Werbung

Das größte Problem unserer Zeit?

Audi empfiehlt seinen Beschäftigten zu gendern und die vermeintlichen Retter der deutschen Sprache sind in Aufruhr

  • Von Birthe Berghöfer
  • Lesedauer: 2 Min.
Audi und gendergerechte Sprache: Das größte Problem unserer Zeit?

Es scheint wie das größte Problem unserer Zeit: gendergerechte Sprache. Der Wandel der Sprache stellt den Klimawandel, grassierenden Rassismus und Rechtsruck wirklich in den Schatten. Jedenfalls bekommt man diesen Eindruck, wenn man sich die Schnelligkeit und das Maß der Empörung anschaut, sobald es um die Verwendung geschlechtergerechter Formulierungen geht. Aktuell im Fall des Autoherstellers Audi, der seinen Mitarbeitenden laut Medienberichten seit März offiziell empfiehlt, gendergerechte Sprache zu verwenden.

Dabei ist das »Gendergaga«-Geschrei der vermeintlichen Retter der deutschen Sprache selbst ganz schön gaga. Nicht unbedingt, weil sie nicht sehen, dass Sprache schon immer einem stetigen Wandel unterzogen ist oder, weil sie sich 2021 gegen Gleichberechtigung fördernde Schritte wehren. Sondern, weil sie in ihrem Spott nicht selten neue Wörter erfinden - beliebt ist zum Beispiel die Salzsträuerin - und sich direkt selbst zum Affen machen. Audi solle doch ordentliche Autos bauen, statt zu »genderschwurbeln«, lässt auch schmunzeln.

Wobei in dieser Kritik durchaus ein Fünkchen Wahrheit steckt: Deutsche Automobilkonzerne sollten endlich ordentliche, also klimafreundlichere Autos bauen, statt illegale Abschalteinrichtungen zu verwenden, um vorgegebene Grenzwerte für Abgase zu umgehen. Oder direkt umsatteln, weg vom eh unwichtiger werdenden PKW.

Fakt ist, dass bei der ganzen Aufregung über »Gendergaga« und vermeintliche Verunstaltung der Sprache aus dem Blick gerät, wer hier eigentlich was verunstaltet: gefälschte Abgaswerte den Planeten, Rechtsextreme unsere Gesellschaft und uneinsichtige Boomer die Gleichberechtigung der Geschlechter.

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung