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Gemeinsam gegen die Chemiekeule

In Vietnam werden Initiativen unterstützt, die auf ökologische Alternativen zum Herbizid Glyphosat setzen

  • Von Sarah Grieß, INKOTA
  • Lesedauer: 3 Min.
Unter der Plane werden die natürlichen Stoffkreisläufe berücksichtigt.
Unter der Plane werden die natürlichen Stoffkreisläufe berücksichtigt.

Um Unkraut und Schädlinge zu bekämpfen, setzen Bäuerinnen und Bauern weltweit chemische Mittel ein. Das ist auch in Vietnam so. Zwar wurde dort das hoch umstrittene Herbizid Glyphosat - das auf deutschen Äckern nach wie vor verwendet wird - im Juni 2019 verboten. Doch der grundsätzliche Glaube an die Kraft der chemischen Keule ist auch in Vietnam ungebrochen. Zu verführerisch klingt die Erzählung, dass Unkraut und Schädlinge ohne viel Arbeit beseitigt werden können und der Ertrag vervielfacht.

Dabei gibt es längst ökologische Alternativen. »Um Schädlingen vorzubeugen, pflanzen wir geeignete Blumen um unsere Gemüsereihen herum, zum Beispiel Ringelblumen«, sagt Kleinbäuerin Quach Thi Yen. »Sie locken die Schädlinge von unserer Ernte weg und ziehen gleichzeitig die natürlichen Feinde der Schädlinge an.«

Quach Thi Yen macht beim Projekt der INKOTA-Partnerorganisation DWC mit, das Teil der diesjährigen Solidaritätsaktion ist. »Damit unser Obst, Gemüse und Getreide besser wächst, haben wir auch unseren eigenen Dünger hergestellt«, erzählt sie. »Wir haben Bananen, Papaya oder andere Gemüsesorten mit Zucker fermentiert - und eine nahrhafte Lösung mit reichlich Stickstoff und Kalium erzeugt. Das ist unser neuer Dünger!« Der Arbeitsaufwand ist etwas höher als beim Einsatz chemischer Mittel. Das nehmen die Dorfbewohner*innen aber gern in Kauf - zum Schutz ihrer Gesundheit und des Lebensraums der Tiere und Pflanzen.

Nichtregierungsorganisationen wie INKOTA setzen sich schon seit Jahren für ein weltweites Verbot gefährlicher Giftstoffe in der Landwirtschaft ein. Im Gegenzug unterstützt INKOTA Initiativen, die versuchen, auf chemische Unkraut- und Schädlingsbekämpfungsmittel zu verzichten und nur noch rein biologischen Dünger zu verwenden. Dabei geht es auch darum, die Anbaumethoden vielseitiger und widerstandsfähiger zu gestalten, indem natürliche Stoffkreisläufe stärker berücksichtigt werden. Genau diesen agrarökologischen Ansatz verfolgen auch die Expert*innen von DWC in Vietnam.

Bei dem hier vorgestellten DWC-Projekt geht es zwar vor allem um lokale Mitbestimmung: In bis zu 20 einzelnen Kleinprojekten organisieren und verwalten die teilnehmenden Dorfgemeinschaften während der Projektlaufzeit eigene Projekte. Die Themen der Projekte bestimmen die Einwohner*innen selbst. Zu Beginn haben sie Vorschläge für die einzelnen Projekte gesammelt und ausdiskutiert, welche davon umgesetzt werden sollen. In der Gemeinde von Quach Thi Yen spielt das Thema Landwirtschaft allerdings in fast allen Projekten eine Rolle. Das hat einen einfachen Grund: Alle Projektteilnehmer*innen sind Kleinbäuerinnen oder Kleinbauern. Dem Prinzip des ökologischen Landbaus folgend wollen sie die eigene Landwirtschaft nachhaltiger machen. Die DWC-Expert*innen stehen ihnen dabei mit Rat und Tat zur Seite.

Wie ernst es den Dorfbewohner*innen mit der Abkehr vom Gift auf ihren Feldern und Äckern ist, schildert die Vorsitzende der örtlichen Frauenunion. »Die Menschen hier bestellen die Felder oft gemeinsam«, erzählt Bui Kim Phuong. »Ich erinnere mich an eine Familie, die am Tag ihrer Ernte plötzlich allein auf dem Feld stand. Niemand wollte ihnen zur Hand gehen, weil sie entgegen der gemeinsamen Abmachung zuvor Herbizide versprüht hatten. Die anderen Dorfbewohner*innen sind einfach wieder nach Hause gegangen - aus Angst um ihre eigene Gesundheit und weil sie ihre Böden und die gesamte Umwelt nicht länger strapazieren wollen.«

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