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Regierungsflieger weihen BER ein

Mit einem dienstlichen Flug von Bundesagrarministerin Julia Klöckner ging das Regierungsterminal in Betrieb

  • Von Tomas Morgenstern
  • Lesedauer: 4 Min.

Es ist vollbracht: Staatsoberhaupt und Regierung der Bundesrepublik Deutschland lassen ab sofort in Schönefeld statt in Tegel starten und landen, und sie empfangen dort auch ihre hochrangigen Staatsgäste aus dem Ausland. Lange genug hatte die Bundesregierung mit ihrem neuen Terminal auf dem Gelände des künftigen Hauptstadtflughafens BER gefremdelt.

Obwohl das ursprünglich als Zwischenlösung geplante, wenngleich aufwendig ausstaffierte Regierungsterminal bereits 2018 fertiggestellt und dem Bund auch betriebsbereit übergeben worden war, hatte die Flugbereitschaft der Luftwaffe erst im September das Regiment übernommen auf dem »Ramp 1« genannten nördlichen Airportareal neben dem bisherigen Flughafen Berlin-Schönefeld (ab 25. Oktober: BER-Terminal 5). Immer wieder war die Inbetriebnahme hinausgezögert worden - ungeachtet der damit für den Bund anfallenden Millionenkosten.

Zunächst hatte die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg noch damit gerechnet, dass das neue Regierungsterminal am 22. Oktober mit einem ersten Staatsgast aus dem EU-Raum seine Premiere erleben würde. Da aber selbst die meisten Spitzenpolitiker coronabedingt ihre Reisetätigkeit wieder stark eingeschränkt haben, schnappte sich eher außerplanmäßig bundesdeutsche Prominenz diese Ehre schon einen Tag zuvor. Am Mittwochvormittag schwebte Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) vom EU-Agrarministertreffen in Luxemburg kommend in Schönefeld ein. Mit diesem Flug weihte die Ministerin nicht nur als Regierungsmitglied das neue Terminal ein, sondern als Flugreisende im weiteren Sinne sogar vorfristig den Flughafenstandort »BER«, dessen offizielle Inbetriebnahme erst anderthalb Wochen später vorgesehen ist.

Klöckner bezeichnete es nach zwei langen Verhandlungsnächten in Luxemburg als »schönen Zufall« und »nette Überraschung«, dass sie am neuen Hauptstadtflughafen landen konnte. »Dem neuen Flughafen BER wünsche ich viele zufriedene Fluggäste und Crews - der Start erfolgt unter besonderen Bedingungen jetzt«, sagte die CDU-Politikerin.

Den im Oktober 2018 als Interimsbau abfertigungsbereit an den Bund übergebenen Zweigeschosser samt Vorfeldflächen für Flugzeuge sowie der notwendigen Infrastruktur hatte die FBB innerhalb von 18 Monaten für knapp 80 Millionen Euro errichten lassen. Die Bundesregierung hatte das Terminalgebäude für fünfeinhalb Jahre ab Nutzungsbeginn gemietet. Ein repräsentativerer und deutlich größerer Neubau, der für 344 Millionen Euro unter anderem auf Teilflächen des ursprünglich zunächst zum baldigen Abriss vorgesehenen Flughafens Schönefeld errichtet werden sollte, war im Dezember 2019 auf Wunsch der Flughafengesellschaft gestoppt worden. Nach derzeitigen Planungen soll das Interimsterminal bis auf weiteres dauerhaft genutzt werden, bis 2035 das endgültige Regierungsterminal fertiggestellt wird.

Die weißen VIP-Sondermaschinen der Luftwaffe mit dem schwarz-rot-goldenen Rumpfband waren 26 Jahre lang in Tegel gelandet, um Regierungsmitglieder und ihre Delegationen abzuholen oder wieder nach Berlin zurückzubringen. Während jedoch der Flughafen Berlin-Tegel am 8. November schließt, wird dessen militärischer Teil vorerst weiter betrieben. Zumindest sollen dort bis 2029 drei »Cougar«-Hubschrauber der Flugbereitschaft für VIP-Flüge stationiert sein. Der Weiterbetrieb dieser Liegenschaft in Tegel kostet nach einer Antwort des Verteidigungsministeriums auf eine parlamentarische Anfrage etwa fünf Millionen Euro im Jahr. 2019 habe es lediglich 67 Einsätze der Hubschrauber gegeben.

Auch die 19 Flugzeuge der Luftwaffe für den Personentransport werden einstweilen nicht fest am BER stationiert. Heimatflughafen und Dienstort für 1200 Mitarbeiter bleibt zunächst Köln/Bonn, was ebenfalls hohe Kosten für den Hin- und Rückflug zu Einsätzen nach Berlin verursacht. In den 13 Monaten bis Ende April 2020 sind die Maschinen der Flugbereitschaft nach Angaben des Verteidigungsministeriums 761 mal zwischen Berlin und Köln/Bonn geflogen - davon fanden 617 Leerflüge ohne Passagiere statt. Dazu komme es, weil Flugzeuge zur Aufnahme von Fluggästen überführt würden oder nach einem Transport an ihren Standort zurückkehrten, Reserveflugzeuge bereitgestellt werden sowie Aus- und Weiterbildungsflüge absolviert werden müssten.

Aufgrund dieser unbefriedigenden Situation besteht der Bund mittelfristig auf dem Neubau eines Regierungsterminals. Am derzeitigen Standort fehlt es an Platz auf den notwendigen Vorfeldflächen. Dort gebe es nur fünf Abstellpositionen für Flugzeuge, erforderlich seien aber 13, hatte das Bundesbauministerium vor anderthalb Jahren moniert.

Weil auch die Flugbereitschaft ein Kapazitätsproblem auf der »Ramp 1« sieht, hat sie bei der Lufthansa Bombardier Aviation Services am BER Hallenkapazität zur Wartung von Flugzeugen angemietet. Der Bereich sei auch als Einstiegsmöglichkeit für Regierungsflüge geeignet. Mit dpa

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