Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Flügel kontra Flügel

Konzertpianisten, Schauspieler und der Sänger Sebastian Krumbiegel protestieren vor dem Landtag

  • Von Wilfried Neiße, Potsdam
  • Lesedauer: 3 Min.
Das Konzert „Flügel gegen Flügel“, unter anderem mit dem Pianisten Björn O. Wiede, fand als Protestaktion gegen eine Fraktionssitzung der Brandenburger AfD vor dem Landtag statt.
Das Konzert „Flügel gegen Flügel“, unter anderem mit dem Pianisten Björn O. Wiede, fand als Protestaktion gegen eine Fraktionssitzung der Brandenburger AfD vor dem Landtag statt.

»Abstand halten!« Dieser Aufruf auf dem Vorplatz des Potsdamer Landtagsschlosses galt am Dienstag nur einerseits der Gefahr, sich mit dem Coronavirus zu infizieren. Es war auch ein Aufruf, Distanz zu Rechtsextremen und ihrem Gedankengut zu wahren. Im politischen Windschatten zur gleichzeitig stattfindenden Wahl des AfD-Fraktionschefs fand hier eine musikalische Gegenkundgebung unter dem Motto »Flügel statt Flügel« statt.

Veranstalter Rainer Opolka hatte einen großen Konzertflügel anfahren und aufstellen lassen. Dieser Flügel stehe und erklinge gegen den rechtsextremen sogenannten Flügel der AfD, erklärte er dazu. Zwar sei der Flügel der Partei »aus taktischen Gründen aufgelöst« worden, doch zeige die Wahl des Landtagsfraktionschefs, dass Mitglieder des Flügels nach wie vor die brandenburgische AfD beherrschen. Der AfD-Flügel gilt nach Einschätzung des Verfassungsschutzes als »gesichert rechtsextremistische Bestrebung«. Oder wie Opolka es ausdrückt: »Die AfD Brandenburgs ist Flügel, sie ist dessen integraler Bestandteil.« Neben der Bühne hing ein Plakat, auf dem Abgeordnete der AfD-Landtagsfraktion bezeichnenderweise vor einem großen Flügel posieren.

»Wir wollen aufklären über eine Partei, die Ausländer und Migranten ständig verächtlich macht«, erklärte Opolka. Er forderte die Zuhörer auf, »nicht dabei zuzusehen, wie diese Republik nach rechts rückt«. Bevor er den Pianisten Igor Levit ankündigte, zitierte Opolka Wilhelm Busch: »Ein Onkel der ein Geschenk bringt, ist besser als eine Tante, die Klavier spielt.« Und er fügte mit Blick auf die Qualität der auftretenden Künstler hinzu: »Ich sehe das allerdings anders.« Angekündigt wurden ferner die Konzertpianisten Björn O. Wiede, Andy Schulte und die Pianistin Simone Seyfarth.

Auch der Pop-Sänger Sebastian Krumbiegel (»Die Prinzen«) beteiligte sich an der Veranstaltung. Eine rote Maske hatte er tief ins Gesicht gezogen. »Ich bin alles andere als ein Coronaleugner. Wir werden harte Monate erleben und sie werden noch härter, wenn wir nicht cool bleiben«, sagte er. Auf der Kappe, die er auf dem Kopf trug, stand: »Paradiesvögel statt Reichsadler.«

Rassismus, Ausländerhass, Antisemitismus und anderes, eigentlich überwunden geglaubtes, Gedankengut seien zurückgekehrt, begründete der Künstler seine Beteiligung an dieser Initiative. Er rief dazu auf, dagegen den Kampf aufzunehmen. »Ich bin ein gewaltfreier Mensch«, beteuerte der Sänger, ihm gehe es um einen respektvollen Umgang miteinander und Freundlichkeit. »Aber es gibt Situationen im Leben, da kommt man mit Pazifismus nicht weiter.« Inzwischen sehe er in Deutschland die Demokratie als gefährdet an.

»Wir wissen nicht, was morgen wird, wir ackern und pflügen das Heute«, zitierte eine junge Schauspielerin vom Potsdamer Hans-Otto-Theater aus einem Gedicht der Poetin Mascha Kaléko.

Veranstalter Opolka hatte vor einiger Zeit den Thüringer AfD-Landesvorsitzenden Björn Höcke mit seinem Wort von der AfD in der Rolle von »Wölfen« ernst genommen. Am selben Platz, wo am Dienstag das Flügelkonzert stattfand, stand vor einigen Jahren einige Wochen lang eine bedrohliche Skulpturengruppe: ein riesiges wildes Wolfsrudel. Zum Teil die Pfoten zum Hitlergruß erhoben. Geschaffen hatte diese Figuren Opolka, der selbst Künstler ist.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln