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Schafft ein, zwei, drei Waldgärten

Im Osten Simbabwes reagieren Kleinbäuerinnen und Kleinbauern kreativ auf die Wüste

  • Von Helge Swars, Weltfriedensdienst
  • Lesedauer: 5 Min.
Im agrarökologischen Trainingszentrum werden Anbautechniken gelernt.
Im agrarökologischen Trainingszentrum werden Anbautechniken gelernt.

»Früher hatten wir Regenschirme, um uns vor Regen zu schützen. Heute schützen wir uns damit vor der Sonne.« Wenn die Alten in Chimanimani erzählen, klingt es wie ein Märchen: Früher seien Quellen aus den Bergen gesprudelt. Was heute Trockensavanne ist, war damals dicht bewaldet. Überall konnte man Früchte pflücken, die Flüsse waren reich an Fischen, es gab eine Fülle an Wildtieren und keinen Mangel an Nahrungsmitteln.

Wasserholen ist oft Kindersache – die Pumpe ist eine Erleichterung.
Wasserholen ist oft Kindersache – die Pumpe ist eine Erleichterung.

Heute sind der Save-Fluss und seine Seitenarme nur noch Rinnsale oder ganz ausgetrocknet. Affenbrotbäume, Akazien und Dornensträucher wachsen verstreut über eine sandige Hügellandschaft, vertrocknete Maisstängel und gelegentlich ein Obstbaum in der Umgebung vereinzelter Gehöfte. Einige Familien haben Bougainvillea gepflanzt oder ihre Häuser in einer hellen Farbe gestrichen - kleine Farbtupfer in der schroffen Gegend.

Die Lage im Regenschatten der Chimanimani Mountains sorgt für trockenes und heißes Klima. Zusätzlich haben die Menschen hier durch den Klimawandel allein im vergangenen Jahrzehnt so viele Dürrejahre erlebt wie die Generationen vor ihnen in einem ganzen Leben. Selbst in der Regenzeit fallen Niederschläge nicht mehr zuverlässig. Ackerbau wird zum Glücksspiel: Folgen auf den ersten Regen längere Trockenphasen, vertrocknet die ausgebrachte Saat. Wird später gesät, kann es passieren, dass die Trockenzeit beginnt, bevor das Getreide reif ist. Dann fallen die Erträge mager aus. Künstliche Bewässerung, um diesem Risiko zu begegnen, ist kaum möglich. »In 20 Jahren kann niemand mehr hier leben«, bringt es ein Mitarbeiter des Landwirtschaftsministeriums auf den Punkt.

Die ockerfarbene staubige Erde neben der einzigen Teerstraße weit und breit wird hier und da von sattgrünen Feldern durchbrochen. Das Häuschen von Mwadaro Chieza und seiner Frau Rose Sunguro liegt auf einer Anhöhe. Der Weg zu dem betagten Kleinbauernpaar schlängelt sich durch kleine Hirse-, Sonnenblumen- und Erdnussfelder nach oben. Alle paar Schritte verläuft ein Erdwall mit einem Graben dahinter quer durch das Gelände. Es hat seit Wochen nicht geregnet, dennoch ist Schlamm in den Gräben. Jeder Tropfen, der mit dem jüngsten Regen den Hügel herabkam, wurde hier aufgefangen. Wassermelonen ranken über den Boden und beschatten mit ihren Blättern die Erde zwischen den Hirse- und Erdnusspflanzen.

Herr Chieza lebt schon immer hier. Er erzählt, dass sein Großvater und sein Vater alle Bäume auf dem Land fällten. So sahen sie es bei den kommerziellen Farmern: damit der maschinellen Bodenbearbeitung buchstäblich nichts im Weg steht. So wurde es ihnen nach der Unabhängigkeit von den Beratern des Landwirtschaftsministeriums empfohlen. Niemand hatte sich gefragt, warum die Natur das nicht vorsieht.

Ohne Bäume verschlechterte sich die Bodenfruchtbarkeit rapide. Sie hatten mit ihren tiefen Wurzeln das Erdreich festgehalten und Nährstoffe mobilisiert, die als Laub Jahr für Jahr auf den Ackerboden abgeworfen wurden. Der Schatten der Baumkronen verringerte die Verdunstung und den Hitzestress für die Pflanzen. Diese Bäume fehlen jetzt. Durch die Hanglage des Feldes der Familie Chieza spülte jeder Regenguss fruchtbaren Boden weg. Das Wasser versickerte kaum noch, und die heiße Sonne buk den Boden steinhart. Herr Chieza und seine Frau sahen ihre Erträge einbrechen. Selbst wenn das Geld für Düngemittel gereicht hätte, um den Verlust der Bodenfruchtbarkeit auszugleichen - woher sollte das Wasser kommen?

Setzlinge gedeihen für den Waldgarten.
Setzlinge gedeihen für den Waldgarten.

Zu ihrem Glück lebt Kumbirai Dube in der Gegend. Er ist hier als »Magier der Wasserernte« bekannt. Er hat großen Erfolg mit dem Sammeln von Regenwasser in Sickergräben, die er entlang der Höhenlinien des Geländes anlegt. Überlaufendes Wasser füllt den nächsten, tiefer gelegenen Graben. Es versickert und sucht sich unter der Erde seinen Weg entlang von Gesteinsschichten und Gefälle. Von der Bodenfeuchtigkeit können Pflanzen mit tief reichenden Wurzeln noch lange zehren.

Eine sogenannte Erosionsrinne zerschnitt früher sein Land wie ein trockenes Flussbett. Sie verlief längs zum Gefälle, also hangabwärts. Wenn es regnete, verwandelte sie sich in einen reißenden Bach. Das Wasser strömte so schnell davon, wie es gekommen war. Jeder Regen spülte mehr Boden fort. Herr Dube blockierte die Rinne mit kleinen Dämmen und zwang das Wasser unter die Erde. Seine Erträge stiegen. Die Vegetation unterhalb seiner Dämme erholte sich trotz vieler Dürrejahre.

Jede Pflanze hat ihre Aufgabe auf Herrn Dubes Feldern: Die eine spendet Schatten oder bedeckt den Boden, um ihn vor dem Austrocknen zu schützen. Die andere hält Schädlinge fern oder mobilisiert Nährstoffe aus tieferen Schichten. Der Artenreichtum seiner Felder sicherte seiner Familie eine ausgewogene und gesunde Ernährung.

Mit Spitzhacken wird der Sickergraben parallel zum Hang ausgehoben.
Mit Spitzhacken wird der Sickergraben parallel zum Hang ausgehoben.

Das entging seinen Nachbarn nicht. Sie gründeten eine Nachbarschaftsinitiative, und zusammen mit Herrn Dube zogen sie mit Hacke und Schaufel von Gehöft zu Gehöft, um das Land umzuwandeln. Allein bei der Familie Chieza bewegten sie mit einfachen Geräten etwa 250 Kubikmeter Erde. Die beiden alten Kleinbauern sind zufrieden. Sie ernten mehr, als sie selbst verbrauchen. Vom Erlös ihrer Verkäufe haben sie sich ein paar Hühner angeschafft. Der Hühnermist ist guter Dünger, die Eier werden verkauft. Um ihr Haus herum und auf den ausgehobenen Erdwällen wachsen junge Obstbäume. Ein kleines Solargerät speist den Akku ihres Smartphones. Chimanimani hat in den vergangenen 40 Jahren viele Pioniere einer zukunftsfähigen Landwirtschaft wie Kumbirai Dube hervorgebracht.

Der Weltfriedensdienst hat es mit seiner Projektförderung bereits mehrmals ermöglicht, dass sich aus Nachbarschaftsinitiativen Organisationen entwickelten, die das Leben Tausender Menschen wie der Familie Chieza verbessern. Seit vergangenem Jahr gehört dazu auch PORET (Participatory Organic Research Extension and Training).

PORET betreibt einen Waldgarten mit einem agrarökologischen Trainingszentrum für Trockenregionen. Hierher kommen die Menschen, um mit und voneinander zu lernen, wie sie ihre ausgelaugten Felder wieder fruchtbar und widerstandsfähig gegen die Klimakrise machen können. Das Projekt zeigt den Kleinbauernfamilien damit einen klaren Weg aus chronischer Armut, Hunger und Umweltzerstörung.

Die Partnerorganisation des Weltfriedensdienstes will nicht weniger als eine Trendwende herbeiführen. Ihre Vision: Eine Gemeinschaft, die die Natur respektiert, ihre Lebensumstände aus eigener Kraft verbessert und so die Armut überwindet. Die sattgrünen Gärten inmitten der staubigen, schroffen Savanne werden immer zahlreicher.

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