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Wenn die Arbeitnehmerin eine leichtere Tätigkeit möchte ...

ausserordentliche kündigung

  • Von OnlineUrteile.de
  • Lesedauer: 2 Min.

Eine 56-jährige Arbeitnehmerin war seit 1972 in einer Gießerei als »Kernputzerin« beschäftigt und musste bei ihrer Arbeit Gewichte zwischen 2 und 30 Kilogramm heben. Da sie langjährig beschäftigt war, konnte das Arbeitsverhältnis nur noch aus wichtigem Grund gekündigt werden. Doch dann legte die die Frau ein ärztliches Attest vor, in dem empfohlen wurde, sie solle künftig nicht mehr als zehn Kilogramm heben.

Daraufhin kündigte der Arbeitgeber den Arbeitsvertrag mit der Begründung, er könne keinen leichteren Arbeitsplatz zur Verfügung stellen. Das Bundesarbeitsgericht (Az. 2 AZR 62/94) sah darin keinen Grund für eine außerordentliche Kündigung. Die angestrebte leichtere Tätigkeit entspreche arbeitsmedizinischen Empfehlungen für Arbeiterinnen dieser Altersgruppe. Bei älteren Arbeitnehmern müssten Arbeitgeber mit reduzierter Leistungsfähigkeit rechnen.

Dem Problem könnten Arbeitgeber begegnen, indem sie den Arbeitsablauf änderten, den Arbeitsplatz anders gestalteten oder Aufgaben umverteilten. Die Arbeitnehmerin wollte mit dem Attest lediglich längerfristig die Zuweisung eines leichteren Arbeitsplatzes erreichen.

Homeoffice abgewiesen

Hat ein 63-Jähriger wegen Corona einen Anspruch auf Arbeit im Homeoffice oder im Einzelbüro?

Der Mann teilte sich in der Firmenzentrale der Arbeitgeberin ein Büro mit einer Assistentin. Im April 2020 beantragte er Homeoffice, solange für ihn das Risiko einer Coronainfektion bestehe. Die Arbeitgeberin könne ihm auch ein Einzelbüro zur Verfügung stellen.

Ein Attest seines Hausarztes bescheinigte dem Mann, dass er aufgrund seines Alters und vieler Vorerkrankungen zum Personenkreis mit erhöhtem Risiko gehörte. Der Antrag wurde von der Arbeitgeberin dennoch abgewiesen.

Ein Rechtsanspruch auf Homeoffice sei weder im Arbeitsrecht vorgesehen noch aus dem Arbeitsvertrag abzuleiten, so das Arbeitsgericht Augsburg (Az. 3 Ga 9/20). Der Mann könnte auch in einem Büro mit mehreren Personen arbeiten, wenn entsprechender Schutz getroffen würde. Mittlerweile wird die Assistentin bei seiner Anwesenheit in der Firmenzentrale in einem anderen Büro arbeiten. Mehr könne man nicht verlangen. OnlineUrteile.de

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