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Beim Jagdgesetz knallt es

Bauern und Jäger präsentieren Vorschläge, die für Kritik sorgen

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 3 Min.

SPD, CDU und Grüne haben in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, das brandenburgische Jagdgesetz zu novellieren. Um sich frühzeitig in die Diskussion einzubringen, legte das hiesige Forum Natur, in dem Verbände der Jäger und Bauern mitwirken, jetzt seine Änderungsvorschläge vor. Dies sei zu verstehen als »Gesprächsangebot an den politischen Raum und die interessierte Öffentlichkeit«, heißt es. Grundsätzlich habe sich das Jagdgesetz bewährt, dass in seinen Ursprüngen bis ins Jahr 1992 zurückreiche. Streit wie über den Umgang mit Wolf und Biber ergeben sich demnach durch Vollzugsdefizite. Die Politik soll angemessen handeln. Denn die Jäger fühlen sich von gesellschaftlichen Debatten demotiviert. Ein Beispiel: Einerseits werde verlangt, dass Jäger gut ausgebildet sind und das Wild auf den ersten Schuss treffen, um unnötige Qualen der Tiere zu vermeiden. Andererseits werde der Unterhalt von Schießständen erschwert.

»Jagd ist angewandter Naturschutz, Kulturlandschaftsschutz und essenzielle Voraussetzung für die Erreichung der Ziele der Flächeneigentümer«, sagt Dirk Wellershoff, Präsident des Landesjagdverbandes. »Die brandenburgische Kulturlandschaft ist ohne jagdliches Management nicht denkbar, weshalb die Novelle sich dem Anspruch stellen muss, die Jagd unter dem heute gängigen Begriff des Wildtiermanagements zu justieren.«

Wildbestände dürften nicht allein als Schadfaktor betrachtet werden, vielmehr müssten sie auch geschützt werden, steht in dem 49 Seiten umfassenden Positionspapier.

»Für den dringend notwendigen Waldumbau brauchen wir niedrige Wildbestände, damit nachwachsende Bäume nicht verbissen werden«, sagt der Landtagsabgeordnete Thomas Domres (Linke). Dafür seien engagierte Jäger erforderlich. »Sie müssen mitgenommen werden, wenn neue Regelungen für eine intensivere Bejagung aufgestellt werden, und dürfen die Freude an der Jagd nicht verlieren.« Das Umweltministerium sei gut beraten, »die Vorschläge ernst zu nehmen und bei der Erarbeitung eines eigenen Gesetzentwurfes genau zu prüfen, statt umstrittene Regelungen um jeden Preis durchsetzen zu wollen«.

Der Abgeordnete Wolfgang Roick (SPD) begrüßt, dass Vorschläge vorgelegt worden sind, und freut sich auf den Dialog. Seine Partei werde die Vorschläge sehr ernsthaft prüfen, verspricht der Abgeordnete Ingo Senftleben (CDU).

Das Forum Natur sei zu Veränderungen nur an den Stellen bereit, »wo sie nicht mehr abzuwenden sind«, kritisierte Mathias Graf von Schwerin, der Landesvorsitzende des Ökologischen Jagdverbandes. »Nötig ist jedoch ein völlig neues Jagdgesetz.« Die Änderungsvorschläge des Forums erfüllen nach Ansicht Graf von Schwerins nicht die Anforderungen an eine moderne Jagd in einer Landschaft, die vom Klimawandel unvorhersehbar schnell verändert werde. »Nicht die Sicherung der Privilegien einiger ewig gestriger Traditionalisten darf hier im Vordergrund stehen«, findet Graf von Schwerin. Auch der Naturschutzbund hält eine vollständige Neufassung des Gesetzes für erforderlich. Festgeschrieben werden sollte dabei eine klare Regelung zu bleifreier Munition.

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