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Snooker spielen ohne Arme

Muhammad Ikram befördert die Kugeln mit dem Kinn über den langen Tisch - erfolgreich

  • Von Jenni Lügger
  • Lesedauer: 2 Min.
Muhammad Ikram kann die weiße Kugel präzise mit seinem Kinn spielen.
Muhammad Ikram kann die weiße Kugel präzise mit seinem Kinn spielen.

Muhammad Ikram liegt bäuchlings auf dem Snookertisch, die Augen fixieren das Ziel. Langsam nähert sich sein Gesicht dem grünen Filz, er neigt den Kopf und stößt den weißen Spielball mit dem Kinn und ungeahnter Wucht in Richtung der anvisierten Kugel. Die Zuschauer staunen, die rote klackert in der Tasche und Muhammad Ikram, der Snookerspieler ohne Arme, sucht eine Farbe, um sein Break fortzusetzen.

Der 32-Jährige ist in Pakistan auf dem Weg zu einer Berühmtheit. Die Medien reißen sich um ihn, und Ikram genießt die Aufmerksamkeit. Nur zu gerne erzählt er seine Geschichte, die in der Stadt Samundri in einer armen Familie zwischen acht Geschwistern mit einer Sehnsucht begann: Der Sehnsucht nach dem Spiel mit den 15 roten Kugeln, das britische Offiziere einst ins Land brachten. »Am Anfang habe ich den anderen Spielern nur zugeschaut und mich gefragt, ob ich auch spielen würde, wenn ich Arme hätte«, erzählt Ikram. Also fing er an, heimlich zu trainieren, die Kugeln mit dem Kinn über den leeren Tisch zu stupsen. Seine Eltern wollten es ihm verbieten, sie hatten Angst um ihren Sohn, Klubbesitzer Muhammad Nadeem war sich sicher: »Du kannst das nicht!«

Doch Muhammad Ikram lässt sich nicht so einfach vertreiben, er feilte an seiner Technik, der Drall, den er der Kugel verpasst, und die Geschwindigkeit kommen aus dem Nacken. Drei lokale Turniere hat er so bereits gewonnen und verdient sogar ein bisschen Geld mit seiner Leidenschaft. Seine Gegner spielen mit dem Queue, er mit dem Gesicht. »Wenn es da draußen noch jemanden gibt, der so spielt wie ich, wäre ich bereit, gegen ihn anzutreten«, sagt Ikram.

Seine Fähigkeiten würde er gerne auch im Ausland unter Beweis stellen, jetzt da er schon eine kleine Internetbekanntheit ist, sollten die Chancen gar nicht so schlecht stehen. Ikram selbst hat keine Ahnung, was diese Sozialen Medien eigentlich sind. Er weiß nur eines: »Ich werde berühmt.« Einen Teil des Weges hat er schon zurückgelegt - mit der Beharrlichkeit, mit der er einst die zwölf Kilometer lange Strecke zum Snookercenter bewältigte. Hin und wieder zurück. Jeden Tag.

Für Klubchef Nadeem ist Muhammad Ikram »ein wahrer Sportsmann«, bezahlen muss der Star der Snookergemeinde in Samundri längst nicht mehr, wenn er trainieren will. »Stattdessen bezahlen die Leute ihn dafür, dass er gegen sie spielt«, sagt Nadeem: »Er hat in diesem Sport keine Konkurrenz. Im Cricket oder Fußball gibt es behinderte Spieler, aber im Snooker ist er einzigartig.« SID/nd

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