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  • Beilage zur Buchmesse Frankfurt Main

Bequem im Vogelnest

Fuchsteufelsvergesslich: Martin Baltscheit lässt einen schlauen Fuchs den Verstand verlieren

Rot und schnell und immer hungrig - so lernen wir den Fuchs in dieser Geschichte kennen. Elegant springt er ins erste Bild des kleinen Büchleins und verliert dabei gleich mal seinen prächtigen blauen Hut. Doch noch ist die Welt für das schlaue Tier vollkommen in Ordnung. Es weiß, wie man den Geißen Fallen stellt, den Hasen Gruben gräbt und aus Hühnern einen zarten Braten macht.

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Martin Baltscheit: Die Geschichte vom Fuchs, der den Verstand verlor.
Vierfarb. Bilderbuch. Beltz & Gelberg, 37 S., br., 7,50 €.

Martin Baltscheit braucht nur wenig Text, um uns dieses lebenstüchtige Tier vorzustellen. Ein paar schlichte, wie von Kinderhand ausgeführte Zeichnungen in warmen Farben führen uns Meister Reineke am Kochtopf vor. Das Feuer lodert, die Schürze sitzt. Der Braten sieht knusprig aus. Die Pfoten sind in Siegerpose erhoben. Hier sehen wir einen, der es kann. Er vermag auch locker den Hunden des Jägers zu entkommen, die mit 200 Stundenkilometern hinter ihm her sind. Wie? Die Idee kommt ihm, dem Ausgebufften, als er mit einem Strohhalm in seinem Kaffeebecher rührt. Bewaffnet mit so einem Halm, springt er vor den Hunden in den Fluss, taucht unter und atmet mithilfe des Strohs, bis die Häscher davongesprintet sind. Perfekt!

Unser Fuchs genießt sein abenteuerliches Lockerleben, bis er weiße Barthaare bekommt sowie ein paar Narben hier und dort. Er sieht jetzt ein bisschen aus wie Opa Herbert von nebenan, der eines Tages einen seiner roten Filzlatschen in den Kühlschrank statt ins Schuhregal stellt. Und tatsächlich wird das betagte Füchslein diesem Opa immer ähnlicher. Zuerst bringt es die Wochentage durcheinander. Es geht am Mittwoch in die Kirche und wundert sich, warum der Chor der Gänse nicht singt. Es kommt ohne Geschenk zum Geburtstag des Freundes oder bringt ein Geschenk, und niemand hat Geburtstag. »Dann vergaß er einen Gedanken und musste zurück an den Ort, an dem er den Gedanken zum ersten Mal gehabt hatte.« Doch alles in allem waren das noch immer keine ernsthaften Probleme für unseren Rotschopf. Er kam zurecht. Wie Opa Herbert.

Eines Tages aber fand der Fuchs nicht mehr in seinen Bau. Er machte es sich im Vogelnest bequem und hielt das für sein Zuhause - bis die Amsel kam. Er ging zur Jagd - und wusste nicht mehr, was er fressen sollte. Statt eines Geißleins verputzte er sämtliche Früchte eines Brombeerbusches. Das ist zwar ganz im Sinne eines vegetarischen Tierlebens, aber mal ehrlich: nicht normal für einen Fuchs.

Der alte Schlaumeier wurde dermaßen fuchsteufelsvergesslich, dass er nur mit knapper Not noch einmal den Hunden des Jägers entkam, weil er im letzten Augenblick auf einen Baum klettern konnte.

Martin Baltscheit hat sich als Illustrator und Autor um das kleine Lesepublikum bereits sehr verdient gemacht. Tiere spielen bei ihm eine große Rolle, egal ob es sich um Pinguine oder Löwen handelt. Seine Worte scheinen wie abgezählt - keines zu viel und keines zu wenig. Und seine großen Illustrationen sind voller Witz und Charme. Für Klein und Groß wunderbar.

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