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Bosnisches Flüchtlingscamp »Lipa« wird evakuiert

Hunderte obdachlos gewordene Geflüchtete sollen in eine ehemalige Kaserne umziehen

  • Lesedauer: 2 Min.

Sarajevo. Die bosnischen Behörden wollen hunderte obdachlos gewordene Flüchtlinge und Migranten aus dem Nordwesten des Landes in feste Quartiere im Landesinneren bringen. Dies erklärte Innenminister Selmo Cikotic am Dienstag nach Angaben des Nachrichtenportals »klix.ba«. Als neue Unterkunft werde ihnen eine ehemalige Kaserne der bosnischen Armee in Bradina zugeteilt, 45 Kilometer südwestlich von Sarajevo.

Hunderte Menschen harren bislang auf dem Gelände des abgebrannten Aufnahmelagers in Lipa in der Nähe von Bihac aus. Dort sind sie winterlichen Verhältnissen wie Schnee, Kälte und Nässe ausgesetzt. Das bosnische Rote Kreuz und internationale Hilfsinitiativen versorgen sie notdürftig.

Lipa war vor knapp einer Woche von der Internationalen Organisation für Migration (IOM) geräumt worden, weil die bosnischen Behörden ihre Zusagen nicht eingehalten hatten, das Lager winterfest zu machen. Aber auch Ersatz wurde keiner angeboten. Mehr als tausend Flüchtlinge und Migranten blieben in dem unwirtlichen Gelände 25 Kilometer südöstlich von Bihac ohne Obdach. Einige der jungen Männer setzten aus Wut Zelte und Container in Brand. Das Lager in Lipa war im April als provisorische Unterkunft eingerichtet worden. In dieser Gegend gibt es nun keine andere reguläre Unterkunft für die Flüchtlinge mehr.

»Es ist ein großartiger Fortschritt, dass diese Menschen nicht mehr länger in Lipa ausharren müssen, aber damit ist das Problem noch nicht gelöst«, sagte der IOM-Vertreter in Bosnien, Peter Van der Auweraert, der »Welt«.

Wegen der unmittelbaren Nähe zum EU-Land Kroatien landen zahlreiche Flüchtlinge und Migranten in Bihac und im Kanton Una-Sana. Durch Bosnien verläuft ein Ableger der sogenannten Balkanroute, über die Flüchtlinge und Migranten aus der Türkei nach Westeuropa zu gelangen versuchen.

Die Europäische Union hatte die Lage der Flüchtlinge in Bosnien vergangene Woche als »alarmierend« bezeichnet. Die EU hat dem Balkanstaat seit 2018 insgesamt rund 85,5 Millionen Euro an Hilfen zur Bewältigung der Flüchtlingslage gezahlt. Agenturen/nd

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