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In der Abflughalle wird jetzt geimpft

Am Montag ist in Schönefeld das Flughafenterminal stillgelegt worden - als Sparbeitrag des BER

  • Von Tomas Morgenstern
  • Lesedauer: 3 Min.
Der Haupteingang des Terminal 5 des Hauptstadtflughafens, das nun vorerst stillgelegt wurde.
Der Haupteingang des Terminal 5 des Hauptstadtflughafens, das nun vorerst stillgelegt wurde.

Zeitenwende am Flughafen Schönefeld (Dahme-Spreewald): Am Montagmorgen sind im BER Terminal 5 die wohl auf lange Sicht letzten Flugreisenden abgefertigt worden. Ein letzter Start um 8.05 Uhr nach Kiew, am Ende kam noch eine Ryanair-Maschine aus Rom herein. Am Vormittag verkündete dann der Chef des Hauptstadtflughafens BER, Engelbert Lütke Daldrup, das zumindest vorläufige Betriebsende. Infolge der Corona-Pandemie sind die Fluggastzahlen dramatisch eingebrochen, so dass der verbleibende Flugverkehr am Hauptterminal 1 konzentriert wird. Ob Terminal 5 je wieder öffnet, ist ungewiss.

Von einem Abschied wollte der BER-Chef am Montag in der verwaisten Abfertigungshalle des Terminalbereichs L nicht sprechen. Der Flughafen Berlin-Schönefeld sei ein wichtiger Ort für Berlin aber auch für die Geschichte Ostdeutschlands. »Es ist keine Schließung im eigentlichen Sinne, wie wir sie in Tegel gemeinsam erlebt haben. Sondern, wir haben es heute mit einer Unterbrechung des Betriebs zu tun«, so Lütke Daldrup. Die Flughafengesellschaft FBB habe angesichts sehr niedriger Fluggastzahlen bereits im Dezember beschlossen, »das Terminal 5 des BER, den ehemaligen Flughafen Berlin-Schönefeld, zunächst für ein Jahr als Infrastruktur vom Netz zu nehmen«.

Am 24. Oktober sei der Flughafen Berlin-Schönefeld als Terminal 5 integraler Bestandteil des BER geworden. Am 2. November, zwei Tage nach Inbetriebnahme des neuen Hauptstadtflughafens, habe der Lockdown zu einem bislang nicht gekannten Rückgang der Fluggastzahlen geführt - von 700 000 bis 800 000 Fluggästen in den Sommermonaten auf nur noch 200 000 im Januar. In einer solchen Situation - für den gesamten Februar rechne die Betreibergesellschaft nur noch mit 140 000 Passagieren - mache es keinen Sinn, mehr als ein Terminal zu betreiben. »Aus diesem Grunde drücken wir beim T5 auf die Pausentaste«, betonte er. Und er hoffe, die Kapazität wieder nutzen zu können, sobald der Verkehr wieder ansteige. Zudem werde man unter Corona-Bedingungen angesichts der geltenden Abstands- und Hygieneregelungen auch dann mehr Platz benötigen, wenn der BER noch nicht unter Volllast arbeite. Allerdings verwies Lütke Daldrup bei dieser Gelegenheit auch darauf, dass am T1 das im Oktober komplett fertiggestellte Neubauterminal 2 im Standby stehe. Die Flughafengesellschaft habe in den letzten Jahren mehr als 100 Millionen Euro in den Flughafen Berlin-Schönefeld investiert, so Lütke Daldrup. Man habe sich am Terminal 5 auf weitere zehn Jahre Flugbetrieb vorbereitet. Wenn sich der Verkehr erholt, werde man diese Kapazität brauchen, solange das etwa 2030 geplante Terminal 3 nicht zur Verfügung stehe. Doch während hier in den besten Zeiten fast eine Million Passagiere im Monat abgefertigt wurden, seien es im Januar am T5 noch ganze 58 000 Passagiere gewesen. Die Stilllegung erfolge nun, um Mittel zu sparen. Mit bis zu 25 Millionen Euro trage sie zu den Sparanstrengungen der FBB bei, die sich 2021 auf 90 Millionen Euro belaufen werden.

Gänzlich zur Ruhe kommt das Terminal 5 nicht. Während auch künftig die Bundespolizei und eine Sicherheitsfirma verbleiben, bezieht von nun an das Impfzentrum des Landkreises Dahme-Spreewald den Terminalbereich M. Bis zu 3000 Menschen können dort pro Tag gegen Corona geimpft werden.

Das Terminal insgesamt werde für die Wiederinbetriebnahme bereitgehalten. »Wir sagen daher nicht danke oder bye-bye, sondern auf Wiedersehen«, so der BER-Chef.

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