Glänzend, prächtig, erstaunlich!

Unter peinlichen Lobpreisungen wird Thomas Bach als Präsident des IOC wiedergewählt

  • Von Jirka Grahl
  • Lesedauer: 2 Min.

Im IOC herrschte am Mittwochabend Einigkeit wie einst im Politbüro: Als die Mitglieder des Ringeordens auf der 137. Session über eine weitere, letzte Amtszeit des seit 2013 amtierenden Thomas Bach abzustimmen hatten, hoben 93 den Daumen für eine zweite Amtszeit des Tauberbischofsheimers. Ein einziges IOC-Mitglied stimmte mit Nein, vier enthielten sich.

Die beinahe beängstigende Zustimmung drückte sich schon in den Grußworten der Mitglieder aus, die stets an der Grenze zur Peinlichkeit kratzten: Athletensprecherin Danka Bartekova, slowakische Sportschützin, bedankte sich für die Ehre, Bach als Erste gratulieren zu dürfen. Fifa-Boss Gianni Infantino schmeichelte: »Wir haben einen Kapitän, und der sind Sie!« Und auch die Schwedin Gunilla Lindberg, die seit 1996 im IOC sitzt, konnte kaum an sich halten vor Verzücken. »Ihre Eröffnungsrede war prächtig. Diesmal war sie noch glänzender als je zuvor. Ihr diplomatisches Geschick: einfach erstaunlich!« schwärmte sie. Ein zufälliger Zuschauer hätte sich auch auf einem Parteitag der PdaK in Nordkorea wähnen können.

Andererseits: Der Ex-Fechter Bach, der nun vier weitere Jahre präsidiert, hat tatsächlich eine Menge jener Punkte umgesetzt, die er 2014 mit der »Agenda 2020« zur Erneuerung des IOC umzusetzen ankündigte. »88 Prozent« der Agenda, so attestierte sich das IOC unlängst selbst, seien bereits umgesetzt. So sind beispielsweise viele Vorgänge rund um Bewerbung und Ausrichtung der Olympischen Spiele deutlich transparenter geworden, ein Olympischer TV-Kanal ist eingeführt und bei Themen wie Compliance und Ethik, aber auch bei Nachhaltigkeit, Gleichstellung und Diversität agiert das IOC auf ziemlich moderne Weise. Insofern war Bach angesichts der Lobpreisungen wohl nicht ganz zu Unrecht schwer ergriffen. Zwischendurch kamen ihm gar die Tränen. Sein ewiges Mantra indes, die Politik müsse aus dem Sport herausgehalten werden, macht Bach und seinen Ringeorden auch weiterhin angreifbar. Dass beispielsweise China die Olympischen Winterspiele 2022 ausrichten darf, ohne vernehmbare Kritik des IOC an der brutalen Unterdrückung der Uiguren durch die Volksrepublik, wird bis zur Abschlussfeier im Vogelneststadion auf der Tagesordnung aller westlichen Medien stehen. Zu Recht.

Und bestimmte Entscheidungen der Weltsportregierung bekommen angesichts all der Arrangements mit undemokratischen Staaten schnell einen faden Beigeschmack: Am Donnerstag kündigte das IOC an, für die Athletinnen und Athleten der Olympischen Spiele in Tokio 2021 und der Winterspiele 2022 in Peking Impfstoff in China zu kaufen. Das Nationale Olympische Komitee Chinas sei bereit, dem IOC die Impfdosen zur Verfügung zu stellen. »Das entspricht dem olympischen Geist der Solidarität«, lobte Bach, dem weiterhin vor allem vorgeworfen werden kann, was er nicht sagt.

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