Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung
  • Kultur
  • Beilage zur Buchmesse Frankfurt Main

«Es gibt immer eine Alternative»

Die politischen Erinnerungen des Friedensaktivisten Ton Veerkamp

  • Von Franziska Klein
  • Lesedauer: 2 Min.

Links sein und Engstirnigkeit schließen sich für mich aus.« Dieses sympathische, dick zu unterstreichende Bekenntnis von Ton Veerkamp, ehemaliger Jesuit und evangelischer Studentenpfarrer in Berlin-West sowie Aktivist der Friedensbewegung, eröffnet die spannende Zeitreise zurück ins 20. Jahrhundert.

• Buch im nd-Shop bestellen
Ton Veerkamp: Abschied von einem messianischen Jahrhundert. Politische Erinnerungen.
Argument, 320 S., geb., 24 €.

Geboren 1933 als Sohn eines Bauarbeiters, verlebte Veerkamp eine eher bescheidene Kindheit in Amsterdam und leidet, gleich seinen Landsleuten, unter dem Joch der deutsch-faschistischen Okkupation. Er erlernt zunächst den Beruf des Bankkaufmanns und studiert dann Philosophie an der Katholieke Universiteit Nijmegen sowie Theologie in Maastricht und in New York City. Eine interessante Wendung - vom Geld zu Gott. Seine Mutter war eine strenggläubige Katholikin.

In den USA erlebt Veerkamp die machtvollen Demonstrationen gegen den schmutzigen Krieg in Vietnam und das Erstarken der Bürgerrechtsbewegung. Er ist begeistert von Martin Luther King und versteht: »Theologie ist politischer Kampf oder sie ist gar nicht.« Seine große Liebe führt ihn ins Westberlin der 70er Jahre, »Frontstadt« im Kalten Krieg, vermintes Terrain. Die Studentenrebellion mündete in Radikalisierung. K-Gruppen und RAF. Gewalt auf allen Seiten. Wo ist der besänftigende Gott? Veerkamp erkennt: Die Frage ist nicht, ob Gott existiert, sondern was in der Gesellschaft als Gott fungiert. Er ist Mitbegründer der Zeitschrift »Texte & Kontexte« und des Vereins »Lehrhaus«: »Diese Anstrengung machte es möglich, uns ernsthaft mit dem Christentum zu beschäftigen, statt es wie einen alten Mantel, der jahrelang nutzlos im Schrank hängt, sang- und klanglos in die Altkleidersammlung zu geben.«

Exkursionen in die DDR weiten den Horizont. Marxismus und Urchristentum scheinen viel gemeinsam zu haben. Dann: »Der Zusammenbruch des Sozialismus war für mich und für meine Freundinnen und Freunde ein Ereignis, das unser bisheriges Leben in Frage stellte.« Die neuen Kriege entsetzen und empören ihn. Er ist sicher, »die nächste Krise kommt wie das Amen in der Kirche«. Doch Pessimismus und Lethargie wären falsch. Ton Veerkamp ist zutiefst überzeugt: »Es gibt immer eine Alternative.«

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln