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Impfstoff-Knappheit war »nicht vorhersehbar«

Der Newsblog zur Coronakrise, Montag, 25. Januar 2021: +++ 100 Anzeigen nach Protest gegen Corona-Maßnahmen +++ Wanderwitz: Corona-Zahlen in AfD-Hochburgen kein Zufall +++ 6729 Corona-Neuinfektionen und 217 Todesfälle +++

  • Lesedauer: 4 Min.

Berlin. Lieferengpässe bei Corona-Impfstoffen sind nach Ansicht der Ständigen Impfkommission (Stiko) am Robert Koch-Institut nicht abzusehen gewesen. »Das ist sehr unerfreulich, gar keine Frage, aber das sind Dinge, die nicht in unserer Macht stehen«, sagte der Stiko-Vorsitzende Thomas Mertens am Montag im ZDF-»Morgenmagazin«. Die Herstellungsprobleme seien »letztlich nicht vorhersehbar« gewesen. Zu der Zeit, als Vorverträge mit Herstellern gemacht worden seien, habe man nichts über die wirkliche Wirksamkeit der Impfstoffe gewusst. »Man musste mehrere Katzen im Sack kaufen, weil man nicht wusste, welcher Impfstoff zuerst zur Zulassung kommt«, sagte Mertens. Die Stiko ist ein Expertengremium mit dem Ziel, Empfehlungen zu Impfungen auf Basis aktueller Forschung zu geben. Nach den Lieferproblemen bei Pfizer-Biontech hatte vergangene Woche der britisch-schwedische Konzern Astrazeneca angekündigt, zunächst weniger Dosen an die EU abzugeben als geplant. Die Zulassung dieses Impfstoffs wird in Kürze erwartet.

+++ 100 Anzeigen nach Protest gegen Corona-Maßnahmen +++

Parchim. Nach einer unangemeldeten Demonstration gegen die Corona-Einschränkungen in Westmecklenburg ermittelt die Polizei gegen mehr als 100 Teilnehmer. Wie ein Polizeisprecher am Montag in Rostock erklärte, hatten sich ungeachtet der strengen Regelungen am Sonntagabend etwa 500 Menschen in Parchim versammelt. In Abstimmung mit dem Ordnungsamt des Kreises Ludwigslust-Parchim wurde das Treffen nicht aufgelöst. Die Gruppen zogen in zwei Aufzügen durch die Innenstadt. In etwa 100 Fällen seien Anzeigen wegen nicht getragenen Mund-Nasen-Schutzes sowie Verstößen gegen Abstandsregeln und Kontaktverbot gestellt worden. Gegen zwei Teilnehmer, die über soziale Medien zu dem Treffen aufgerufen haben sollen, werde zudem wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz ermittelt. Vor einer Woche hatten rund 200 Menschen in Parchim gegen die Corona-Einschränkungen demonstriert. In Mecklenburg-Vorpommern waren bisher an Montagabenden solche »Protestspaziergänge« üblich, vor allem in Rostock, Neubrandenburg, Stralsund und auf Usedom. Die Inzidenz lag zuletzt im Landkreis bei 140,2 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche, im gesamten Bundesland bei 106,5.

+++ Wanderwitz: Corona-Zahlen in AfD-Hochburgen kein Zufall +++

Berlin. Die hohen Corona-Zahlen in den Hochburgen der AfD sind nach Ansicht des Ost-Beauftragten der Bundesregierung, Marco Wanderwitz (CDU), kein Zufall. Eine mal laute, mal leise Rebellion gegen die Infektionsschutzpolitik behindere unterm Strich die Virusabwehr, sagte Wanderwitz dem »RedaktionsNetzwerk Deutschland« (RND). In einer Pandemie spielten viele Faktoren eine Rolle, sagte Wanderwitz. Dazu zähle nicht zuletzt die Haltung der Menschen zu Abstandsregeln und Maskenpflicht. »Wer die Infektionsschutzmaßnahmen ablehnt, wie viele AfD-Anhänger, Reichsbürger und Esoteriker es tun, hilft am Ende bei der Ausbreitung des Virus.« Wanderwitz fügte hinzu, das Phänomen habe inzwischen eine Dimension, die über das Parteipolitische hinausgehe. So entstehe in manchen Regionen der früheren DDR eine Realitätsverweigerung wie im Jahr 2016 bei den Trump-Wählern in den USA. Viele schöben Komplexes und Unwillkommenes einfach beiseite, igelten sich ein und seien dann keinem Argument mehr zugänglich.

+++ 6729 Corona-Neuinfektionen und 217 Todesfälle +++

Berlin. Die deutschen Gesundheitsämter haben dem Robert Koch-Institut (RKI) 6729 Corona-Neuinfektionen binnen eines Tages gemeldet. Außerdem wurden 217 neue Todesfälle innerhalb von 24 Stunden verzeichnet, wie das RKI am Montagmorgen bekanntgab. Vergangenen Montag hatte das RKI 7141 Neuinfektionen und 214 neue Todesfälle binnen 24 Stunden verzeichnet. Allerdings waren die Daten aus Rheinland-Pfalz zu diesem Zeitpunkt nur unvollständig übermittelt worden. An Montagen sind die erfassten Fallzahlen zudem meist geringer, unter anderem weil am Wochenende weniger getestet wird. Die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner (Sieben-Tage-Inzidenz) lag laut RKI am Montagmorgen bei 111,2. Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht vom Sonntagabend bei 1,01 (Vortag ebenfalls 1,01). Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 101 weitere Menschen anstecken. Der Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab.

+++ Neuseeland: Erster lokaler Corona-Fall seit November +++

Wellington. Im für seinen erfolgreichen Kampf gegen die Corona-Pandemie bekannten Neuseeland ist erstmals seit November wieder ein lokal übertragener Infektionsfall bestätigt worden. Es handele sich um eine 56-jährige Frau, die sich nach ihrer Rückkehr aus Europa zwei Wochen lang in einem Quarantänehotel in Auckland aufgehalten habe, teilten die Gesundheitsbehörden in dem Inselstaat im Südpazifik mit. Dort sei sie zwei Mal negativ auf das Virus getestet worden. Erst nachdem sie in ihre Heimatregion Northland auf der Nordinsel zurückgekehrt sei, habe sie Symptome gezeigt und sei positiv getestet worden, hieß es. Bei dem Virus handele es sich um die neue, ansteckendere Virus-Mutation aus Südafrika, bestätigte der Minister für Covid-19-Bekämpfung, Chris Hipkins. Die Frau habe sich allem Anschein nach bei einer anderen Person im Quarantänehotel angesteckt. Alle Gäste, die sich gleichzeitig mit der Frau in dem Hotel aufgehalten haben, seien kontaktiert und gebeten worden, sich in Selbstisolation zu begeben. Auch werde genau nachverfolgt, mit dem die Neuseeländerin in den vergangenen Tagen Kontakt hatte. Agenturen/nd

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