Neuer Anlauf für Bogensee

BIM sieht Wohnungsbau als einzige tragfähige Option für die ehemalige FDJ-Hochschule

  • Von Nicolas Šustr
  • Lesedauer: 3 Min.

»Wir haben eine Machbarkeitsstudie für die Nutzung von Bogensee anfertigen lassen. Die einzig wirtschaftlich tragfähige Option ist demnach Wohnungsbau«, sagt Johanna Steinke, Sprecherin der landeseigenen BIM, Berliner Immobilienmanagement, zu »nd«. Es ist höchste Zeit für Konzepte. Denn seit 21 Jahren steht die ehemalige Hochschule der einstigen DDR-Jugendorganisation FDJ in der Gemeinde Wandlitz leer. Für das Land Berlin ist das rund 15 Kilometer nördlich der Stadtgrenze liegende Areal ein Millionengrab. Allein seit 2011 sind 2,2 Millionen Euro in die Bewirtschaftung der Liegenschaft geflossen. Für die Notsicherung der Gebäude sind seit Beginn der Maßnahmen 2018 und noch bis zu deren voraussichtlichem Abschluss 2022 weitere 3,7 Millionen Euro angesetzt, wie aus der Antwort der Senatsverwaltung für Finanzen auf eine Schriftliche Anfrage des Linke-Haushaltspolitikers Steffen Zillich hervorgeht.

Von dem Areal trennen will sich das Land Berlin allerdings nicht, denn es ist geschichtlich stark belastet. Bevor die FDJ einzog und umfangreich baute, schenkte Berlin die Fläche 1936 dem NS-Reichspropagandaminister und Berliner Gauleiter Joseph Goebbels - seine Villa steht bis heute.

Für die Wohnungsbau-Option müsste ein dreistelliger Millionenbetrag aufgewendet werden. 3500 bis 4000 Menschen könnten dort wohnen und arbeiten, erklärt Johanna Steinke. Natürlich müsste auch soziale Infrastruktur wie Kindergärten entstehen. Neben dem Problem, dass das Gelände im Flächennutzungsplan umgewidmet werden müsste, gibt es noch zahlreiche andere Herausforderungen. »Die Gemeinde Wandlitz müsste mitmachen, die Berliner Forsten, denen das Gelände rundum gehört, der Denkmalschutz ebenfalls«, sagt Steinke. »Die Wohnungen können nur bezahlbar werden, wenn verdichtet gebaut wird«, erläutert sie. Auch die Verkehrsanbindung ist problematisch; der nächste Eisenbahn-Haltepunkt Wandlitzsee der Heidekrautbahn liegt fast fünf Kilometer entfernt. Es werden noch viele Gespräche zwischen Berlin, Wandlitz und auch dem Landkreis Barnim geführt werden müssen. Bisher habe die Gemeinde Wandlitz zur Machbarkeitsstudie zur weiteren Entwicklung des Bogensee-Areals keine näheren Informationen, heißt es dort auf nd-Anfrage. Daher könne die Kommune auch derzeit keine Stellungnahme dazu abgeben.

Bogensee ist nicht die einzige Problem-Liegenschaft der BIM. Am Donnerstag führte der Immobilienverwalter durch das ehemalige Stadtbad Steglitz. 2002 endete 94 Jahre nach der Eröffnung der Badebetrieb in dem prächtigen Bau. Der Betrieb sei zu unwirtschaftlich, befand man damals. 2004 wurde das Gebäude für einen Euro an eine Investorin abgegeben, mit der Auflage, innerhalb von zehn Jahren wieder den Badebetrieb aufzunehmen. Das geschah nicht, 2016 wurde der Verkauf rückabgewickelt. Seitdem stand das Bad leer. Am kommenden Montag soll das Interessenbekundungsverfahren starten, Verkauf ist keine Option mehr, sondern nur die Vergabe in Erbpacht.

»Ich wünsche mir hier einen lebendigen Ort - und Wasser im Becken. Es wäre sehr schön, wenn dort bald wieder Kinder schwimmen lernen können«, erklärt die Steglitz-Zehlendorfer Bezirksbürgermeisterin Cerstin Richter-Kotowski (CDU). Das ist eine der Auflagen für die Interessenten, die ihre Konzepte bis 18. Dezember einreichen können. »Bei dem Verfahren geht es nicht darum, einen Gewinner zu küren, sondern tatsächlich erst mal das Interesse und die Finanzierungskonzepte kennenzulernen«, sagt Steinke. Geld wird einiges benötigt. Allein für die Schwimmbadtechnik rechnet die BIM mit Kosten von über einer halben Million Euro.

Fortschritte gibt es auch beim bereits 1991 wegen seines katastrophalen Zustands geschlossenen Stadtbad Lichtenberg zu vermelden: Die Schadstoff-Sanierungsarbeiten beginnen im November, eine Teileröffnung im Erdgeschoss ist für das dritte Quartal 2021 vorgesehen. Hier wird die BIM direkt als Vermieterin auftreten. »Die Liegenschaft ist gut geeignet als Kulturstandort und für kleine Kongresse bis 200 Personen«, sagt Steinke. Über möglichst hohe Vermietungseinnahmen in diesem Bereich soll eine Quersubventionierung für Nutzungen von anderen Räumen für Quartiersbelange erreicht werden. Ideen für weitere Nutzungen gibt es reichlich. »Vielleicht hat das benachbarte Sana-Klinikum Interesse an einer Einrichtung für therapeutisches Schwimmen«, nennt Steinke eine.

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