Wälder in Flammen

Der Klimawandel sorgte 2020 in vielen Gegenden der Welt für noch heftigere Brände

  • Von Sandra Kirchner
  • Lesedauer: 4 Min.

Besonders katastrophale Ausmaße haben in diesem Jahr die Waldbrände erreicht, die im Westen der USA nach den sehr heißen, trockenen Monaten August und September ausbrachen. In sieben Bundesstaaten wüteten die Feuer: Colorado, Kalifornien, Idaho, Montana, Oregon, Washington und Utah. Die Brandaktivität im Westen war hundertfach höher als der Durchschnitt der Jahre 2003 bis 2019 für die gesamten USA. Das geht aus den Mitte Dezember veröffentlichten Daten des Copernicus Atmosphere Monitoring Service (CAMS) hervor, eines der Erdbeobachtungsprogramme der EU. »Die Brände sorgten für eine Unmenge an Emissionen von Rauch und anderen Schadstoffen in die Atmosphäre«, schreiben die Expert*innen. Rauchschwaden seien sogar bis nach Nordeuropa gezogen.

Vor allem Kalifornien hat es schwer getroffen. 2020 brachte laut dem dortigen Ministerium für Forst und Brandschutz die schlimmste Waldbrandsaison in der kalifornischen Geschichte. Beinahe 10 000 Feuer verbrannten über 1,7 Millionen Hektar des Bundesstaats; das entspricht mehr als der Fläche Thüringens.

Zwar sind Wald- und Buschbrände für die Regionen an der Westküste nichts Ungewöhnliches. Unbestritten ist aber, dass Häufigkeit und Umfang in den vergangenen Jahrzehnten zugenommen haben. In den gesamten USA dauert die Waldbrandsaison inzwischen drei Monate länger als noch vor einem halben Jahrhundert.

Dass der Klimawandel einen starken Einfluss hat, ist unter Expert*innen Konsens. »Es gibt absolut keinen Zweifel daran, dass die extrem hohen Temperaturen höher sind, als sie es ohne den vom Menschen verursachten Klimawandel gewesen wären«, sagt die Klimaforscherin Friederike Otto von der Universität Oxford. Eine große Zahl an Studien zeige, dass der Klimawandel die Bedingungen für Hitzewellen verändert habe, Kalifornien sei da keine Ausnahme. Lediglich US-Präsident Donald Trump machte hingegen vor allem eine schlechte Forstpolitik des Bundesstaates für die Schwere der Brände verantwortlich.

Weltweit betrachtet, loderten 2020 aber weniger Feuer als noch im Vorjahr. Damit sanken auch die Treibhausgasemissionen, die durch Brände verursacht wurden. Das EU-Erdbeobachtungsprogramm Copernicus registrierte bis zum 7. Dezember einen Ausstoß von 1,69 Milliarden Tonnen Kohlenstoff, der durch Brände zusätzlich in die Atmosphäre freigesetzt wurde. Im Vorjahr waren es noch 1,87 Millionen Tonnen. Geringer ausgefallen seien diese Emissionen vor allem »aufgrund besserer Brandbekämpfung und besserer Eindämmungsmaßnahmen«, sagte Copernicus-Mitarbeiter Mark Parrington. Seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2003 seien die Werte kontinuierlich zurückgegangen.

Neben den USA war auch Australien dieses Jahr von Bränden hoher Intensität betroffen. Anfang 2020 versetzten die Feuer den Kontinent in einen sommerlichen Ausnahmezustand - mit immensen Auswirkungen auf die Luftqualität. Der Rauch bedeckte weltweit eine Fläche von 20 Millionen Quadratkilometern, größer als Südamerika. Die Brände, die die Australier*innen als »Black Summer« bezeichneten, zerstörten mehr als elf Millionen Hektar Wald, mindestens 34 Menschen kamen ums Leben und Milliarden Tiere wurden getötet.

Die Waldbrände führten auch zu einem außergewöhnlichen Wetterphänomen. Sie verursachten eine Reihe riesiger Gewitterwolken, die den Rauch über 30 Kilometer hoch in die Atmosphäre katapultierten. Fast ein Jahr später treibt ein Teil dieses Rauchs immer noch um den Planeten.

»Die Intensität der Brände erreichte teilweise neue Rekorde, weil sie auf wärmere und trockenere Gebiete trafen«, erläutert Mark Parrington. Dadurch seien auch mehr Schadstoffe freigesetzt worden.

Ein weiterer Hotspot der diesjährigen Brände lag wie schon im Vorjahr im nordöstlichen Teil Sibiriens und am nördlichen Polarkreis. Schon im Mai meldete Copernicus Anzeichen, dass sich Brände nach einem ungewöhnlich warmen Frühling erneut entzündet hätten, nachdem sie den Winter über im Boden schwelten. Die Forscher*innen nannten das Phänomen »Zombie-Feuer«. Ob die Feuer tatsächlich »überwintert« hatten, konnte wegen fehlender Bodenbeobachtungen in den unwirtlichen Regionen zwar nicht bestätigt werden. Jedoch traten die Brände vor allem in jenen Gebieten auf, die auch schon im Jahr zuvor betroffen waren.

In der Polarregion wurde dieses Jahr ein neuer Emissionsrekord aufgestellt. Der CO2-Ausstoß aus den Feuern lag um mehr als 30 Prozent über dem Wert von 2019. »Die Rauchschwaden der Brände erreichten eine Fläche so groß wie ein Drittel von Kanada«, teilte Copernicus mit.

Ebenso schwer betroffen war dieses Jahr die Karibik. Während der tropischen Feuersaison zwischen Januar und Mai verursachten Brände in Belize, Guatemala, Honduras, Nicaragua, Panama und auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán Emissionen, die weit über dem Durchschnitt der Jahre 2003 bis 2019 lagen.

Auch in Brasiliens Amazonasregion wüteten die schwersten Feuer seit Jahrzehnten. Im Pantanal, einem der größten Feuchtgebiete der Erde, waren die Feuer so heftig wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen.

Entwarnung kann also nicht gegeben werden. Weil ein Ende der globalen Erwärmung bislang nicht in Sicht ist, rechnen Wissenschaftler*innen damit, dass Waldbrände in Zukunft noch intensiver werden.

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