Ein Jahr nach dem Schuss

Am 30. Dezember 2019 schoss ein CDU-Kommunalpolitiker aus Köln auf Jugendliche. Eine Initiative wirft ihm Rassismus vor.

  • Von Sebastian Weiermann
  • Lesedauer: 2 Min.

Der 30. Dezember 2019, ein paar junge Menschen hängen am Rheinufer in Köln-Porz rum. Es mag dabei ein bisschen lauter zugehen. Wenn man sich dadurch gestört fühlt, kann man die Polizei rufen. Nicht so Hans-Josef Bähner, ein Kommunalpolitiker der CDU. Er soll die Jugendlichen als »Drecksausländer« beschimpft haben, und die »Kanacken« dazu aufgefordert haben, abzuhauen. Seine Wünsche unterstreicht Bähner mit einer Schusswaffe. Die er auch einsetzt. Er schießt auf einen 20-Jährigen. Der Schuss trifft zum Glück nur die Schulter. Nach der Tat ist in der Kölner Presse erstmal nur von einem 72-jährigen Anwohner die Rede, der geschossen haben soll. Hans-Josef Bähner ist klug, beauftragt die Kanzlei des »Werteunion«-Geschäftsführers, Ralf Höcker, seine Verteidigung zu übernehmen. In der Lokalpresse geht es erstmal nur darum, dass das Opfer schon einmal »polizeilich in Erscheinung« getreten sei. Auch als Opfer, was verschwiegen wird. CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak, der sich öffentlich von der Tat Bähners distanziert, wird von Höcker dazu aufgefordert den Namen Bähner nicht zu nennen.

Nun ist die Tat ein Jahr her und im März beginnt der Prozess gegen Bähner. Die Initiative Tatort Porz hält das für einen guten Zeitpunkt sich öffentlich zu äußern. Gut 100 Menschen versammeln sich am Jahrestag auf dem Marktplatz im Kölner Stadtteil Porz. Thomas Schmidt, von der Initiative Tatort Porz ist es wichtig, auf das Wirken von Hans-Josef Bähner hinzuweisen. Dieser sei schon vor der Tat durch Likes für die AfD aufgefallen. Seine »rassistische Positionierung« sei deutlich. Dass sich nach der Tat Mitglieder der Werteunion für ihn eingesetzt haben, sei nicht verwunderlich. Die Kanzlei Höcker, die Bähner vertritt, bezeichnet Schmidt als Schnittstelle zwischen Wertkonservativen Positionen in der CDU und der Neuen Rechten.

Anfang März beginnt der Prozess gegen Hans-Jörg Bähner. Schmidt und die Initiative Tatort Porz hoffen, dass es Öffentlichkeit für den Prozess gibt. Bähner und Co. hätten versucht, die Opfer zu Tätern zu machen. Deswegen sei der Fall ein »Politikum« bei dem den Opfern zur Seite gestanden werden müsse. Die Opfer der Tat treten beim Prozess als Nebenkläger auf.

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