Impfen für die Rückkehr zur Normalität

Teil 11 unserer Serie über Menschen in Berufen, die die Coronakrise besonders trifft

  • Von Marie Frank
  • Lesedauer: 3 Min.

»Ich will einen Beitrag dazu leisten, dass wir wieder in Richtung Normalität kommen«, sagt Franziska Leschewitz. Die 31-Jährige sitzt eigentlich für die Linkspartei im Abgeordnetenhaus, zurzeit ist ihr jedoch etwas anderes wichtiger: Seit Beginn der Impfungen gegen das Coronavirus ist die ausgebildete Pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA) fünf bis sechs Tage in der Woche in mobilen Impfteams unterwegs. Morgens um 7.30 Uhr geht es los im Impfzentrum am ehemaligen Flughafen Tegel, zuerst wird sie registriert, dann kommt der obligatorische Coronatest und dann werden die Teams eingeteilt. Immer mindestens ein Arzt, eine PTA und ein Bundeswehrsoldat, jeden Tag in anderer Zusammensetzung. Warum das so ist, weiß Leschewitz auch nicht genau, schließlich sollen die Infektionsketten ja eigentlich so klein wie möglich gehalten werden. Doch Leschewitz hat da so eine Vermutung: »Ich denke, dass dadurch Missbrauch vorgebeugt werden soll, damit niemand Impfstoff entwendet.«

Sie selbst ist noch nicht geimpft worden, dafür hat sie schon Hunderte Impfungen vorbereitet. Mit ihrem kleinen Team fährt Leschewitz in die Pflegeheime - beziehungsweise jetzt, wo diese schon durchgeimpft sind, in betreute Wohneinrichtungen und Senioren-WGs. Die Aufgabenteilung ist dabei klar: Die Bundeswehr-Soldaten machen die Dokumentation und den Fahrdienst, die PTAs bereiten die Impfdosen vor, die Ärzte klären etwaige Vorerkrankungen und Unverträglichkeiten ab und verspritzen den Impfstoff.

»Im Schnitt verimpfen wir so 60 Dosen«, sagt Leschewitz. Acht bis zehn der kleinen Fläschchen mit dem Präparat von Biontech/Pfizer - Vials genannt - hat ihr Team üblicherweise dabei, der Inhalt eines Vials reicht für sechs Impfungen. Leschewitz ist stolz auf ihre 100-Prozent-Quote: »Alle Spritzen, die ich vorbereitet habe, wurden auch verimpft.« Wenn alle Bewohner*innen durchgeimpft sind, ist das Pflegepersonal dran, zur Not wird das dafür auch mal aus dem freien Tag geholt. »Die Impfbereitschaft der Bewohner ist groß, es gab nur wenige, die abgelehnt haben«, erzählt die junge Frau. Auch beim Pflegepersonal habe sie bislang nur wenige Skeptiker*innen getroffen. Leschewitz würde sich sofort impfen lassen, hat aber Verständnis für die Skepsis vieler Menschen. »Einen Impfzwang halte ich für den falschen Weg, wir brauchen hier mehr Aufklärung.«

Wofür die Linke-Politikerin wenig Verständnis hat, sind die Schwierigkeiten bei der Impfstoffbeschaffung. »Man hätte deutlich mehr Impfdosen bestellen müssen«, findet Leschewitz. Dann hätte man auch die Neid-Debatte, wer zuerst geimpft wird und wieder seine Freiheitsrechte ausüben darf, vermeiden können, glaubt sie. »Es ist fraglich, inwieweit das die Impfbereitschaft erhöht, wenn man die Impfstoffe wie auf dem Kuchenbasar anbietet.« Überhaupt läuft in Sachen Impfstoff einiges falsch, findet Leschewitz. »Die Lizenzen müssen freigegeben werden, damit mehr produziert werden kann«, fordert sie. Es könne nicht sein, dass Pharmaunternehmen wie Biontech/Pfizer, staatliche Fördergelder bekommen und dann aus der Not der Menschen auch noch Profit schlagen. »Bei medizinischen Produkten, die Leben retten, darf es nicht um kapitalistische Verwertungsinteressen gehen.«

Doch auch bei ihr im Impfzentrum läuft nicht alles rund. So haben die Helfer*innen bis heute keinen Lohn erhalten, weil die Zuständigkeitsfrage nicht geklärt sei. Leschewitz macht das nichts aus, da sie als Abgeordnete Diäten bezieht und ihr Gehalt ohnehin spenden will. »Andere sind darauf angewiesen, das ist echt ein Unding«, schimpft sie. Noch gebe es zwar genug Helfer*innen, doch ohne Lohn wachse die Gefahr, dass diese abspringen. »Langsam wird der Unmut groß.«

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