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+++ Hunderte Linke demonstrieren in Hamburg gegen Corona-Politik und -Leugner +++

Der Newsblog zur Coronakrise, Montag 18. Januar 2021: +++ Häusliche Gewalt in der Pandemie: Opferambulanzen sehen keinen eindeutigen Trend +++ 7141 positive Corona-Tests und 214 neue Todesfälle gemeldet +++

  • Lesedauer: 4 Min.
Der Strand von Zinnowitz am vergangenen Wochenende
Der Strand von Zinnowitz am vergangenen Wochenende

+++ Linke demonstrieren gegen Corona-Politik und -Leugner +++

Hunderte Linke sind am Sonntag in Hamburg gegen die Corona-Politik und gegen Corona-Leugner auf die Straße gegangen. Nach Angaben der Polizei zogen am Vormittag bis zu 825 Demonstranten - coronabedingt aufgeteilt in Blöcke - vom linksautonomen Zentrum Rote Flora im Hamburger Schanzenviertel in Richtung Innenstadt. Außer dem Zünden von Pyrotechnik sei alles friedlich verlaufen, sagte ein Polizeisprecher.

»Wir werden nicht zulassen, dass die Coronakrise auf dem Rücken jener abgewälzt wird, die im Kapitalismus eh schon die Zeche zahlen: Frauen, Migranten, Arbeiter«, sagte die Rotfloristin Svenja Lorelai. Vielmehr sollten reiche Menschen für die Krise zahlen. Auch ein weltweit freier Zugang zu Medizin und weniger Rücksicht auf Profit standen im Fokus der Demo.

Auf Transparenten war etwa zu lesen: »Solidarität statt Querdenken«, »Mietbefreiung für alle Corona-Geschädigten« oder »Impfstoff für alle - Sonst gibt`s Krawalle. Pharmakonzerne enteignen«. Die meisten Teilnehmer trugen Mund-Nase-Schutz.

+++ Häusliche Gewalt in der Pandemie: Opferambulanzen sehen keinen eindeutigen Trend +++

Die Opferambulanzen an den beiden Universitätskliniken in Rostock und Greifswald haben im Coronajahr 2020 unterschiedliche Entwicklungen erlebt. Während in Rostock die Zahl der Fälle anstieg, sank sie in Greifswald. Wie die Chefin der Greifswalder Ambulanz, Britta Bockholdt, sagte, seien dort im vergangenen Jahr 77 Erwachsene und 57 Kinder untersucht worden. Im Jahr zuvor waren es noch 106 Erwachsene beziehungsweise 80 Kinder.

Bockholdt führte diesen Effekt auf die coronabedingten Kontaktbeschränkungen beziehungsweise die große Vorsicht bei Kontaktaufnahmen zurück. Auch seien die Schnittstellen, bei denen Kinder mit Verletzungen häufig auffallen, wie Kitas, Tagesmütter oder Schulen zeitweise geschlossen gewesen.

In Rostock wurden dagegen 209 Fälle von häuslicher Gewalt registriert, das waren etwas weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig seien dabei Kinder mit 159 Fällen deutlich überrepräsentiert gewesen, sagte die Leiterin der Ambulanz, Verena Kolbe. In den Vorjahren hätten sich die Fälle von Kindern und Erwachsenen die Waage gehalten.

Für Kolbe ist diese Häufung mit der Coronapandemie verknüpft. Denn zahlreiche Fälle seien in der Ambulanz kurz nach dem ersten Lockdown aufgetaucht. Kolbe betonte aber, dass es neben den Fällen von Gewaltanwendung und sexuellen Übergriffen auch Fälle gab, in denen ein Misshandlungsverdacht nicht bestätigt werden konnte.

Für den Sprecher der Deutschen Kinderhilfe, Rainer Becker, sind beide Entwicklungen mit Corona-Effekten erklärbar. So gingen Experten davon aus, dass im Hellfeld die Zahl von Gewalt in Familien durchaus rückläufig sein kann. Die Betroffenen hätten kaum Gelegenheit, Anzeige zu erstatten. Dass in Rostock die Zahl der Fälle gestiegen sei, könne mit der offensiven Öffentlichkeitsarbeit zusammenhängen. Es sei auch zu beachten, dass im meist ländlichem Einzugsgebiet der Uni Greifswald andere Strukturen herrschen als in Rostock.

+++ 7141 Corona-Neuinfektionen und 214 neue Todesfälle gemeldet +++

Die deutschen Gesundheitsämter haben dem Robert Koch-Institut (RKI) 7141 Corona-Neuinfektionen binnen eines Tages gemeldet. Das ist laut RKI der niedrigste Wert an Neuinfektionen seit dem 20. Oktober. Außerdem wurden 214 neue Todesfälle innerhalb von 24 Stunden verzeichnet, wie das RKI am Montagmorgen bekanntgab. Seit dem 14. Dezember war der Wert nicht mehr so niedrig. An Montagen sind die erfassten Fallzahlen meist geringer, unter anderem weil am Wochenende weniger getestet wird. Vor genau einer Woche hatte das RKI 12 497 Neuinfektionen und 343 neue Todesfälle binnen 24 Stunden verzeichnet.

»Nach einem starken Anstieg der Fallzahlen Anfang Dezember, einem Rückgang während der Feiertage und einem erneuten Anstieg in der ersten Januarwoche scheinen sich die Fallzahlen wieder zu stabilisieren«, schrieb das RKI in seinem Lagebericht am Sonntagabend. Der Höchststand von 1244 neuen Todesfällen war am Donnerstag erreicht worden. Bei den binnen 24 Stunden registrierten Neuinfektionen war mit 33 777 am 18. Dezember der höchste Wert gemeldet worden - darin waren jedoch 3500 Nachmeldungen enthalten.

Die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner (Sieben-Tage-Inzidenz) lag laut RKI am Montagmorgen bei 134,4. Ihr bisheriger Höchststand war am 22. Dezember mit 197,6 erreicht worden. Die Zahl schwankte danach und sinkt seit einigen Tagen wieder. Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind jedoch aktuell enorm: Die höchsten Inzidenzen haben Thüringen mit 274,2 und Sachsen mit 244,9. Den niedrigsten Wert hat Bremen mit 86,6.

Das RKI zählt seit Beginn der Pandemie 2 040 659 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2 in Deutschland (Stand: 18.01., 00.00 Uhr). Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte noch deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden. Die Gesamtzahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 46 633. Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit etwa 1 691 700 an.

Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht vom Sonntagabend bei 0,93 (Vortag: 0,95). Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 93 weitere Menschen anstecken. Der Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab. Agenturen/nd

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