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Mit 700 Euro durch Europa

Reisestipendien für junge Leute werden für den Sommer 2021 wieder vergeben.

  • Von Sibylle von Kamptz
  • Lesedauer: 4 Min.

Reisewarnungen, Quarantäne-Regeln, Kontaktbeschränkungen - Corona hat vielen Jugendlichen einen Strich durch ihre Reisepläne gemacht. Ob es 2021 besser wird? Wer die Welt entdecken möchte, der braucht in jedem Fall eine Portion Mut und Eigeninitiative - und das nötige Urlaubsgeld. Bei diesen sechs Organisationen können sich Jugendliche auch in diesen unsicheren Zeiten um ein Reisestipendium bewerben.

Seit 1956 finanziert die Stiftung ZIS Auslandsaufenthalte von Jugendlichen zwischen 16 und 20 Jahren, die während ihrer Reise ein selbstgewähltes Studienthema bearbeiten. So ging es bereits um Kinderheime in Rumänien, das Nachtleben in den Clubs von Tiflis und um die Keramik-Tradition in Südwestengland. 2020 waren coronabedingt zum ersten Mal keine Fahrten möglich. Im Frühjahr 2021 soll die Lage neu bewertet werden, wobei sich die Verantwortlichen zuversichtlich zeigen: »2021 möchten wir zwischen Mai und September ZIS-Reisen wieder ermöglichen.« In den Sommermonaten könnten viele Gesprächspartner draußen an der frischen Luft befragt werden. Zulässig sind erstmals auch Projekte in Deutschland. »Dies gibt den Stipendiaten die Möglichkeit, unbekannte Themen und Regionen vor ihrer Haustür zu entdecken.« Bedingung ist, dass das Reiseprojekt mindestens 50 Kilometer vom Wohnort entfernt liegt.

Zu den weiteren Voraussetzungen gehört, dass für die mindestens vierwöchige Studienreise kein Euro über den Betrag des Stipendiums hinaus verwendet wird - das sind derzeit 700 Euro. Außerdem sind die Stipendiaten allein und nicht etwa mit dem besten Freund auf Tour. Während der Reise bearbeiten die Teilnehmer ein selbst gewähltes Studienthema und präsentieren dies schriftlich oder auch als Dokumentarfilm, auf einer Website, in einem Podcast oder einem Theaterstück.

Die ZIS-Idee geht auf den französischen Verein Zellidja zurück, der seit 1939 aktiv ist. Mut, Eigeninitiative, Neugier und Französischkenntnisse sind Voraussetzung, um an den vergleichsweise hohen Betrag von 900 Euro für eine mindestens vierwöchige Reise zu kommen, die in Coronazeiten nicht um den halben Globus, sondern auch nach Frankreich oder eines der Nachbarländer führen kann. Wer einen besonders guten Abschlussbericht abliefert, darf noch einmal auf Tour gehen und bekommt dafür sogar 1100 Euro. Bewerben können sich 16- bis 20-jährige Jugendliche, die in einem Land ihrer Wahl ein selbstgewähltes Thema recherchieren.

Die Europäische Union (EU) macht allen Jugendlichen, die 2021 18 Jahre alt werden, ein Geburtstagsgeschenk: Unter dem Motto »Discover EU« können sie sich für ein kostenloses Interrail-Ticket bewerben und damit 30 Tage lang ganz Europa bereisen. Ziel ist es, europäische Kulturen und Traditionen zu entdecken, europäische Vielfalt zu erleben und Freundschaften zu schließen. Seit dem Start der Aktion im Jahr 2018 haben sich 350 000 Jugendliche für 70 000 Travel-Pässe beworben, die letzte Bewerbungsrunde fand im Januar 2020 statt. Dann kam Corona und machte alle Reisepläne zunichte. Die gute Nachricht: Der Reisezeitraum für alle bereits ausgegebenen Tickets wurde verlängert, eine nächste Vergaberunde soll - wenn es »die Bedingungen europaweit erlauben« - im Frühjahr 2021 starten.

Den europäischen Gedanken will auch die Schwarzkopf-Stiftung Junges Europa fördern. 600 Euro stehen Jugendlichen zwischen 18 und 27 Jahren zur Verfügung, um einen drei- bis sechswöchigen Aufenthalt in einem europäischen Land zu finanzieren. »Wie und ob die Reisestipendien in diesem Jahr wieder regulär ausgeschrieben werden, wird sich im Laufe des kommenden Monats herausstellen«, erklärt die Sprecherin Milena Jovanovic. Der offizielle Ausschreibungsstart wäre dann ab März.

Frankreich-Fans sollten beim Deutsch-Französischen Jugendwerk (DFJW) vorsprechen. Das DFJW will jungen Menschen bis 30 Jahre die Möglichkeit geben, ihr Nachbarland besser kennenzulernen. Dies ist im Rahmen vielfältiger Programme möglich - etwa bei einem »Stipendium für ein ausbildungsbegleitendes Praktikum« oder unter dem Motto »Ferienjob in der Partnerstadt«. Bezahlt werden je nach Angebot Zuschüsse zu den Fahrt-, Aufenthalts- und Programmkosten oder auch ein Taschengeld.

Ob Naturschutzprojekt in Australien, Englischunterricht in Marokko oder Theater-Workshops in Brasilien: Der Verein Experiment vergibt jährlich mehrere Stipendien in Höhe von maximal 2000 Euro. Gefördert werden Freiwilligenarbeit im Ausland ebenso wie interkulturelle Ferienprogramme, Au-Pair-Aufenthalte und Schüleraustausch. Wer sich bewirbt, muss noch vor der Abreise sein Interesse unter Beweis stellen, indem er ein eigenständiges, persönlich konzipiertes Projekt durchführt. Dies kann zum Beispiel ein Vortrag in der Schule oder eine Aktion in der Kirchengemeinde sein.

Einen Überblick über weitere Stipendien bietet der Stipendienlotse des Bundesministeriums für Forschung und Bildung. Mehr als 1050 Angebote sind unter stipendienlotse.de aufgelistet und können u.a. nach Bildungsstand und Zielregion durchsucht werden.

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