Dürren werden häufiger

Neue Modelle klären, welche Wetterextreme auf den Klimawandel zurückgehen

  • Von Steffen Schmidt
  • Lesedauer: 3 Min.
Das Frühjahr 2020 war in weiten Teilen Deutschlands viel zu trocken für die Landwirtschaft.
Das Frühjahr 2020 war in weiten Teilen Deutschlands viel zu trocken für die Landwirtschaft.

Bilder vom Schnee in den Skigebieten der Alpen oder vom Winterchaos in Madrid mögen einen anderen Eindruck erwecken, doch das Jahr 2020 zählt zu den wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. In Deutschland war es das zweitwärmste seit 1881 und lag nur wenig unter dem Rekordjahr 2018, wie Thomas Deutschländer vom Deutschen Wetterdienst (DWD) auf der alljährlichen Klima-Pressekonferenz des DWD am Dienstag erläuterte. Für Gesamteuropa war es sogar das wärmste seit Beginn der Messreihen. Besonders kritisch war hierzulande die bereits im dritten Jahr zu niedrige Niederschlagsmenge, vor allem im Nordosten. Deswegen sei die nutzbare Feldkapazität - oft auch Bodenwasservorrat genannt - so niedrig wie noch nie im Zeitraum 1991-2019 gewesen, mit negativen Folgen für die Landwirtschaft und vor allem die Wälder. Man müsse künftig damit rechnen, dass sich in der warmen Jahreszeit Hitze und Trockenheit regelmäßig mit Starkniederschlägen abwechseln, so Deutschländer.

DWD-Präsident Gerhard Adrian, der zugleich Präsident der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) ist, wies darauf hin, dass trotz der weltweiten Pandemie mit ausgebremster Konjunktur und reduzierter Mobilität der Kohlendioxid-Ausstoß der Wirtschaft so geringfügig gesunken ist, dass die Konzentration des Treibhausgases in der Atmosphäre auch 2020 wieder gestiegen ist. »Damit werden wir die im Paris-Abkommen vereinbarte Temperaturerhöhung von deutlich unter zwei Grad über dem vorindustriellen Niveau bis zum Jahr 2100 nicht erreichen. Leider sieht es im Moment sogar nach einem Plus von drei bis vier Grad aus«, konstatierte Adrian.

Die Folgen: Die Meereisfläche in der Arktis erreichte im September 2020 nach 2012 ihren zweitniedrigsten Wert. Überdies, so Adrian, nahmen im vergangen Jahr Anzahl und Intensität von Wetterextremen zu. Als Beispiele nannte der WMO-Präsident die ungewöhnlich hohen Niederschläge in der Sahel-Region, um das Horn von Afrika sowie in Indien, Pakistan und China sowie die Zunahme der Zahl tropischer Stürme. Im Nordatlantik seien es mit 30 Stürmen mehr als doppelt so viele gewesen wie sonst typisch.

Adrian erinnerte daran, dass der Umgang mit der Corona-Pandemie den Erfolg von Maßnahmen gezeigt habe, die sich von wissenschaftlichen Fakten ableiten ließen. Ein analoges Vorgehen erhofft der Meteorologe auch für den Umgang mit der Klimakrise.

Lassen sich Wetterextreme und ihr zumindest gefühlt häufigeres Auftreten bereits auf den vom Menschen verursachten Klimawandel zurückführen? Bei den meist lokalen Starkregenereignissen etwa ist das nicht möglich. Doch bei großflächigeren Wettererscheinungen ist das laut Tobias Fuchs, Vorstand Klima und Umwelt des DWD, inzwischen oft machbar. Möglich macht das die junge Wissenschaft der Extremwetterattribution. Dazu nutzt man Modellsimulationen zweier verschiedener Welten. Eine davon beschreibt die Welt, in der wir aktuell leben und welche alle Einflüsse des Menschen berücksichtigt. Die zweite beschreibt eine Welt ohne menschlichen Einfluss auf Treibhausgase und andere Faktoren. Vergleicht man beide simulierten Welten, zeigt sich, ob der Klimawandel die Häufigkeit und Intensität des untersuchten Extremereignisses beeinflusst hat. Begrenzt wird die Aussagekraft dieser Methode durch die räumliche und zeitliche Auflösung der Klimamodelle.

Für Deutschland heißt das laut Fuchs, dass sich nur großräumige Extremniederschläge, Hitze- und Kältewellen sowie Dürren, die sich über mehrere Bundesländer erstrecken, erfassen lassen. So könne man inzwischen die lang anhaltende Dürre im Nordosten Deutschlands im Jahr 2018 als Folge der Klimaerwärmung einordnen. Die Attributionsanalyse ergebe, dass sich durch den Klimawandel die Wahrscheinlichkeit für solche Dürren in der Region mindestens verdoppelt hat und dass deren Intensität zunimmt.

Derzeit arbeitet der DWD mit Partnern daran, die notwendigen Schritte der Attributionsanalyse so zu verbessern, dass es künftig im Routinebetrieb möglich wird, schon wenige Tage nach einem Wetterextrem zu sagen, ob der menschengemachte Klimawandel für eine intensivere Ausprägung gesorgt hat. »Unser Ziel ist, dass Attributionsanalysen von Wetterextremen so selbstverständlich sind, wie deren Vorhersage«, erklärt Klimaforscher Fuchs.

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