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Hier sprach Karl Liebknecht

Tobias Bank stellt in einem kurzen Video Orte der Erinnerung an den ermordeten Politiker vor

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 3 Min.

Leise rieselt der Schnee. Tobias Bank steht mit Mütze und Schal vor dem Karl-Liebknecht-Denkmal in Luckau. Er erläutert kurz die Hintergründe dieses Denkmals des Bildhauers Theo Balden. Es wurde 1969 auf dem Markt aufgestellt und 1992 an die Stadtmauer versetzt. Der konsequent antimilitaristische SPD-Reichstagsabgeordnete Liebknecht war wegen Hochverrats zu vier Jahren Haft verurteilt und am 8. Dezember 1916 ins Gefängnis von Luckau gesperrt worden. Er hatte bei einer Kundgebung gerufen: »Nieder mit dem Krieg! Nieder mit der Regierung!« Am 23. Oktober 1918 - drei Wochen vor Ende des Ersten Weltkriegs - wurde Liebknecht vorzeitig entlassen. Das deutsche Kaiserreich sah ein, dass es sich nur selbst schadet, wenn es Liebknecht als Märtyrer noch länger im Gefängnis lässt.

Tobias Bank hat Geschichte studiert und sitzt im Bundesvorstand der Linkspartei. »Da es unter Corona-Bedingungen keine so gute Idee ist«, sich wie gewohnt in Berlin-Friedrichsfelde zur Ehrung der am 15. Januar 1919 ermordeten Sozialisten Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg zu treffen, dachte sich Bank eine Alternative aus. Er produzierte in der vergangenen Woche ein drei Minuten und sechs Sekunden langes Video, in dem er fünf Liebknecht-Gedenkorte im Land Brandenburg vorstellt.

Bank beginnt mit dem Karl-Liebknecht-Platz in Elstal, der nur acht Minuten Fußweg von seiner Wohnung entfernt liegt. Hier erinnert eine Stele daran, dass Elstal zum sogenannten Kaiserwahlkreis Potsdam-Spandau-Osthavelland gehörte, den Liebknecht bei der Reichstagswahl 1912 überraschend gewonnen hatte. Auch 1903 und 1907 hatte Liebknecht dort kandidiert. »Obwohl die Wahlen zum Reichstag erst 1903 stattfanden, begann Karl Liebknecht seinen Wahlkampf schon 1901«, erzählt Bank bei seiner zweiten Station in Buchow-Karpzow. Hier steht er vor einem kleinen Gedenkstein, auf dem eine Tafel sehr schlicht informiert: »Hier sprach 1901 Karl Liebknecht.« Bank weiß mehr darüber: »Themen waren damals zu hohe Getreidezölle und Futtermittelpreise sowie die niedrigen Löhne der Arbeiterinnen.«

An der dritten Station geht es Bank um die Reichstagswahl 1906. »Trotz massiver Gegenwehr von der Reaktion« absolvierte Liebknecht seinerzeit eine ganze Reihe an Wahlkampfauftritten, unter anderem in Golm und in Eiche, so der 35-Jährige. »Der Gedenkstein hier neben mir erinnert daran, wie Karl Liebknecht auf diversen Veranstaltungen gegen das Drei-Klassen-Wahlrecht sprach.«

Vierte Station ist Velten. »In Vorbereitung auf die Reichstagswahlen 1912 interessierte Karl Liebknecht vor allem die Frage, wie es den jugendlichen Arbeiterinnen ging. Besonders die Lehrlingsausbildung und die politische Bildung waren für ihn von Bedeutung«, erläutert Bank. Ab 1909 habe Liebknecht dazu mehrfach in Velten referiert, unter anderem in einem Gasthaus vor 600 Arbeiterinnen. Ihre Ausbeutung bezeichnete er als »Ausbeutung der schlimmsten Art«.

Tobias Bank sagt, ihm wären allein im Havelland noch weitere Gedenkorte eingefallen. Er habe nur eine Auswahl präsentieren können. Die verschiedenen Orte aufzusuchen, ist allerdings im Moment nicht ganz einfach. Denn die 15-Kilometer-Regel betrifft bis auf den Landkreis Oberhavel inzwischen ganz Brandenburg. Nur in Oberhavel gab es in den vergangenen sieben Tagen je 100 000 Einwohner weniger als 200 Neuinfektionen mit dem Coronavirus. Überall sonst darf die Bevölkerung nach einer entsprechenden behördlichen Anordnung nicht weiter als 15 Kilometer über die Kreisgrenzen hinausfahren, es sei denn, jemand muss zur Arbeit, zum Arzt oder zum Einkaufen.

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