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Pack den Impfausweis ein!

Reisemediziner sehen einige Teile der Branche gut gerüstet für neue Urlaubsplanungen

  • Von Ulrike Henning
  • Lesedauer: 4 Min.
Der Impfausweis könnte in Zukunft in jedes Reisegepäck gehören.
Der Impfausweis könnte in Zukunft in jedes Reisegepäck gehören.

Wird Reisen je wieder so sein, wie es vor der aktuellen Pandemie einmal war? Diese Frage bewegt viele, die in früheren Jahren zu diesem Zeitpunkt schon längst ihren Sommerurlaub gebucht hatten. Da Impffortschritt, Virus-Mutanten-Ausbreitung und Lockdown-Maßnahmen nicht wirklich sicher vorherzusehen sind, ist aktuell die Zurückhaltung groß.

Reisemediziner sehen indessen Sars-CoV-2 eher als Herausforderung, der mit bewährten Mitteln durchaus zu begegnen ist. Bei einer Pressekonferenz am Donnerstag informierten Vertreter des Fachs über ihre bisherigen Erfahrungen und die Aussichten für die neue Saison. Als Schlüssel für die Normalisierung sieht auch der Arzt Tomas Jelinek die Impfungen gegen Sars-CoV-2. Der Tropenmediziner ist seit 2007 wissenschaftlicher Leiter des unabhängigen Centrums für Reisemedizin in Düsseldorf. Das berät Ärzte, Apotheken, aber auch Reisende zu Infektions- und Gesundheitsrisiken in aller Welt.

Jelinek erwartet neben den drei bereits in der EU zugelassenen Corona-Impfstoffen die drei nächsten, die im März diese Prozedur abschließen könnten. Weitere würden folgen. »Im Vergleich mit anderen Viren verändert sich Sars-CoV-2 relativ langsam. Was wir jetzt sehen, sind Zufallsmutationen, von denen es um so mehr gibt, je häufiger das Virus übertragen wird. Meist werden Viren aber auch in diesem Prozess weniger pathogen«, macht Jelinek Mut. »Das Virus kann bei seinem Spikeprotein auch nicht sehr stark mutieren, weil es sonst den Zugang zu menschlichen Zellen verlieren würde.«

Auch angesichts der Virusmutationen, zu deren Gefährlichkeit noch nicht das letzte Wort gesprochen sei, hält der Arzt die üblichen Hygienemaßnahmen weiter für erforderlich, auch auf Reisen. Wahrscheinlich würden auch bei den Impfungen regelmäßige Auffrischungen nötig, da bei Atemwegserkrankungen nur eine kurzfristige Immunität erworben werde. Ebenso könnte es sein, dass die Impfstoffe wiederholt angepasst werden müssten, ähnlich wie vom Grippeschutz bekannt. Jelinek sieht bereits eine Impfpflicht bei bestimmten Fluglinien und für die Einreise in bestimmte Länder. »Solche Pflichten gab es schon immer, sie sind akzeptiert und haben auch einen Sinn.«

Für die Rückkehr zum »normalen« Reisen müsste auch er in die Glaskugel schauen. Der Mediziner schätzt aber, dass es ab Ostern in kleinen Schritten vorangehen werde.

Was für einzelne Reisende eine Frage guter Information und Organisation ist, stellt für die Flughäfen eine logistische Herausforderung auf einer ganz anderen Ebene dar. Das sei schon in den letzten Monaten so gewesen, als es vor allem darum ging, den verbliebenen Flugverkehr, unter anderem von Dienstreisenden möglichst sicher abzuwickeln. Über die Details berichtet Michael Sroka, leitender Arzt der Fraport AG. Der Flughafen Frankfurt erreichte pandemiebedingt 2020 einen Passagierrückgang von über 70 Prozent und damit das Niveau von 1984. Inzwischen wurden auf dem Airport alle gängigen Hygienemaßnahmen umgesetzt, angefangen von Markierungen, entsprechenden Durchsagen bis hin zu Infektionsmittelspendern. Die Notwendigkeit, schnell testen zu können, wurde in Frankfurt früh akzeptiert und angeboten. Dabei sind die Anforderungen in den Zielländern aktuell sehr unterschiedlich: Die Niederlande verlangen einen nicht mehr als vier Stunden alten Antigentest bei der Einreise. »Ein schnelles Boarding dauert eine Stunde«, erklärt Sroka. Selbst bei einer relativ kurzen Flugzeit von knapp über einer Stunde müsse gezirkelt werden, damit die Passagiere am Ende auch einreisen könnten.

Aktualisiert worden seien auch die Anforderungen an Einreisende. Kommen diese aus Gebieten mit hohen Inzidenzen oder vielen Mutationen, gibt es bei der Grenzkontrolle eine Testnachweispflicht. Sroka empfiehlt allen Passagieren auch in Zukunft, sich rechtzeitig zu informieren.

Verändert hat sich auch einiges für Kreuzfahrtreisende. Mit Hygienemaßnahmen hätte man schon länger Erfahrungen, da es bei dieser Urlaubsvariante immer wieder zu Ausbrüchen von Magen-Darm-Infektionen kommt. Bei den Unternehmen, die aktuell noch oder wieder Kreuzfahrten anbieten, werden die Crews schon regelmäßig auf Sars-CoV-2 getestet, teils auch an Bord. Die Reedereien mussten Passagierzahlen auf maximal zwei Drittel des Möglichen reduzieren, um nötige Abstände einzuhalten. Da auf den Schiffen häufig US-Vorschriften gelten, werde viel desinfiziert, berichtet Kurt Machens. Der Mediziner ist seit 2015 regelmäßig auf Tui-Cruises-Schiffen unterwegs. Das Unternehmen habe im Pandemiejahr 2020 noch 40 000 Gäste befördert - und hatte bei den obligatorischen Tests dabei keine Sars-CoV-2-Ansteckung gefunden. Das sei erst aktuell in diesem Jahr vier Mal geschehen. Diese Passagiere wurden dann an Land in einer Quarantäneunterkunft beherbergt.

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