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Honduras fordert Aufklärung

Kritik am gewaltsamen Stopp der Karawane der Migranten

  • Lesedauer: 2 Min.

Oaxaca de Juárez/Tegucigalpa. Nachdem guatemaltekische Sicherheitskräfte Tausende Migrantinnen und Migranten gewaltsam gestoppt haben, hat die honduranische Regierung das Nachbarland aufgefordert, das repressive Vorgehen aufzuklären. Die bedauerlichen Vorfälle müssten untersucht werden, heißt es in einem Kommuniqué, das am Sonntag (Ortszeit) veröffentlicht wurde. Auch der guatemaltekische Ombudsmann für Menschenrechte, Jordán Rojas, kritisierte das Vorgehen.

Guatemaltekische Polizisten und Soldaten hatten am Sonntag eine Karawane von mehreren Tausend honduranischen Migranten in der Stadt Vado Hondo im Osten Guatemalas mit Tränengas und Schlagstöcken gestoppt. Zu dem Einsatz kam es, nachdem ein Teil der Honduraner versucht hatte, die Reihen der Sicherheitskräfte zu durchbrechen.

In der Nacht zum Montag hielten sich laut Berichten von Journalisten vor Ort weiterhin mindestens 6000 Menschen in Vado Hondo auf. Sie dürfen nur weiterziehen, wenn sie einen negativen Corona-Test vorweisen können. Angaben der guatemaltekischen Regierung zufolge wurden bis Sonntagabend weitere 980 Menschen nach Honduras abgeschoben.

Vergangene Woche hatten sich Tausende Migrantinnen und Migranten, unter ihnen auch Jugendliche und Familien mit Kleinkindern, aus Honduras auf den Weg Richtung USA gemacht. Sie flüchten vor Armut, Gewalt und den Folgen zweier Hurrikans. Honduras, Guatemala, El Salvador und Mexiko hatten bereits Anfang vergangener Woche in einer gemeinsamen Erklärung verkündet, dass sie keine »illegale Migration« zulassen würden. Die guatemaltekische Regierung hat in einigen Regionen einen Ausnahmezustand erklärt, damit Sicherheitskräfte die Karawane auflösen können.

In Mexiko wurden 500 Nationalgardisten an die Südgrenze entsendet, um die Migranten an der Einreise zu hindern. Der künftige US-Präsident Joe Biden, der am Mittwoch vereidigt wird, will zwar die restriktive Migrationspolitik seines Vorgängers Donald Trump ändern. Dennoch hat er die Honduraner jetzt aufgefordert, nicht zu kommen. Die Situation an der Grenze werde sich nicht über Nacht ändern.

Millionen von Menschen in Mexiko und in Mittelamerika träumen von einer besseren Zukunft im Norden. Offen stehen ihnen die Grenzen unter Biden sicher nicht. Das machten zwei seiner Berater Ende Dezember in einem schriftlichen Interview mit der spanischen Nachrichtenagentur EFE klar: »Die Migranten und Asylsuchenden sollten keinesfalls glauben, dass sich die Grenze plötzlich öffnet.« Allerdings will Biden die Asylverfahren schneller abwickeln und mehr Antragsteller in USA lassen, als das unter Donald Trump geschah.

Abgesehen davon will die kommende US-Regierung »Fluchtursachen bekämpfen«. Insgesamt vier Milliarden US-Dollar hat Joe Biden vorgesehen, um Regierungen in Mittelamerika zu helfen, Armut und Gewalt in den Griff zu bekommen. Die Hilfen sollen zielgerichtet ausgegeben werden und an rechtstaatliche Standards geknüpft sein. epd/nd

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