Geteilte Macht ist halbe Macht

Die Frauenquote erhitzt die Gemüter

  • Von Julia Trippo
  • Lesedauer: 3 Min.

Nichts spaltet eine Gesellschaft so schnell, wie die Diskussion um Macht und Einfluss - und darüber, wem diese zustehen. Derzeitiges Stichwort dazu ist die Frauenquote, auf die sich Koalitionspartnerinnen SPD, CDU und CSU geeinigt haben. Im Gesetzentwurf geht es um eine Frauenquote in Vorständen börsennotierter Unternehmen und für Aufsichtsgremien im öffentlichen Dienst und wesentlichen Gremien des Bundes. Die Notwendigkeit dafür wird schnell offensichtlich: Je dünner die Luft an der Spitze eines Unternehmens, desto weniger Frauen sind dort in der Regel zu finden. Dass in Vorständen von Börsenunternehmen häufiger Männer mit dem Namen Thomas oder Michael zu finden sind als Frauen, bewies eine oft zitierte Studie der Allbright-Stiftung aus dem Jahr 2017.

Besonders die Menschen im Internet beschäftigt das Thema Quote sehr. Da gibt es zum Beispiel Frauen, die selber nie Quotenfrauen sein wollen. Eine Nutzerin schrieb auf Twitter, sie möchte wegen ihres Geschlechts weder bevorzugt noch benachteiligt werden. Dieses Sentiment teilen viele CDU-Abgeordnete, die im Gegensatz zur Schwesterpartei CSU das Gesetz bis zuletzt blockiert hatten. Jana Schimke, die für die Christdemokraten im Bundestag sitzt, erklärte gegenüber dem Deutschlandfunk: »Viele junge Frauen auch bei ins in der Partei wollen keine Quotenfrau sein. [...] Man möchte es mit eigener Leistung schaffen.« Immerhin gelten solche gesellschaftspolitischen Maßnahmen in der politischen Theorie als positive Diskriminierung.

Genau das ist die Krux, dass die Frauenquote als eine Art schummeln angesehen wird. In so einer Debatte wird den Quotenfrauen die Qualifikation abgesprochen, als würden sich diese beiden Dinge ausschließen. Als würden sie irgendwo eingesammelt und dann in den Vorstand von einem DAX-Unternehmen gesteckt werden. Dass diese Frauen top ausgebildet und für die Position hoch qualifiziert beziehungsweise ähnlich gut qualifiziert wie die Männer sind, hat in so einer Ansicht anscheinend keinen Platz.

In die Diskussion über die Notwendigkeit einer Quote mischten sich auch einige Kommentare von solidarischen Männern, die auf Twitter ihre männlichen Privilegien reflektierten und sich als Quotenmänner outeten. Ein User schrieb, dass für keinen der Jobs, die er bekommen hat, je Frauen in Erwägung gezogen worden, »weil Industrie ja Männersache« sei. Er habe es relativ einfach gehabt, sich hochzuarbeiten berichtet ein anderer Nutzer, der als Vermögensverwalter tätig ist, weil kompetente Kolleginnen durch ihre Zeit im Mutterschutz ihm den Weg frei für die Karriereleiter gemacht haben. Diese ehrlichen Worte kamen im Internet gut an.

Dass die Quote nicht die perfekte Lösung ist, bestreiten nicht einmal Befürworter*innen. Doch sie wirkt und das schnell.

Das feministische Allheilmittel ist die Frauenquote trotzdem nicht. Denn wie vielen Frauen wird damit im Schnitt zu mehr Chancengleichheit verholfen? Einigen wenigen, die sowieso schon ganz oben in der Nahrungskette angelangt sind. Und nur, weil sich dort zukünftig dann mehr Frauen wiederfinden, verspricht deren Anwesenheit noch lange keinen feministischen Fortschritt.

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