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Ladebox für Elektroautos

Erfindung der ME Energy GmbH aus Wildau für den Innovationspreis nominiert

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 4 Min.

Der US-Konzern Tesla baut in Grünheide eine Autofabrik. Doch für einen etwaigen Siegeszug der Elektrofahrzeuge, die dort bereits ab Sommer 2021 hergestellt werden sollen - und auch für Elektroautos anderer Marken - gibt es in der Bundesrepublik zwei entscheidende Hindernisse: Es mangelt an Schnellladestationen und es erscheint ökologisch widersinnig, die Batterien mit Strom aufzuladen, der aus fossilen Energieträgern wie Braunkohle oder Erdgas gewonnen wird.

25 Kilometer entfernt von Grünheide zeichnet sich in Wildau für beide Probleme eine Lösung ab. Dort, in der Schmiedestraße, sitzt die ME Energy GmbH. Die Firma beschäftigt im Moment zwölf Mitarbeiter und hat eine Ladebox entwickelt, die lediglich ein wenig Platz braucht, um selbst aus Bioethanol den Ökostrom für die Autobatterie zu erzeugen. Später könnte Methanol verwendet werden, erzeugt durch überschüssige Windkraft oder Solarenergie. Zehn Minuten genügen, um eine Batterie so weit aufzuladen, damit ein Mittelklassewagen mit Elektroantrieb 200 Kilometer weit fahren kann. Die Befüllung der Ladebox mit 1500 Litern Bioethanol reiche für etwa zwei Monate, sagt Alexander Sohl. Der Ingenieur gründete das Unternehmen Anfang 2019 gemeinsam mit Inès Adler, die ebenfalls vom Fach ist.

Die Idee kam den beiden 2018 - und diese Idee war der Jury des Innovationspreises Berlin-Brandenburg eine Nominierung wert. Es gibt noch zehn weitere Nominierungen, ob die Ladebox einen von fünf Preisen erhält, wird sich daher erst am 27. November bei der Verleihung zeigen. Doch das Produkt aus Wildau erregte bereits einige Aufmerksamkeit, gewann Wettbewerbe und erhielt schon einen Nachhaltigkeitspreis. Das alles dürfte dabei helfen, Partner für die Markteinführung und Verbreitung zu finden.

Alexander Sohl und sein Team haben sich vorgenommen, dass die Ladebox 2021 in die Serienproduktion gehen kann. Seit Mai beziehungsweise seit September dieses Jahres gibt es zwei Prototypen, aufgestellt an zwei Stellen in Berlin und Brandenburg, der eine davon im Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Wildau. Die dritte Box werde in dieser Woche ausgeliefert, erzählt Sohl. Insgesamt befindet sich das Produkt noch in der Testphase, in der beispielsweise nur ausgewählte Nutzer des Zentrums für Luft- und Raumfahrt die Ladebox mit einer Chipkarte nutzen können. Die Vision ist, ganz Deutschland mit einem dichten Netz solcher Ladeboxen zu überziehen. »Wir haben das Ziel, Elektromobilität in Deutschland möglich und alltagstauglich zu machen«, sagt Sohl.

Das scheint keine Träumerei zu sein. »Es klafft eine Lücke zwischen Angebot und Nachfrage, die in den nächsten Jahren immer größer wird«, ist der Ingenieur überzeugt. Herkömmliche Schnellladestationen für Elektroautos können nicht überall unproblematisch platziert werden - und sie verbrauchen sehr viel Strom. Die Kapazität des Stromnetzes sei dafür nicht ausgelegt, erläutert Sohl. Darum seien Schnellladestationen bisher nicht profitabel. »Unsere Ladestation erzeugt Strom etwa ein Drittel günstiger als aus dem Stromnetz.« Sohl nennt sie die »weltweit erste autarke Anlage« dieser Art. Der Preis liegt bei 109 000 Euro, mögliche Fördermittel eingerechnet, bei 70 000 Euro.

Noch ist es so, dass Besitzer von Elektroautos diese vielfach auf dem privaten Grundstück aus der Steckdose aufladen. Das dauert stundenlang, ist aber nachts, wenn alle schlafen, kein Problem. Die Schwierigkeiten beginnen am Tage, wenn der Autofahrer nicht nur ein Stück zur Arbeit pendelt, wenn er längere Strecken zurücklegen und beispielsweise eine Reise unternehmen möchte. Ein Auto mit Verbrennungsmotor ist innerhalb von Minuten mit Benzin oder Diesel in einer Menge betankt, die für mehrere Hundert Kilometer ausreicht. Elektroautos können da nur mithalten, wenn es, so wie bei Tankstellen, ein dichtes Netz von Schnellladestationen gibt - und daran hapert es im Moment noch.

Für den Innovationspreis nominiert ist noch eine weitere technische Lösung, die mit erneuerbaren Energien zu tun hat. Die Berliner Lumenion GmbH hat einen Hochtemperatur-Stahlspeicher entwickelt. Er soll den mit Windrädern und Solarzellen erzeugten Strom als Wärme speichern. Die Rede ist von 650 Grad Celsius, die dann zeitversetzt und kostengünstig als Fernwärme genutzt werden könnten.

Der Erfindergeist sei selbst in schwierigen Zeiten ungebrochen, meint Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD). Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) sagt über alle elf Nominierungen: »Die Innovationen treffen den Zeitgeist.«

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