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Von Dauer- und Coronawellen

Bundesweit haben ab dieser Woche Friseure wieder geöffnet

  • Von Markus Drescher
  • Lesedauer: 3 Min.
Aufatmen: Nach Monaten darf Frau sich wieder die Haare schön machen lassen.
Aufatmen: Nach Monaten darf Frau sich wieder die Haare schön machen lassen.

Gegen den ungewollten Wildwuchs auf den Köpfen der Bevölkerung hierzulande kann nun wieder angeschnippelt werden und auch Hobbygärtner und Heimwerker können mancherorts wieder für heimische Ordnung sorgen: Seit Montag haben bundesweit die Friseure und in verschiedenen Bundesländern auch Baumärkte, Blumenläden und Gartencenter geöffnet. Diese ersten Lockerungen nach der langen Lockdown-Zeit machen sicherlich Lust auf mehr und schüren auch Hoffnungen bei anderen von den Corona-Einschränkungen hart getroffenen Wirtschaftszweige. Doch neben den Forderungen nach weiteren Lockerungen auf der einen Seite ist vor den erneuten Bund-Länder-Beratungen am Mittwoch auf der anderen die Skepsis gegenüber solcher Schritte und die Angst weiterhin groß, dass Deutschland quasi gut frisiert mit frischer Dauer- in eine schwere dritte Coronawelle schlittert.

Und dies gerade auch auf höchster Ebene. So erklärte am Montag Regierungssprecher Steffen Seibert, man sei in einer Phase der Hoffnungen, das dürfe aber keine Phase der Sorglosigkeit sein. Hoffnung machten das Voranschreiten der Impfungen, die größere Verfügbarkeit von Tests und das Sinken der Zahl derjenigen, die mit Covid-19 intensivmedizinisch behandelt werden müssen, so Seibert. Gleichzeitig gebe es einen leichten Anstieg der Infektionszahlen. Alle Anstrengungen müssten darauf gerichtet sein, dass dieser Anstieg nicht steiler wird, so Seibert, der zudem auf die weitere Verbreitung der ansteckenderen Virusvariante B117 verwies.

Vor neuen Lockerungen warnte am Montag auch die neue Linke-Doppelpitze und griff dabei zugleich die Corona-Politik der Regierung an. Bundesvorsitzende Susanne Hennig-Wellsow sprach am Montag in Berlin von einem »Totalversagen« der Bundesregierung, speziell der Kanzlerin und von Gesundheitsminister Jens Spahn, aber auch von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (alle CDU) in Sachen Versorgung der Bevölkerung mit Impfstoffen und Impfstoffproduktion.

Hennig-Wellsow forderte, dass jetzt alle politischen Bemühungen in eine adäquate Impfstrategie fließen müssten. Sie warnte angesichts der mutmaßlich beginnenden dritten Coronawelle vor weiteren Lockerungen der Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung. Eigentlich, so die Politikerin, dürfe es darüber angesichts steigender Infektionszahlen Diskussionen gar nicht geben, da der als Voraussetzung genannte Inzidenzwert nicht einmal annähernd erreicht sei. Die neue Ko-Vorsitzende Janine Wissler forderte, es müsse endlich die »Schieflage« bei den Coronahilfen beseitigt werden. Soloselbstständige und freischaffende Künstler müssten endlich adäquat berücksichtigt werden und nicht wie bisher nur große Betriebe und Konzerne.

Für Öffnungen hingegen plädiert Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), der mit seinem Öffnungskonzept auch vom Inzidenzwert als alleinigem Maßstab für Lockerungen des Lockdowns abrückt. »Oberhalb einer Inzidenz von 50 Infektionen je 100 000 Einwohner eines Bundeslandes, eines Landkreises oder einer kreisfreien Stadt sind Lockerungen zulässig, wenn sie in Verbindung mit zusätzlichen Schutzmaßnahmen im Einzelfall vertretbar sind«, zitierte das »Handelsblatt« am Montag aus einem Papier Altmaiers, das die Ergebnisse seiner Beratungen mit den Wirtschaftsverbänden zusammenfasst. Das Papier solle als eine Grundlage für die Bund-Länder-Beratungen dienen, so die Zeitung.

Wenn sich die Kanzlerin und die Länderchefs nun wieder über das weitere Vorgehen in der Coronakrise beraten, können die Zur-Vorsicht-Mahner diesmal nicht mehr darauf verweisen, dass eine Mehrheit der Bevölkerung noch hinter einer Fortsetzung der Lockdown-Maßnahmen steht. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur ist nur noch gut ein Drittel der Befragten für eine Beibehaltung (26 Prozent) oder Verschärfung (9 Prozent) der geltenden Einschränkungen. 43 Prozent seien hingegen, für weitere Lockerungen des Lockdowns. 17 Prozent sind sogar für eine komplette Rückkehr zur Normalität.

Mit Agenturen

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