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Bundesweite Warnstreiks im Nahverkehr - Stillstand in vielen Regionen

Verdi ruft zu Arbeitsniederlegungen auf, um einen Tarifvertrag für rund 87.000 Beschäftigte im ÖPNV durchzusetzen

  • Lesedauer: 4 Min.
Ein Mitarbeiter der Stuttgarter Straßenbahnen AG während des Warnstreiks im Straßenbahndepot der Stadtbahn
Ein Mitarbeiter der Stuttgarter Straßenbahnen AG während des Warnstreiks im Straßenbahndepot der Stadtbahn

Berlin. Busse und Bahnen stehen seit den Morgenstunden in zahlreichen Städten und Regionen still. Betroffen sind zum Beispiel Berlin, Hamburg, die Region Hannover, Magdeburg, Kiel und Erfurt. Auch in München, Konstanz und Freiburg wollen Beschäftigte im öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) die Arbeit niederlegen. Die Betriebe riefen ihre Kunden auf, am Dienstagmorgen auf nicht erforderliche Fahrten zu verzichten und auf andere Verkehrsmittel umzusteigen.

Verdi hat zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen, um einen bundesweiten Tarifvertrag für rund 87.000 Beschäftigte im ÖPNV durchzusetzen. Die Arbeitgeber stünden demnach einer solchen einheitlichen Regelung bislang ablehnend gegenüber. Die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) lehnen eigenen Angaben zufolge die Aufnahme von bundesweiten Verhandlungen bei gleichzeitigen Tarifrunden auf Landesebene ab.

Die Hintergründe zum Warnstreik im Personennachverkehr hat Ines Wallrodt in ihrem Artikel »Die nächste Verkehrswende« zusammengefasst.

Verdi verlangt bundesweit einheitliche Regelungen beim Ausgleich von Überstunden und den Zulagen für Schichtdienste. Auf Länderebene wird zudem laut Verdi über Verbesserungen im Bereich der Arbeitszeitregelungen und der Eingruppierung verhandelt.

Die Gewerkschaft fordert in dem Tarifkonflikt für bundesweit 87.000 Beschäftigte zudem Regelungen zur Nachwuchsförderung und zur Entlastung der Beschäftigten. »Der ÖPNV befindet sich bundesweit in einer schwierigen Situation. Nach 20 Jahren Sparkurs auf dem Rücken der Beschäftigten sind die Grenzen der Belastbarkeit erreicht«, kritisiert Verdi-Vizechefin Christine Behle. Trotz steigender Fahrgastzahlen seien in den letzten 20 Jahren 15 000 Stellen abgebaut worden. Folgen seien hohe Krankheitsquoten in den Betrieben und fehlender Nachwuchs.

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Im Berliner und Brandenburger Nahverkehr hat am Dienstagmorgen ein weitreichender Warnstreik begonnen. Bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) legten die Beschäftigten mit Betriebsbeginn um 3.00 Uhr die Arbeit nieder, wie Jeremy Arndt, der Verhandlungsführer der Gewerkschaft Verdi am Morgen der Deutschen Presse-Agentur sagte.

Auch in Brandenburg waren erhebliche Einschränkungen für die Bus- und Bahnkunden angekündigt. Man habe Beschäftigte der zwölf öffentlichen Nahverkehrsbetriebe zum Warnstreikaufgerufen, sagte am frühen Dienstagmorgen Jens Gröger, Verdi-Geschäftsführer für Nordostbrandenburg und dort zuständiger Verhandlungsführer.

Auch die Warnstreiks im Öffentlichen Nahverkehr in Mecklenburg-Vorpommern haben am frühen Dienstagmorgen begonnen. »Es läuft gut«, wie Karl-Heinz Pliete von der Gewerkschaft Verdi bestätigte. Auch in Rostock liegt der Betrieb laut Gewerkschaft still. »Es fährt nichts«, bestätigte Detlev Follak von Verdi. Zehntausende Menschen müssen sich auf massive Probleme auf dem Weg zur Arbeit oder zur Schule einstellen. Schüler mit langem Schulweg sind wegen des Warnstreiks sogar vom Unterricht befreit, wenn ihr Bus oder ihre Straßenbahn nicht fährt. Planmäßig sollen die Warnstreiks bis 9.00 Uhr laufen.

Auch im öffentlichen Nahverkehr in Nordrhein-Westfalen fallen seit Dienstagmorgen viele Busse und Bahnen aus. Die Gewerkschaft Verdi hat ihre Mitglieder zu einem ganztägigen Warnstreik aufgerufen. Man rechne mit mehr als 10.000 Beschäftigten in NRW, die ihre Arbeit im Laufe des Tages niederlegen würden, sagte Gewerkschaftssprecher Tjark Sauer am frühen Dienstagmorgen. Begonnen hatten die Warnstreiks mit dem Beginn der Frühschicht um 3.00 Uhr.

Viele Busse und Bahnen werden voraussichtlich in den Depots bleiben. In Wuppertal gingen die Stadtwerke davon aus, dass den gesamten Dienstag keine Busse fahren und die Kundencenter geschlossen bleiben. Die Schwebebahn ist ohnehin werktags derzeit außer Betrieb. Verdi-Bundeschef Frank Werneke will in Wuppertal zu den Beschäftigten sprechen. Es sei wegen des Warnstreiks bundesweit mit massiven Beeinträchtigungen im Nahverkehr zu rechnen. Man bedauere die Einschränkungen für die Fahrgäste sehr.

In vielen Orten Bayerns steht seit dem Morgen der öffentlichen Nahverkehr in großen Teilen still oder rollt nur eingeschränkt. Der Warnstreik sei wie geplant angelaufen, sagte ein Sprecher der Gewerkschaft Verdi.

In elf bayerischen Städten sollten die Beschäftigten von kommunalen Verkehrsbetrieben und privaten Omnibusunternehmen am Dienstag in den Warnstreik treten, darunter in München, Nürnberg, Augsburg und Würzburg. In München fielen am Morgen die U-Bahnen aus, die Straßenbahnen und Busse fuhren nur vereinzelt. »In Augsburg fährt so gut wie gar nichts«, sagte ein Sprecher der Stadtwerke.

Die Nürnberger VAG Verkehrs-Aktiengesellschaft hat einen Streikfahrplan eingerichtet: Statt U-Bahnen und Straßenbahnen fahren Busse entlang des Nachtliniennetzes. Diese seien am Morgen sehr voll gewesen, sagte eine Sprecherin. Normalerweise transportiere die VAG 600.000 Fahrgäste am Tag. »Da sind 14 Linien ein kleines Angebot.« Agenturen/nd

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