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In Myanmar fließt Blut

Polizei und Militär gehen brutal gegen Demonstranten vor, 18 Menschen getötet

  • Von Alexander Isele
  • Lesedauer: 3 Min.

Es ist der bisher blutigste Tag in Myanmar seit dem Putsch vor fast genau einem Monat. Am Sonntag wurden bei der Niederschlagung von Protesten gegen das Putschregime im ganzen Land laut den Vereinten Nationen mindestens 18 Menschen getötet und 30 weitere verletzt. Aufnahmen in den sozialen Medien zeigen, wie Polizisten und Soldaten in verschiedenen Städten gemeinsam gegen Demonstrierende vorgingen. Seit dem Putsch registrierte die Hilfsvereinigung für politische Gefangene mehr als 850 Festnahmen oder Verurteilungen. Die Zahl dürfte nach diesem Wochenende jedoch drastisch steigen. Staatliche Zeitungen berichteten von 479 Festnahmen alleine am Samstag.

In den beiden größten Städten Yangon und Mandalay sowie in Dawei und Bago sollen bislang mindestens neun Menschen durch Polizeigewalt gestorben sein, berichtete die Zeitung »The Irrawaddy«. Der Polizei wird vorgeworfen, zunächst mit Gummigeschossen und Tränengas, später mit scharfer Munition gegen Demonstranten vorgegangen zu sein. Dabei soll Demonstranten gezielt in den Kopf geschossen worden sein, berichtete das Onlineportal »Myanmar Now«. In den sozialen Medien zirkulieren viele Videos, die zeigen, wie Soldaten und Polizisten auf Demonstranten schießen.

Trotz all der Gewalt sind am Sonntag wieder Hunderttausende Menschen auf die Straße gegangen, um für die Anerkennung des Wahlergebnisses von November, die Freilassung von der beim Putsch verhafteten Staatsrätin und De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi sowie gegen das Militär zu demonstrieren. Auf Bildern, die von »Frontier Myanmar« verbreitet werden, sind Demonstranten zu sehen, die in der Innenstadt von Yangon Barrikaden errichtet haben. Manche tragen Schilder, auf denen steht: »Schützt das Volk. Schützt die Demokratie«. Bereits am Samstag waren Militär und Polizei hart gegen Demonstrierende vorgegangen, mit Tränengas und Gummigeschossen wurde in Yangon und anderen Städten in die Menschenmenge geschossen.

Am Samstag wurde von der Putschregierung auch der UN-Botschafter des Landes abgesetzt. Kyaw Moe Tun hatte am Freitag vor der UN-Vollversammlung die Mitgliedstaaten dazu aufgerufen, die Putschregierung nicht anzuerkennen und nicht mit ihr zu kooperieren. Nötig sei die »stärkste mögliche Antwort der internationalen Gemeinschaft, um den Militärputsch sofort zu beenden, die Unterdrückung unschuldiger Menschen zu stoppen, die Staatsmacht an die Bevölkerung zurückzugeben und die Demokratie wiederherzustellen«, so Tun. Auch seien »stärkere« Maßnahmen nötig, um das gewaltsame Vorgehen der Sicherheitskräfte in Myanmar gegen friedliche Demonstranten zu beenden, hatte Tun appelliert.

Auch im Nachbarland Thailand wurde am Sonntag gegen die Macht des Militärs in Myanmar und im eigenen Land demonstriert. Tausende pro-demokratische Demonstranten marschierten auf eine Armeekaserne, die dem thailändischen Regierungschef Prayuth Chan-o-Cha als Wohnung dient. Der General ließ 2014 putschen, die Militärregierung verabschiedete eine Verfassung, die sicherstellt, dass das Militär direkten Einfluss auf die Regierung behält, auch wenn die ihm nahestehende Parteien nicht die Mehrheit der Stimmen bekommen, wie es etwa bei der Wahl 2019 geschah. Im vergangenen Jahr hatten regelmäßig Zigtausende Menschen gegen die Regierung in Bangkok demonstriert.

Aufgerufen zu den Protesten in Thailand hatte die Milk Tea Alliance, transasiatische Demokratieaktivisten, die sich im Internet vernetzt haben und sich gegenseitig bei ihrem Kampf für demokratische Rechte und gegen autoritäre Regierungen unterstützen. mit Agenturen

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