focus«-von-Arsch-bis-offen-Gespräch läßt er fallen: »Die nächste große Welle ist bereits da, bei unseren Nachbarn explodieren die Zahlen. Wir haben die Bewährungsprobe noch nicht bestanden. ›Winter is coming.‹« Da der sich selbst toppende Herr Harlan nicht in der Lage ist, ein Interview zu führen und ergo nachzuhaken, ziehe man fürderhin einen Psychologen hinzu.

Ach, ich wollte ja einen Witz erzählen. Auf den für nichts und wieder nichts vollgedruckten - noch mal - neun (in Zahlen: 9) Seiten finden sich vier Äußerungen mit Fallhöhe. Erstens: »Berlin ist eine hochspannende und interessante Stadt.« Zweitens: »Wie groß ist Ihr Fernseher?« - »Groß.« Drittens: »Ich habe mich schon als bayerischer Umweltminister für unsere Schöpfung eingesetzt.« Und viertens: »Berlin ist ein spannendes Pflaster.«

Wie bitte? Der Witz?

Natürlich, der Witz! Meine Exfrau lachte. »Jürgen, breiter ist noch nie gelogen worden. Die Titelzeilen lauten: ›Markus Söder: 231 Fragen und 230 Antworten.‹ Und, Zitat Söder: ›Mir ging es nie um Macht.‹«

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