Werbung

Ein neuer Dreh für mehr Mitsprache

Per Video suchen Kinder und Jugendliche jetzt den Dialog mit der Bezirkspolitik in Marzahn-Hellersdorf

  • Von Lola Zeller
  • Lesedauer: 3 Min.
Ein unsanierter Plattenbau in Berlin Marzahn-Hellersdorf.
Ein unsanierter Plattenbau in Berlin Marzahn-Hellersdorf.

»Ich wünsche mir, dass es hier einen Garten gibt, wo wir Wassermelonen haben können und Tomaten«, sagt Edita. Die 13-Jährige steht auf einer großen Grünfläche an der Maxie-Wander-Straße im Ortsteil Hellersdorf. Sie und einige ihrer Mitstreiterinnen aus der gegenüber gelegenen Flüchtlingsunterkunft setzen große Hoffnungen in die künftigen Bauvorhaben des Bezirks auf dieser Brache. »Ich wünsche mir, dass hier ein Haus steht, wo nur Mädchen reinkönnen. Also ohne Jungs, weil die uns immer nerven«, sagt beispielsweise die zehnjährige Shakhsalem.

Ihr Wünsche richten die jungen Aktivistinnen an die Verantwortlichen in der Bezirkspolitik. Gemeinsam mit dem Kinder- und Jugendbeteiligungsbüro Marzahn-Hellersdorf haben sie ein Video gedreht, mit dem sie für ihr Anliegen eintreten. Realisiert haben sie dieses Vorhaben im Rahmen des Projekts JungesPolitikstudio, das eine pandemiegerechte Alternative zu den sonst alljährlich stattfindenden Kinder- und Jugendversammlungen bieten soll. In den vergangenen Jahren boten diese Versammlungen Raum für Kinder und Jugendliche, sich über ihre Anliegen und Fragen mit Bezirkspolitiker*innen auszutauschen. Da diese Präsenzveranstaltungen im Corona-Lockdown wegen der viel zu großen Ansteckungsgefahr nicht stattfinden dürfen, drehen sie in diesem Jahr stattdessen Videos, die sie an das Bezirksamt richten, und warten nun auf die Antworten - auch als Video.

Die online verfügbaren Filme der jungen Menschen bieten einen interessanten Einblick in deren vielfältige Probleme und Interessen: Die Jugendfreizeiteinrichtung UNO in Marzahn befürchtet zum Beispiel, dass bei einem geplanten Umbau der vierspurigen Bundesstraße B158 diese künftig direkt durch ihren Garten führen wird. Schüler*innen in Ortsteil Mahlsdorf warten noch darauf, dass endlich mit dem Bau eines bislang fehlenden Jugendclubs begonnen wird. Das Team des Kinder- und Jugendparlaments in Gründung setzt sich dafür ein, dass Mitbestimmung von jungen Menschen im Bezirk strukturell verankert wird. Mehr Klimaschutzmaßnahmen fordern Aktivist*innen von Fridays For Future. Und Kinder aus der Flüchtlingsunterkunft in der Hellersdorfer Albert-Kuntz-Straße wollen, dass Zebrastreifen für den Schulweg angelegt und Musikinstrumente für ihre Unterkunft beschafft werden.

Bisher sind erst zwei Antwortvideos aus dem Bezirksamt veröffentlicht worden. »Wir arbeiten weiter daran, Antwortvideos auf alle Fragen zu drehen«, versichert jedoch Frank Petersen, der Pressesprecher des Bezirksamts Marzahn-Hellersdorf. Das sei aber ein aufwendiger Prozess, an dem viele verschiedene Abteilungen des Bezirksamtes beteiligt seien. Das nehme deshalb einige Zeit in Anspruch, teilt er auf Anfrage mit.

Als Nächstes soll eine Antwort für die Kinder in der Maxie-Wander-Straße veröffentlicht werden. Susan Hermenau, die Koordinatorin für Flüchtlingsfragen im Bezirksamt, kann aber vorab bereits einen Einblick geben. »Die Grünfläche vor der Geflüchtetenunterkunft ist unter anderem für kommunalen Wohnungsbau vorgesehen«, erläutert sie dem »nd«. Bis dort gebaut werde, könne das Areal aber durchaus für kulturelle Veranstaltungen zwischengenutzt werden. »Als Integrationsbüro freuen wir uns, dass sich die Geflüchtetenkinder einbringen, die werden ja häufig vergessen oder nicht gefragt«, sagt Susan Hermenau.

Antonia Groner arbeitet für das Kinder- und Jugendbeteiligungsbüro Marzahn-Hellersdorf und hat die Fragevideos zusammen mit einigen ihrer Kolleg*innen inhaltlich vorbereitet und moderiert. »Kinder und Jugendliche sollen sich politisch beteiligen und eingebunden werden«, findet die 20-Jährige. Insgesamt zeigt sie sich zufrieden mit der Video-Variante, die sie für die Kinder- und Jugendversammlung entwickelt haben.

»Das Ganze war jetzt natürlich viel aufwendiger, aber ich glaube, das hat sich auch gelohnt«, sagt Groner.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln