Eine Stimme gegen Krieg und Ausbeutung

Revolutionärin, Sozialistin, Theoretikerin: Vor 150 Jahren wurde Rosa Luxemburg geboren

Berlin. »Die Versammlung war ganz außergewöhnlich stark besucht; in den Gängen standen die Besucher Kopf an Kopf.« So berichtete die »Leipziger Volkszeitung«, seinerzeit eines der großen sozialdemokratischen Massenblätter in Deutschland, im Mai 1913 über eine Veranstaltung mit der Hauptrednerin Rosa Luxemburg. Sie sprach damals im Leipziger Felsenkeller, wohin die Sozialdemokraten regelmäßig zu großen Versammlungen einluden. Rosa Luxemburg, die charismatische Revolutionärin und Theoretikerin, die an diesem Freitag vor 150 Jahren geboren wurde, wollte »zu den besten Parteirednern gehören«, was ihr zweifellos gelungen ist. Und sie gehörte zu den ersten Frauen, die eine solche politische Massenwirkung erzielten; geliebt von ihren Anhängern, verhasst bei ihren Gegnern.

Im Leipziger Felsenkeller, der nach 1990 trostlose Jahre erlebte und seit 2014 wieder als Ort für Freizeit, Kultur und politische Termine geöffnet ist, gibt es einen Erinnerungsort für Rosa Luxemburg. Es ist einer der verblüffend wenigen Gedenkorte, die direkt mit Luxemburgs politischer und publizistischer Arbeit verbunden sind. Dort geht es den Verantwortlichen um Erinnern und Gedenken - aber auch um die Möglichkeit, die Arbeiterführerin überhaupt kennenzulernen, wie Jörg Folta, der Betreiber des Felsenkellers, dem »nd« sagte. Denn viele junge Gäste »haben kaum einen Bezug zu ihr«. nd-Reporter Hendrik Lasch besuchte den Felsenkeller und ging den Leipziger Episoden im Leben Luxemburgs nach, die sich kompromisslos mit der alten Sozialdemokratie auseinandersetzte und kurz vor ihrer Ermordung Anfang 1919 zu den Gründern der Kommunistischen Partei gehörte. Deren Programm stammte maßgeblich von - Rosa Luxemburg.

Wie bei nur wenigen Personen der Zeitgeschichte wirken die Ideen Rosa Luxemburgs weit über ihren Tod hinaus; bis heute sind sie Inspiration. Und zwar politisch und kulturell. Der in Hamburg lebende Bildhauer Thomas Jastram schuf zum 150. Geburtstag Rosa Luxemburgs eine Statue der Revolutionärin, die der Linke-Politiker André Brie in Auftrag gegeben hat. Jastram sagt im nd-Interview, er wolle mit seiner Arbeit Luxemburgs »Stärke und Kraft wie auch ihre Zerbrechlichkeit und Verletzlichkeit zeigen«. Luxemburg sei auch 150 Jahre nach ihrer Geburt und mehr als 100 Jahre nach ihrer Ermordung so bekannt, dass man sie sofort erkennen würde, »wenn man ihr heute auf der Straße begegnen würde«, meint der Künstler. nd

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