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S-Bahn-Chaos nach Kabelbrand

Bekennerschreiben zum mutmaßlichen Brandanschlag in Berlin-Friedrichshain aufgetaucht

  • Von Rainer Rutz
  • Lesedauer: 2 Min.

Ein Kabelbrand im Bereich des S-Bahnhofs Frankfurter Allee hat seit Montagmorgen für erhebliche Beeinträchtigungen und Verspätungen im S-Bahn-Netz gesorgt. Wie die Berliner Polizei mitteilte, gehe man »von einer vorsätzlichen Brandstiftung« aus. Der Polizeiliche Staatsschutz des Landeskriminalamts habe die Ermittlungen übernommen.

Früh schossen dann auch Spekulationen ins Kraut, der Brand in Berlin-Friedrichshain könne in einem Zusammenhang mit der für diesen Freitag angekündigten Räumung des linken Hausprojekts Liebigstraße 34 – kurz L34 – stehen. So twitterte der Berliner SPD-Abgeordnete Tom Schreiber bereits um die Mittagszeit: »L34. Sprechen wir es doch aus! Die Feinde der Demokratie!« Nebenbei holte das Mitglied des Innen- und Verfassungsschutzausschusses auch gleich noch gegen die eigenen Koalitionspartner aus: »Einige Linke und Grüne halten schützend ihre Hände darüber.«

Am frühen Nachmittag tauchte auf der linken Internetplattform Indymedia tatsächlich ein Bekenner*innenschreiben einer »Feministisch-Revolutionär-Anarchistischen Zelle« auf. Der Brand sei die »Quittung« für die »immer katastrophaler werdende Normalität«, heißt es in dem »Lockdown fürs kapitalistische Patriarchat!« übertitelten Schreiben. Als zu quittierende Beispiele genannt werden in diesem Zusammenhang unter anderem die Räumung der Neuköllner Kiezkneipe »Syndikat« vor zwei Monaten und generell der »Bullenterror« in Friedrichshain-Kreuzberg. Ein direkte Verbindung zur Liebigstraße 34 wird hingegen nicht hergestellt. Vielmehr schreibt die »Zelle«: »Es geht um mehr als die Liebig 34«.

Die Polizei wollte die Echtheit des Papiers gegenüber »nd« nicht bestätigen. Aus »polizeitaktischen Gründen« könne man zum Stand der Ermittlungen nichts sagen, so eine Polizeisprecherin. Man werde das Bekenner*innenschreiben aber »in die Ermittlungsarbeit einbeziehen«.

Nach dem am Montag gegen 5 Uhr festgestellten Brand von drei Kabelkanälen wurde der Zugbetrieb auf den Linien S41 und S42 zwischen den Stationen Frankfurter Allee und Neukölln unterbrochen, zeitweise wurden auch die nördlichen Stationen bis Schönhauser Allee nicht bedient. Die Linie S8 fiel zunächst zwischen Schöneweide und Blankenburg aus, später fuhren ab Greifswalder Allee wieder Züge. Die S9 war zwischen Schöneweide und Ostbahnhof unterbrochen, die S85 wurde komplett eingestellt. Auf den von den Sperrungen betroffenen S-Bahnhöfen kam es teilweise zu chaotischen Szenen.

Zwischen Frankfurter Allee und Neukölln wurde ein Schienenersatzverkehr eingerichtet, ab Montagmittag zwischen Ostkreuz und Baumschulenweg zudem ein Pendelverkehr im 20-Minuten-Takt. Nach Angaben einer S-Bahn-Sprecherin sei nicht vor Dienstag damit zu rechnen, dass der Betrieb wieder normal laufe.

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