AfD im Zug

Claus Weselsky überrascht mit Aussagen zur Einheitsgewerkschaft

  • Von Sebastian Weiermann
  • Lesedauer: 2 Min.

»Ja, wir haben AfD-Mitglieder«, sagt Claus Weselsky, der Chef der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) im Interview bei »Jung & Naiv«. Tilo Jung möchte daraufhin wissen, warum die Anhänger der Partei nicht rausgeschmissen werden. Weselsky erklärt, dies wäre »die Abkehr von der Einheitsgewerkschaft«. Die Gewerkschaft müsse politisch neutral sein. Solange die AfD eine »demokratisch legitimierte Partei« sei, könne man ihre Mitglieder nicht ausschließen. Man frage Mitglieder auch nicht nach ihrer Parteizugehörigkeit.

Ein Mitarbeiter der konkurrierenden Gewerkschaft EVG ätzte nach dem Interview, bei ihr gäbe es einen Unvereinbarkeitsbeschluss, bei der GDL nur »Geschwurbel«. Die beiden Eisenbahngewerkschaften liegen seit Langem im Clinch miteinander. Im Interview mit Tilo Jung teilt Weselsky aus. Die Bahn wolle die GDL loswerden, weil sie »kämpferisch« sei. Die EVG hingegen sei eine »Interessenvertretung der Arbeitgeber«. Auch mit der Bahn führt Weselsky gerade harte Auseinandersetzungen. Das Tarifeinheitsgesetz macht seiner Gewerkschaft zu schaffen. Die GDL fordert in der aktuellen Tarifrunde 4,8 Prozent mehr Lohn. Eine Anwendung des Tarifeinheitsgesetzes könnte jedoch dazu führen, dass der schmale Tarifabschluss der EVG aus dem vergangenen Jahr Anwendung findet.

Weselsky wettert im Interview mit Jung auch gegen seine Partei, die CDU. Diese hat das Tarifeinheitsgesetz vorangebracht, deswegen will er darüber nachdenken, ob er dort »noch richtig« sei. Wo er sich besser aufgehoben fühlen würde, ließ er offen. Die SPD sei für ihn wegen seiner »konservativen Grundhaltung« nie in Frage gekommen. Außerdem hätten die Sozialdemokraten »nicht mehr viel« mit der Arbeiterbewegung zu tun. Der fühlt sich Weselsky sehr wohl verbunden. Als er 2008 Personalvorstand bei der Bahn hätte werden können, lehnte er ab. Das hätte er als »Verrat« betrachtet.

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