Es braucht einen echten Wandel

Jakob Hayner über Fehlverhalten und Strukturprobleme im Theater

  • Von Jakob Hayner
  • Lesedauer: 1 Min.

Der Intendant der Berliner Volksbühne, Klaus Dörr, ist zurückgetreten. Der Senatsverwaltung für Kultur lagen Beschwerden über ihn vor. Zehn Frauen hatten sich wegen Belästigung zunächst an die 2018 eingerichtete Vertrauensstelle Themis gewandt, die dann wiederum die Senatsverwaltung informierte. Dass sich die Frauen zugleich an die Presse wandten und die laufende Untersuchung sowie die Vorwürfe öffentlich machten, lässt sich so deuten, dass das Vertrauen in die noch recht junge Stelle und in die Verwaltung nicht besonders stark ausgeprägt ist – vielleicht wenig verwunderlich.

Immer wieder wird über die betriebsinternen Umgangsformen am Theater diskutiert. Dabei zeigt sich – wie auch Fälle am Schauspiel Köln und am Staatstheater Karlsruhe belegen –, dass die hierarchische und auf zentrale Macht ausgerichtete Struktur nicht nur für Fehlverhalten förderlich ist, sondern zugleich verhindert, das zur Rechenschaft zu ziehen. Die Einrichtung der Vertrauensstelle Themis war ein wichtiger Schritt, um die Rechte von Beschäftigten zu wahren und zu sichern. Überhaupt muss es darum gehen, innerhalb der Institutionen die Position und den Spielraum der Belegschaft zu stärken. Es braucht nun einen echten Wandel, dass man sich prinzipiell selbst ohne mediale Unterstützung effektiv zur Wehr setzen kann.

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