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Zu teuer, zu umweltschädlich

Umweltverband legt Studie vor: Küstenautobahn A 20 kostet doppelt so viel wie ursprünglich geplant

  • Von Hagen Jung
  • Lesedauer: 3 Min.

Als »wichtigen Baustein zur Erschließung des nordwestdeutschen Raumes« rühmt Niedersachsens Landesamt für Straßenbau das Milliardenprojekt Küstenautobahn. Sie überwinde die räumliche Trennung zwischen Schleswig-Holstein und Niedersachsen, auch lasse sie die Nord- und Ostseeanrainerstaaten näher zusammenrücken, lobt die Behörde das Vorhaben. Ist es verwirklicht, soll die A 20 in Niedersachsen von einem noch zu bauenden Elbtunnel bei Drochtersen nördlich von Hamburg über Bremervörde zur A28 bei Westerstede unweit von Oldenburg führen. Niedersachsens Verkehrsminister Bernd Althusmann (CDU) betonte gegenüber der Nachrichtenagentur dpa die Bedeutung des Vorhabens: »Auch die Menschen vor Ort profitieren von einer besseren Verkehrsanbindung.«

Umweltschützer warnen dagegen seit Jahren vor dem Projekt und verweisen auf schädliche Eingriffe in die Natur und hohe Kosten. Die zu erwartenden Ausgaben seien entgegen der ursprünglichen Kalkulation immens gestiegen, heißt es seitens des BUND, der dies mit einer am Dienstag vorgestellten Studie untermauert. Ihre Autorin Kirsten Erwentraut erinnerte: Im Bundesverkehrswegeplan 2030 war das Projekt A 20 mit rund 3,7 Milliarden Euro angesetzt worden. Im Dezember 2019 zeichnete sich ab, dass dieser Betrag nicht ausreichen wird: Die Bundesregierung bezifferte die Kosten nun auf voraussichtlich 4,1 Milliarden Euro - inklusive des neuen Elbtunnels bei Stade sogar sieben Milliarden Euro .

Doch dabei werde es nicht bleiben, prognostiziert die Studie, denn: Die Regierung habe sich bei ihren Berechnungen zum Teil noch auf die überholten Kostenangaben im Verkehrswegeplan gestützt. Realistischen Berechnungen zufolge, so Kirsten Erwentraut, werde die A 20 mit mindestens sieben Milliarden Euro zu Buche schlagen, demnach doppelt so teuer sein wie im Verkehrswegeplan veranschlagt. »Daraus lässt sich nur die Konsequenz ziehen, dass die A 20 nicht bauwürdig ist«, sagte sie.

Der Bau der A 20 wäre angesichts dieser Entwicklung nicht nur klimaschädlich und naturzerstörend, sondern auch ein volkswirtschaftliches Desaster, betonte der Bundesvorsitzende des BUND, Olaf Bandt. Deshalb fordere der Umweltverband die Bundes- und Landespolitik auf, dieses Vorhaben zu stoppen und stattdessen in eine zukunftsfähige Verkehrsinfrastruktur zu investieren. Angesichts der Klimakrise und einer notwendigen Mobilitätswende seien milliardenschwere Neubauten von Fernstraßen unverantwortlich. Im aktuellen Bundesverkehrswegeplan, gab Bandt zu bedenken, sei der Bau von 850 Kilometern zusätzlicher Autobahnen und unzähliger Bundesstraßen vorgesehen. Dies sei »ein Irrsinn, der sofort beendet werden muss«, unterstrich der Vorsitzende.

Heiner Baumgarten, Landesvorsitzender des BUND Niedersachsen, kritisiert zudem, dass mit dem Bau der A 20 naturnahe Landschaften zerstört und zerschnitten werden. Das Vorhaben würde auf rund 200 Kilometer Länge über 4000 Hektar Fläche beanspruchen, mehr als die Hälfte der geplanten Strecke verläuft durch Moorgebiete, auch Marschböden würden bedroht. Zudem würde der Autobahnbau-Flächen zerschneiden, die von Zugvögeln als Rastplätze genutzt werden. Auch würden Lärm, Feinstäube und weitere Emissionen zu erheblichen Mehrbelastungen von Mensch und Natur führen, so Baumgarten. »Ein solches Vorhaben widerspreche dem selbst gesetzten Ziel des Landes Niedersachsen, den Flächenverbrauch bis 2030 auf unter vier Hektar zu reduzieren«, sagte der Landesvorsitzende. Des Weiteren würde die A 20 die Klimakrise weiter verschärfen, so Baumgarten. Aus den Prognosen des Bundesverkehrswegeplanes 2030 sei zu folgern, dass diese Autobahn zusätzlich 50 000 Tonnen CO2 jährlich verursachen werde.

»Vorhaben wie die A 20 zeigen deutlich, dass die Dimensionen der Klimakrise von den politischen Entscheidungsträgern noch immer nicht anerkannt werden«, konstatierte Stefan Mester von Fridays for Future Niedersachsen, der die Vorstellung der BUND-Studie begleitete. Er bezeichnete das Projekt als »das klimaschädlichste Bauvorhaben des gesamten Bundesverkehrswegeplanes«.

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