Winterwanderfreude

An Flussauen flanieren, durch Feldsteindörfer spazieren, in historische Parks eintauchen und Berge erklimmen – Brandenburg bietet eine Fülle von Wanderrouten für die Zeit des Lockdowns.

Von Oliver Gerhard

Ein Hauch von Kanada liegt über dem Wolletzsee: Knorrige Erlen strecken ihre Arme ins Wasser, daneben liegen die Stämme einst mächtiger Buchen kreuz und quer - umgestürzt aus Altersschwäche oder gefällt von den Bibern, die hier ihr Revier haben. Am Strand knirschen die Schalen Tausender Muscheln unter den Füßen. Graureiher warten am Ufer auf Beute und mit viel Glück entdeckt man sogar einen Eisvogel. Am östlichen Ende des 330 Hektar großen Sees leuchten die auf Stelzen errichteten Datschen der Anwohner in Gelb, Rot und Hellblau. Immer wieder taucht man in Biotope ein, zum Beispiel in den sumpfigen Uferzonen des Flüsschens Welse. Passende Startpunkte zur Umrundung des Sees sind das Örtchen Wolletz, wo sich einst ein Jagdsitz Erich Mielkes befand, die Blumberger Mühle mit ihren Fischteichen oder - mit mehr Kondition - Angermünde.

Märkische Feldsteinroute

Kirchen und Scheunen, Bauernhöfe und das bucklige Pflaster unter den Füßen: Die Dörfer entlang der gut 40 Kilometer langen »Oberbarnimer Feldsteinroute« sind mit abgeschliffenen Steinen aus Granit, Feldspat, Quarz und Glimmer errichtet, die aus der letzten Eiszeit stammen. Eine abwechslungsreiche Variante für Tageswanderer startet an der Schule in Buckow und führt zunächst durch die von Bibern gestaltete Schlucht des Sophienfließes nach Grunow mit seiner markanten Feldsteinkirche – in ihre Fassade sind sogenannte Schachbrettsteine eingearbeitet. Höhepunkt ist das Künstlerdorf Ihlow, in dem alte Bauernhäuser die Ufer mehrerer Teiche säumen. Auch die Kirche des Dorfes liegt idyllisch am Wasser. Später geht es vom verschlafenen Ort Pritzhagen mit seinen Pferdeweiden durch eine verwilderte Nussbaumallee zurück nach Buckow. Eine ideale Tour für kalte, sonnige Wintertage.

In die Glauer Berge

Fuchsberg, Kesselberg, Kapellenberg: Bis zu 90 Meter hoch erheben sich die Glauer Berge im Naturpark Nuthe-Nieplitz. Ein beliebtes Ausflugsziel für Spaziergänge ist hier das Naturparkzentrum mit dem Wildgehege Glauer Tal auf einem einstigen Truppenübungsplatz. Man kann es in eine große Rundwanderung ab Trebbin integrieren. Zunächst folgt die Strecke dem einsamen Lauf der Nuthe, dann geht es in das sandige Hügelland, in dem sich Eichen, Birken und Krüppelkiefern abwechseln. In Blankensee durchquert man den von Peter Joseph Lenné gestalteten Schlosspark, der im Spätherbst mit seinen Brückchen, Tempeln und Skulpturen an mehreren Seitenarmen der Nieplitz eine melancholische Atmosphäre verströmt. Hoch hinaus geht es noch einmal kurz vor Trebbin: Vom hölzernen Aussichtsturm auf dem 103 Meter hohen Löwendorfer Berg reicht der Blick an klaren Tagen bis nach Berlin.

Kunstwanderweg

Fast 30 Werke deutscher und flämischer Künstler, verteilt über mehrere Routen zwischen Wiesenburg und Bad Belzig im Fläming – dieses Konzept hat den Internationalen Kunstwanderweg zu einer der populärsten Routen in Brandenburg gemacht. Je nach Geschmack kann man zwischen zwei Rund- und zwei Streckenwanderungen wählen – alle sind innerhalb einer guten Stunde mit dem Regionalexpress erreichbar. Ein bunter Wechsel aus Wäldern, Wiesen und Dörfern prägt die Nordroute, auf halber Strecke liegt mit Gut Schmerwitz einer der größten Biohöfe des Landes mit angeschlossenem Hofladen. Landschaftlich etwas weniger vielfältig, entdeckt man auf der Südroute besonders originelle Kunstwerke wie die Wolfsskulpturen von Marion Burghouwt oder die riesigen Kuh-Euter von Silke De Bolle – inzwischen ein Wahrzeichen des Kunstwanderweges.

Zwischen Oder und Reitweiner Sporn

Wie ein Riegel liegt der Reitweiner Sporn zwischen Oder und Oderbruch, eine rund zehn Kilometer lange Hügelkette. Der Kontrast zwischen den weiten, naturbelassenen Flussauen und den dichten Wäldern auf dem Höhenzug macht den Reiz dieser Wanderung aus. Dazu kommen zahlreiche Spuren der bewegten Geschichte der Region, angefangen bei Relikten slawischer Burganlagen über die Ruine der Reitweiner Kirche von Friedrich August Stüler bis zu Schauplätzen des Zweiten Weltkrieges. So kann man unterwegs einen Blick auf den Schukow-Bunker werfen – den russischen Befehlsstand für die Schlacht um die nahe gelegenen Seelower Höhen. Kurz vor Ende der Tour erlaubt die »Schöne Aussicht« einen Blick bis hinüber nach Polen. Auf dieser überwiegend asphaltierten Route sind bequeme Schuhe besonders zu empfehlen, auf halber Strecke entlang der Oder kann man ab der sogenannten Diplomatentreppe eine kürzere Variante wählen.

Rund um den Wolletzsee

Ein Hauch von Kanada liegt über dem Wolletzsee: Knorrige Erlen strecken ihre Arme ins Wasser, daneben liegen die Stämme einst mächtiger Buchen kreuz und quer – umgestürzt aus Altersschwäche oder gefällt von den Bibern, die hier ihr Revier haben. Am Strand knirschen die Schalen Tausender Muscheln unter den Füßen. Graureiher warten am Ufer auf Beute und mit viel Glück entdeckt man sogar einen Eisvogel. Am östlichen Ende des 330 Hektar großen Sees leuchten die auf Stelzen errichteten Datschen der Anwohner in Gelb, Rot und Hellblau. Immer wieder taucht man in Biotope ein, zum Beispiel in den sumpfigen Uferzonen des Flüsschens Welse. Passende Startpunkte zur Umrundung des Sees sind das Örtchen Wolletz, wo sich einst ein Jagdsitz Erich Mielkes befand, die Blumberger Mühle mit ihren Fischteichen oder – mit mehr Kondition – Angermünde.

Kleiner Boitzenburger

Poetensteig und Klostermühle, Apollotempel, Hexenkiefer und Verlobungsstein: Die Flurnamen und Wegmarken rund um Boitzenburg verraten schon, dass hier viel Historie zu erleben ist. Das Adelsgeschlecht derer von Arnim prägte die Region in der nördlichen Uckermark. Der Wanderweg »Kleiner Boitzenburger« folgt ihren Spuren, nicht nur vorbei an historischen Bauwerken, sondern auch durch Waldabschnitte mit jahrhundertealten Buchen und Eichen. In den verwunschenen Wäldern, die einst als Jagdgebiet dienten, bieten sich immer wieder weite Sichtachsen, zum Beispiel auf das Renaissanceschloss Boitzenburg. Hier liegt auch das düstere Erbbegräbnis der Familie. Menschenleer sind jetzt die Badestellen am Krienkowsee und Schumellensee in der eiszeitlichen Hügellandschaft. Am Ende der Tour wartet ein besonderes Naturdenkmal: Eine Eiche und eine Buche sind im Laufe der Jahrzehnte innig miteinander verwachsen. Ambitionierte Wanderer können die Strecke zum »Großen Boitzenburger« (18,9 km) erweitern.

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