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Dem Wolf geht es an den Kragen

Koalition will den Abschuss der unter Artenschutz stehenden Raubtiere erleichtern

  • Von Wilfried Neiße, Potsdam
  • Lesedauer: 3 Min.

Für die sich stark vermehrende Wolfspopulation in Brandenburg wird es ernst: Die Regierungskoalition aus SPD, CDU und Grünen bringt einen Antrag in den Landtag ein, dass die Jagd auf diese an sich streng geschützte Raubtierart erleichtert werden soll. Dem Antrag zufolge soll der Abschuss von Wölfen künftig möglich sein, auch wenn »die Schäden bei Nutztierrissen keinem bestimmten Wolf eines Rudels zugeordnet« werden können. Voraussetzung ist, dass das Weidevieh durch zumutbare Herdenschutzmaßnahmen gesichert war und dass der erlaubte Abschuss »von einzelnen Mitgliedern eines Wolfsrudels« in einem »engen räumlichen und zeitlichen Zusammenhang zu bereits eingetretenen Rissereignissen« steht.

Bislang war es extrem schwierig, die Abschusserlaubnis für Wölfe zu bekommen. Der Tierhalter hatte nachweisen müssen, dass ein ganz konkreter Wolf sämtliche Schutzmaßnahmen mehrfach überwunden hatte - und nur auf dieses eine Tier war eine Abschusserlaubnis gemünzt. Zuvor mussten Versuche fehlgeschlagen sein, diesen Wolf lebend einzufangen. CDU-Fraktionschef Jan Redmann sagte, es werde immer schwieriger, die Wölfe auf Distanz zu halten, »wenn sie merken, dass sie nichts zu befürchten haben«. Dergestalt ermutigt würden sie sich nicht nur an Schafen vergreifen, sondern inzwischen auch mit einer Rudeltaktik an Kälbern.

»Es geht nicht um einen flächendeckenden Abschuss«, erklärte Redmann. Doch müsse der Wolf dahingehend orientiert werden, dass er sich in der Wildnis und auf natürliche Weise ernährt. Derzeit machen sich die Raubtiere an Herden heran, die sie leicht fressen können, da das Vieh auf der eingezäunten Weide nicht vor ihnen flüchten kann. Problematisch werde es, wenn der Wolf seine natürliche Scheu vor Menschen und Siedlungen verliere, sagte Redmann. Er verwies auf nachgewiesene Paarungen von Hunden und Wölfen in Thüringen. »Das kann für den Menschen gefährlich werden. Dem müssen wir vorbeugen.«

Für die Grünen beteuerte Fraktionschef Benjamin Raschke, seine Partei sehe dieses Vorhaben »ganz entspannt«. Mit diesem Schritt ordne sich Brandenburg bei der Entwicklung auf Bundesebene ein. Die Grünen seien auf jeden Fall für gute Bedingungen für eine artgerechte Weidehaltung. Schaden durch Wölfe erlitten in der Vergangenheit auch nicht jene Landwirte, die eine Massentierhaltung in Ställen haben, sondern oft Biobauern mit Freilandhaltung. Die artgerechte Weidetierhaltung stehe in einem »Spannungsverhältnis« zum Auftreten des Wolfes, so Benjamin Raschke, doch sei die angestrebte Verbesserung des Wolfsmanagements eine gute Lösung.

»Die Neuregelung wird, wenn überhaupt, weiterhin nur in Ausnahmefällen zum Abschuss von Wölfen führen«, sagte der Abgeordnete Thomas Domres (Linke). Es sei Augenwischerei, wenn man glaube, man könne die Konflikte durch die Jagd lösen. »Das würde nicht einmal bei sehr viel höheren Abschusszahlen funktionieren.«

Seit dem Jahr 2010 ist die Rückkehr des Wolfes nach Brandenburg nachweisbar. Nachdem er hier lange ausgerottet war, ist er aus Polen wieder eingewandert und hat sich ausgebreitet. In ganz Deutschland gibt es 128 Wolfsrudel und 35 Paare. Brandenburg gilt als das Bundesland mit dem höchsten Bestand. Im vergangenen Jahr hielten sich hier 47 Wolfsrudel und zehn Wolfspaare auf. Sie rissen von Anfang Januar bis Ende September insgesamt 395 Schafe, zehn Ziegen, 80 Rinder und zwei Pferde. Das Land fördert wolfssichere Zäune und die Anschaffung von Schutzhunden finanziell. Es zahlt außerdem Entschädigungen, wenn das alles nicht geholfen hat.

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