Mit Tempo gegen Winterspeck

Den Eisbären Berlin gelingt ein überzeugender Start in die Eishockeysaison

  • Von Jürgen Holz
  • Lesedauer: 3 Min.

War schon die Szenerie im kleinen Wellblechpalast in Hohenschönhausen gespenstig, als die Eisbären Berlin dort vor drei Wochen im Magentasport-Cup ihre Heimspiele vor leeren Rängen ausgetragen hatten, so war die Atmosphäre in der weitaus größeren, aber ebenso leeren Arena am Ostbahnhof um ein Vielfaches trostloser. Der Hallensprecher bewies immerhin Galgenhumor, als er neun Pressevertreter und fünf Fotografen auf den Rängen begrüßte - und hinzufügte: »Ausverkauft«!

Gewöhnlich sitzen und stehen rund 14 000 Fans auf den Rängen der Heimstätte der Eisbären, doch die werden sich an diese Situation noch für eine lange Zeit gewöhnen müssen. Diese 27. Saison der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) ist die ungewöhnlichste in ihrer Geschichte. Dabei sollte sie eigentlich eine besonders glanzvolle werden: Denn wenn alles gut geht, wird spätestens am 7. Mai der 100. deutsche Eishockeymeister gekürt werden - vermutlich nun aber ohne Jubel von den Rängen. Mit sichtlicher Erleichterung wird darauf verwiesen, dass alle bisherigen 18 Spiele stattfinden konnten - ohne von positiven Coronavirus-Tests ausgebremst zu werden. Dennoch bleibt es bei den strengen Hygiene- und Sicherheitsvorschriften der Liga mit drei Virustests pro Woche, einem PCR-Test und zwei Schnelltest für alle Spieler, Trainer und Betreuer - auf Kosten der 14 DEL-Klubs.

Sportlich gesehen sind die Eisbären nach einer schwierigen Saisonvorbereitung - mit einigen Niederlagen und der Quarantäne des kompletten Teams - auf gutem Weg, der sie zumindest in die Playoffs führen soll. »Wenn du dort angekommen bist, willst du auch Meister werden«, heißt es hinter den Kulissen. Bis dahin ist der Weg aber noch lang. In den bisherigen drei Spielen gab es immerhin zwei Siege (3:2 gegen Bremerhaven und das 5:0 gegen Krefeld am Montagabend) sowie eine 0:1-Niederlage nach Penaltyschießen in Wolfsburg dazwischen. Berlins Cheftrainer Serge Aubin hatte vor dem ersten Bully gegen Krefeld gemahnt: »Es gab schon viel Positives, aber die eine Niederlage hat einen bitteren Geschmack hinterlassen. Daher wollen wir gegen Krefeld eine Antwort geben.« Nach dreitägiger Trainingspause über die Feiertage hatte der Coach das Tempo im Training erhöhen lassen, »um das Weihnachtsessen wieder loszuwerden«, wie der 45-jährige Kanadier witzelte.

Die von ihm geforderte Antwort jedenfalls fiel mit dem 5:0 nach zwei Toren von Matthew White (33./57.) sowie je einem Treffer durch Kris Foucault (8.), Mark Olver (39.) und Nationalspieler Leonhard Pföderl (42.) überzeugend aus. Dabei erwies sich einmal mehr die Neuverpflichtung des 31-jährigen Kanadiers White, der kurz vor dem Saisonstart von Dynamo Riga nach Berlin gewechselt war, als Glücksgriff.

White wiederum schwärmt von den neuen Teamkollegen: »Das Zusammenspiel innerhalb unserer Angriffsreihe mit Kris Foucault und Mark Zengerle funktionierte sehr gut. Wir konnten in der Angriffszone unseren Speed gut ausspielen.« Auch Coach Aubin sparte nicht mit Lob: »Wir hatten ein starkes Puck-Management. Unsere Defensive stand sicher, so dass ich im letzten Drittel viel durchwechseln konnte.« Kritik übte er lediglich an der fehlenden Disziplin: »Wir haben deutlich zu viele Strafen bekommen.« 12 Strafminuten insgesamt, darunter allein acht im zweiten Drittel.

Dass die Pinguine diese zahlenmäßige Überlegenheit allerdings nicht ein einziges Mal in einen Torerfolg ummünzen konnten, belegte ihre Harmlosigkeit. Die Krefelder, inzwischen als »EC Hollywood« verspottet, dürften heilfroh sein, dass es nach dieser Saison doch noch keinen Absteiger aus der DEL geben wird, wie ursprünglich vorgesehen. Der deutsche Meister von 2003 wäre in dieser Verfassung der erste Kandidat dafür.

Nach kurzer Pause bestreiten die Berliner ihr nächstes Spiel am 5. Januar bei den Iserlohn Roosters und das nächste Heimspiel am 8. Januar gegen die Kölner Haie. Fraglos zwei ungleich härtere Prüfsteine.

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