Kolumbiens Greta Thunberg

Der elfjährige Umweltaktivist Francisco Javier Vera wird bedroht

  • Von Martin Ling
  • Lesedauer: 2 Min.

Kolumbianische Umweltaktivisten stehen seit Jahr und Tag im Visier von Paramilitärs. Todesdrohungen sind alltäglich und machen in Deutschland keine Schlagzeilen. Wenn aus der Drohung Realität wird, gibt es eine Nachricht. Dieses Mal ist es anders. Der Grund ist einfach: Der Bedrohte ist ein elfjähriger Umweltaktivist. Sein Name ist Francisco Javier Vera Manzanares. »Dieses Land ist ein trauriger Ort. Ich prangere etwas öffentlich an. Vor ein paar Minuten erhielt ich diese Drohung auf meinem Twitter-Account. Das Leben zu verteidigen, ist ein Recht«, äußerte er sich auf Twitter. Dieses Konto wird ebenso von seinen Eltern kontrolliert wie auch seine anderen Aktivitäten in den sozialen Medien.

Es ist in der Tat ein trauriges Land, in dem einem Elfjährigen, der die Regierung in sozialen Medien dazu auffordert, überall im Land den Internetzugang für virtuellen Unterricht während der Corona-Pandemie zu garantieren, gedroht wird, die Haut abzuziehen und sogar seine Finger abzuschneiden, wenn er »weiterhin über Umweltschutz und Würde spricht«. Es ist das Land, in dem vergangenes Jahr 310 zivilgesellschaftlich engagierte Anführer und Menschenrechtsverteidiger ermordet wurden - fast einer am Tag.

Das geschieht, obwohl der bewaffnete interne Konflikt mit der Farc-Guerilla 2016 über ein Friedensabkommen beigelegt wurde. Die toten Aktivisten gehen nicht auf das Konto der Farc, sondern auf das Konto von Paramilitärs, die für die wirtschaftlichen Interessen der Großgrundbesitzer und Konzerne über Leichen gehen.

Ob er nun Personenschützer oder gepanzerte Wagen wolle, wurde Francisco Javier Vera im kolumbianischen Sender »Caracol TV« gefragt. »Wozu?«, antwortete er. Sein Zeil sei ein grüner Planet. In Kolumbien ist das eine lebensgefährliche Forderung, unbeliebt bei den Herrschenden ist sie überall.

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