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Radiowelle trifft Schokoriegel

DR. SCHMIDT ERKLÄRT DIE WELT: Gurkenwasser als Ersatz für Streusalz

  • Lesedauer: 3 Min.
Die Idee, dass Gurkenwasser als Streusalzersatz dienlich ist, war wahrscheinlich ein Zufall - wie viele große Erfindungen.
Die Idee, dass Gurkenwasser als Streusalzersatz dienlich ist, war wahrscheinlich ein Zufall - wie viele große Erfindungen.

In Bayern testet eine Firma Gurkenwasser als Ersatz für Streusalz. Wie kommt man auf so eine Idee? Ist da auf der Straße ein Gurkenglas zerbrochen und hat den Schnee geschmolzen?

Gute Frage. Aber viele Entdeckungen basieren auf Zufällen, wie zum Beispiel das von Alexander Fleming entdeckte Penicillin, was im Wissenschaftsbereich einer der berühmtesten Zufallsfunde überhaupt sein dürfte.

War dem nicht einfach seine Bakterienkultur verschimmelt?

Genau. Aber er hat aus einer Beobachtung, die andere vor ihm auch schon gemacht hatten, einen sinnvollen Schluss gezogen. Einige dieser Bakterienkulturen haben sich nicht mehr vermehrt, und er ist darauf gekommen, dass dies das Werk des dort wuchernden Schimmelpilzes war und es als wirksames antibakterielles Mittel erkannt. Andere vor ihm haben den Schimmel einfach nur als Störfaktor zur Kenntnis genommen und sich nichts dabei gedacht. Und da kommt dann eben ein anderer Mediziner mit seinem tiefgründigen Satz zur Geltung, nämlich Pasteur, der irgendwann mal sehr schön gesagt hat: »Der Zufall begünstigt nur den vorbereiteten Geist.«

Dass Fleisch gebraten besser schmeckt, soll ja auch so eine Zufallsentdeckung gewesen sein.

Naja, es gibt auch viele Legenden. Aber im Grunde beruht die ganze Technologiegeschichte immer wieder auf Zufällen, bei denen sich jemand rechtzeitig was Gescheites gedacht hat. Bei Kupfer ist man irgendwann dahintergestiegen, dass sich durch Erhitzen seine Form ändern lässt. So ist man zu Gussteilen gekommen. Auch in der Astronomie gab es solche Sachen. Die sogenannte kosmische Hintergrundstrahlung haben in den 1960er Jahren zwei Techniker zufällig entdeckt. Oder die Mikrowelle ...

Kenne ich.

... da hat ein Techniker einer Firma mit Radargeräten festgestellt, dass ihm, wenn er in einem Bereich der kurzwelligen Radiowellen steht, der Schokoriegel in der Hosentasche schmilzt.

Neben was für einem Gerät stand der?

Letztlich so was wie dein Mikrowellenherd.

Aber der war doch noch gar nicht erfunden.

Natürlich, er arbeitete an Radarverstärkern. Was Radar ist, weißt du ja.

Aber klar.

Also dass du da kurzwellige Radiowellen ausschickst und das Echo misst, um zu sehen, ob da irgendwo ein Hindernis ist.

Aber dann wurde der Typ ja verstrahlt!

Der hat auf jeden Fall ein bisschen den eigenen Körper erwärmt. Denn da Mikrowellen besonders gut auf wässrige Dinge wirken, dürfte das seinen Oberschenkel mehr erhitzt haben als den Schokoriegel. Insofern verblüfft mich, dass er das erst am Schokoriegel gemerkt haben soll.

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