Der Überflieger des Neuen Jahres: Polens David Kubacki gewinnt etwas überraschend in Garmisch-Partenkirchen.
Neujahrsspringen

Wieder ganz oben

Vorjahressieger Dawid Kubacki überrascht beim Neujahrsspringen. Karl Geiger muss zwar die Führung der Vierschanzentournee abgeben, bleibt aber vorn dran.

Von Lars Becker, Garmisch-Partenkirchen

Karl Geiger hat beim Flug ins neue Jahr die Führung in der Vierschanzentournee verloren, aber weiter alle Chancen auf den ersten deutschen Gesamtsieg seit 19 Jahren. »Im neuen Jahr ist ja alles anders«, hatte der Sieger des Auftaktspringens von Oberstdorf noch am Silvestertag gescherzt. Aus dem Witz wurde beim Sprung ins Jahr 2021 Realität: Zwar arbeitete sich Geiger von Platz 14 im Wirbelwind von Garmisch-Partenkirchen noch auf Position fünf nach vorn, verlor aber seine Führung in der Gesamtwertung an Halvor Egner Granerud. Bei Tournee-Halbzeit hat als Zweiter allerdings nur vier Punkte Rückstand auf den Norweger.

»Unter dem Strich bin ich zufrieden. Ich hätte nicht gedacht, dass ich nach dem ersten Sprung noch so weit nach vorn fliege«, sagte Geiger. Die Hoffnungen auf den ersten deutschen Gesamtsieg seit Sven Hannawalds Triumph 2002 erhielten am Neujahrstag trotzdem einen kleinen Dämpfer. Nach drei zweiten Plätzen von Richard Freitag, Markus Eisenbichler und Karl Geiger in den Vorjahren war eigentlich der Tagessieg das klar ausgegebene Ziel, doch es schaffte kein Deutscher den Sprung aufs Podest.

Die Siegestrophäe erhielt am Fuße der Zugspitze Dawid Kubacki. Der Tournee-Gesamtsieger von 2020 flog dank eines überragenden Schanzenrekords von 144 Metern zum etwas überraschenden Sieg vor Granerud. Neben dem Norweger und Geiger mischen auch die beiden Polen Kamil Stoch und Kubacki nun um den Tournee-Gesamtsieg mit. Der beim Neujahrsspringen auf Rang sieben gelandete Markus Eisenbichler ist Fünfter, hat aber schon mehr als 20 Punkte Rückstand. »Karl hat in der Gesamtwertung noch alle Chancen. Er hat im zweiten Durchgang enorm viel aufgeholt«, freute sich Bundestrainer Stefan Horngacher.

Die Silvesterparty der Flieger am Abend vor dem Neujahrsspringen war wegen Corona ausgefallen - stattdessen gab es nur ein »Abendessen unter Einhaltung der Abstandsregeln«. Danach ging es noch vor Mitternacht ins Bett. Karl Geiger wirkte bei seinem ersten Sprung jedoch noch nicht so richtig ausgeschlafen. »Karl war zu spät am Schanzentisch. Aber die Bedingungen waren wegen des turbulenten Windes auch sehr schwierig. Kleine Unterschiede haben auf dieser Schanze eine große Wirkung«, kommentierte Horngacher den ersten Rückschlag.

Eisenbichler machte es im ersten Durchgang besser, auch wenn er in diesen Tourneetagen mit seinen eigenen Erwartungen ringt. Der Bayer weiß, dass er in der Form seines Lebens ist, doch er bringt sie nicht immer auf die Schanze. Das erzeugt Frust und Verkrampfung. In Oberstdorf beschimpfte er die Organisatoren (»Kindergeburtstag«), in Garmisch-Partenkirchen haderte er mit seinem Körper: »Wenn man zu fest ist, spürt man die Schanze nicht. Im Training war das nur ein Krampf. Man hat viel Anspannung, wir sind auch durch die Reisen am Limit. Das stresst extrem.« Er konnte sich nicht steigern, dagegen segelte Geiger im zweiten Durchgang auf 138 Meter und erhielt sich die Chance auf den Gesamtsieg.

In Sachen Teamleistung gab es bei den deutschen Fliegern nach dem mannschaftlich enttäuschenden Resultat in Oberstdorf diesmal eine Steigerung. Martin Hamann schaffte als Elfter das beste Resultat seiner Karriere. Pius Paschke landete auf Platz 16. Der abgestürzte Vorflieger Richard Freitag holte als 28. erstmals in diesem Winter Weltcuppunkte. Eine Enttäuschung gab es für Ex-Weltmeister Severin Freund, der als 39. den Sprung in den Finaldurchgang verpasste.

Noch am Abend nach dem Neujahrsspringen ging der Fokus schon auf die dritte Station in Innsbruck, wo am Sonntag (13.30 Uhr) der nächste Wettkampf ansteht. Geiger reist mit besten Erinnerungen an: Auf der legendären Bergiselschanze hat er 2019 bei den Weltmeisterschaften Teamgold und Einzelsilber gewonnen. Und auch auf der Finalschanze von Bischofshofen (6. Januar) kommt Geiger bestens zurecht, wie er mit Platz zwei im Vorjahr eindrucksvoll bewiesen hat. »Wir freuen uns auf Innsbruck, da haben wir ja von der WM beste Erinnerungen. Wir greifen an«, so Geiger.

Es läuft in diesen Tagen einiges in seinem Sinne. Einer seiner potenziellen Hauptkonkurrenten, der Dritte von Oberstdorf Marius Lindvik (Norwegen), konnte wegen einer Kieferoperation nicht in Garmisch-Partenkirchen antreten und ist damit raus aus dem Rennen um den Gesamtsieg.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung