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Frau Holle heißt jetzt Ahmet

Ein neues Tief bringt Schnee – und mehr Diversität

  • Lesedauer: 2 Min.

»Ahmet«, »Bozena« und »Dragica«: In den ersten Wochen des Jahres 2021 werden häufig Namen mit Migrationsgeschichte auf der Wetterkarte stehen. Mit der Kampagne »Wetterberichtigung« wollen die »Neuen deutschen Medienmacher*innen« (NdM), ein Verband zur Stärkung von Diversität in den Medien, Vielfalt in der Bevölkerung sichtbar machen. Beim Institut für Meterologie hat die Organisation die ersten 14 Patenschaften für Hoch- und Tiefdruckgebiete gekauft – was zur Vergabe des Namens berechtigt. Mit den Patenschaften finanziert das Institut die Ausbildung angehender Meterolog*innen.

»Bisher tragen die Wetterhochs und -tiefs fast immer nur Namen wie Gisela und Helmut«, beklagt der Verband und verweist auf das Statistische Bundesamt, laut dem rund 26 Prozent aller Menschen in Deutschland einen »Migrationshintergrund« haben, also entweder selbst nicht mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren wurden oder mindestens ein Elternteil haben, bei dem das der Fall ist.

Deutschland ist also längst ein Einwanderungsland. Nur in die USA wanderten laut der Vereinten Nationen 2019 mehr Menschen ein. Die Kampagne wolle zeigen, dass heute auch Deutsche Ahmet, Chana, Khuê und Romani heißen. Das Wetter diverser zu machen, sei dabei nur ein symbolischer Schritt, erklärt die NdM-Vorsitzende Ferda Ataman. »Wichtig ist, dass gesellschaftliche Vielfalt endlich Normalität wird, überall.«

Entscheidend dafür sei es, dass Medien Vielfalt als Normalität zeigen. Die Organisation fordert deshalb, dass bei jedem Thema und jeder Sendung auch nicht-weiße Menschen gezeigt werden und schlägt eine Quote für Journalist*innen aus Einwandererfamilien von 30 Prozent bis 2030 vor. Bisher liegt der Anteil von Medienschaffenden mit Migrationshintergrund in Deutschland bei schätzungsweise nur fünf bis zehn Prozent.

In England und Nordamerika seien solche Quoten bereits verbreitet. »Auch bei uns sollte es Standard werden, Diversität immer im Blick zu haben«, fordern die Medienmacher*innen. Neben Menschen mit Einwanderungsgeschichte solle das auch weiteren »marginalisierten Gruppen wie Menschen mit Behinderung, unterschiedlichen Geschlechtern, Religionen und homosexuellen Menschen« zugute kommen.

»Wir kapern das Wetter und hören nicht auf Wirbel zu machen, bis bei allen ankommt: unsere Gesellschaft ist divers!«, schreiben die Neuen deutschen Medienmacher*innen auf Twitter. vfi

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