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Rassismus verhindert Integration in den Arbeitsmarkt

Neue Studie der Universität Tübingen belegt: Diskriminierung im Alltag erschwert das Leben Betroffener enorm

  • Von Peter Nowak
  • Lesedauer: 3 Min.

Rassismus erschwert Flüchtlingen auf vielfältige Weise das Leben. Die Diskriminierung gefährdet beispielsweise die Integration in die Arbeitswelt. Auch bei der Wohnungssuche müssen Betroffene rassistische Erfahrungen mit weitreichenden Auswirkungen erleben. Das ist das Ergebnis einer Studie der Universität Tübingen.

Der Politologe Nikolai Huke und sein Team führten 64 Interviews mit Geflüchteten, Behördenmitarbeiter*innen, Beratungsstellen und Gewerkschafter*innen. Darin wurden wiederholt Rassismuserfahrungen in Behörden, Berufsschulen, Betrieben oder bei der Wohnungssuche thematisiert.

»Rassismus und Diskriminierung erschweren Geflüchteten in Deutschland die Integration in den Arbeitsmarkt«, resümiert Huke gegenüber »nd«. Dabei gibt es gerade im Mittelstand und beim Handwerk demografische Gründe, die die Integration von Geflüchteten in die Betriebe erleichtern würden: Es fehlen einfach Arbeitskräfte. Doch manchmal werden rassistische Gründe gegen betriebswirtschaftliche Erwägungen gestellt, wie bei einem in der Studie erwähnten Handwerksbetrieb in Bautzen. Dort sitzt die Arbeitgeberseite am Tisch mit dem Landrat und sagt: »Wir haben schon keine Polen und Tschechen angestellt, warum sollten wir da Geflüchtete einstellen?«

Doch das sind Ausnahmen. In den meisten Fällen verlaufe die Integration in den Betrieben konfliktarm, heißt es in der Studie. Zudem gebe es Fälle, wo die gesamte Belegschaft eines mittelständischen Betriebs protestiert, wenn migrantische Kolleg*innen abgeschoben werden sollen. Solchen positiven Berichten stehen allerdings viele Beispiele gegenüber, die zeigen, wie Erfahrungen des Alltagsrassismus, die die Geflüchteten in der Freizeit machen, auch die Integration in das Arbeitsleben behindern.

»Folgen von Rassismuserfahrungen im Alltag können eine dauerhafte psychische Belastung, Angststörungen, ein Rückzug aus der Gesellschaft oder Resignation sein, die sich auch auf den Prozess der Arbeitsmarktintegration negativ auswirken«, heißt es in der Studie. So können Menschen, die mit rassistischen Kontrollen im Alltag konfrontiert sind, auch auf Distanz zu ihren Kolleg*innen am Arbeitsplatz gehen, weil sie befürchten, dort ebenfalls Diskriminierungen ausgesetzt zu sein. Besonders häufig sehen sich Geflüchtete auf dem Wohnungsmarkt mit Rassismus konfrontiert. Die Befragung von Mitarbeiter*innen von Anlauf- und Beratungsstellen zeigt, dass circa 80 Prozent der betreuten Personen Diskriminierungserfahrungen bei der Wohnungssuche machen. Auch dadurch wird die Integration in der Arbeitswelt erschwert, weil die Menschen unter erschwerten Umständen in Sammelunterkünften leben müssen.

Als eine der Gegenstrategien benennt die Studie die Stärkung der Solidarität unter den Beschäftigten im Betrieb, unabhängig von ihrer Herkunft. Huke sieht hier auch eine große Aufgabe für die Gewerkschaften. Daher ist es erfreulich, dass das Ressort Migration und Teilhabe der IG Metall zu den Mitherausgebern der Studie gehört.

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