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Ein blinder Fleck

Wolfgang Hübner über die Sanktionen gegen Nord Stream 2

  • Von Wolfgang Hübner
  • Lesedauer: 1 Min.
Schlepper bringen sich am russischen Verlegeschiff «Fortuna» im Hafen in Position. Das Spezialschiff wird für Bauarbeiten an der deutsch-russischen Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 2 eingesetzt.
Schlepper bringen sich am russischen Verlegeschiff «Fortuna» im Hafen in Position. Das Spezialschiff wird für Bauarbeiten an der deutsch-russischen Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 2 eingesetzt.

Wenn Staaten Sanktionen verhängen, geht es fast immer um Wirtschaftsinteressen – auch wenn sie mit einer menschenrechtlichen Begründung dekoriert werden. Diese Mühe macht sich die US-Regierung in ihrem Kampf gegen die fast fertiggestellte Erdgasleitung Nord Stream 2 kaum noch. Dass Russland direkt Gas nach Westeuropa liefern kann, ärgert die US-Energielobby. Schließlich will sie ihr eigenes Gas verkaufen, das zunehmend mit dem dreckigen Fracking-Verfahren gewonnen wird.

In diesem Kampf kleben die USA ihren Wirtschaftsinteressen nur notdürftig das Etikett Nawalny auf. Es geht, wie Marx in anderem Zusammenhang schrieb, um »das nackte Interesse«, die »fühllose bare Zahlung«. Das aber ignorieren die Klima- und Umweltschützer völlig, die sich jetzt gegen die Erdgaspipeline wenden. In ihren Erklärungen dazu spielt das Gas aus Übersee keine Rolle. Einer Klimabewegung, die ernst genommen werden will, steht politische Einäugigkeit jedoch nicht gut zu Gesicht.

»Sauberes Erdgas ist eine dreckige Lüge«, dieses »Fridays for Future«-Plakat gegen Nord Stream 2 gilt mindestens genau so für US-Frackinggas. Die Umweltbewegung sollte sich da keinen blinden Fleck erlauben – sonst erledigt sie das Geschäft von Leuten, mit denen sie wohl nichts zu tun haben möchte.

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