Zwei Tests für eine Fusion

Noch ein ausgefallener Sommer wäre für Festivalveranstalter und Gäste der GAU

  • Von Sebastian Weiermann
  • Lesedauer: 3 Min.

Die großen Festivals wie Rock am Ring, Hurricane und Southside wurden von Veranstalter Eventim Live schon vor einer Woche abgesagt. Wegen des unsicheren Infektionsgeschehens und der Verlängerung der »epidemischen Lage mit nationaler Tragweite« seien Festivals dieser Größenordnung nicht durchführbar, so die Veranstalterfirma.

Andere, etwas kleinere Festivals wie die Fusion, die traditionell auf dem ehemaligen Militärflugplatz in Lärz nahe dem See Müritz (Mecklenburg-Vorpommern) stattfindet, haben noch nicht aufgegeben. Martin Eulenhaupt, genannt Eule, ist Vorsitzender des Veranstaltervereins und war am Mittwochabend zu einem Fachgespräch bei der Linke-Bundestagsabgeordneten Caren Lay zu Gast.

Dort erklärte Eule, es sei unklar, ob es in diesem Jahr eine Fusion geben könne. Im Veranstalterkreis arbeite man aber an einem Konzept. Tests seien dafür zentral. Bei einem mehrtägigen Festival wie der Fusion sei es dabei nicht mit einem Schnelltest getan, deswegen umfasse das Konzept zwei PCR-Tests für die Festivalgäste. Ziel sei es, »eine Sicherheit herzustellen, wie sie in der Gesamtgesellschaft in dieser Größenordnung nirgendwo besteht«, so Eule. Finanzielle Hilfe oder Ausfallgarantien aus der Politik sind für Eulenhaupt zweitrangig, es gehe nicht ums Geld, sondern darum, »Tausenden Menschen, die feiern wollen«, dies auch zu ermöglichen.

Auf die (Test)Erfahrungen bei einem eventuell im Juni stattfindenden Fusionfestival bauen auch die Veranstalter der Bucht der Träumer, die im August in Brandenburg stattfinden soll. Im Gespräch mit Caren Lay stellt Angela Volz von der Bucht allerdings erstmal etwas Handfestes vor, einen Brandbrief von 50 Open-Air-Festivals aus Berlin und Brandenburg. Darin wird auf die prekäre Situation der Festivalveranstalter genauso aufmerksam gemacht wie auf die mit ihnen verknüpften Branchen. Vom Pyrotechniker bis zum Dorf-Supermarkt, der an einem Festivalwochenende den besten Umsatz des Jahres macht. Im Brandbrief stellen die Festivalveranstalter Forderungen an die Politik auf. Sie wollen eine Festlegung der Besucherzahl, die an der Größe des Geländes und dem Infektionsgeschehen gemessen wird statt einer starren Obergrenze, sowie einen Konsens, was Hygienekonzepte beinhalten müssen.

Von der Politik fordern sie außerdem die Übernahme von Planungs- und Organisationskosten bei der Untersagung eines Festivals. Einnahmeverluste wegen einer geringeren Besucherzahl und höhere Kosten durch Schnelltests sollen außerdem vom Land übernommen werden. Isabelle Vandre, die für die Linke im Brandenburger Landtag sitzt, unterstützt die Forderungen des Brandbriefs und kritisiert die Landesregierung scharf. Diese habe keine Strategie für Hilfen und verweise immer auf die Bundespolitik. Sie attestiert der Landesregierung eine »massive Verweigerungshaltung«, die aufgelöst werden müsse.

Skeptisch, was Festivals angeht, ist auch Axel Ballreich von der Livekomm, dem Verband der Musikspielstätten in Deutschland e. V. Zwar hat sein Verband umfassend am Manifest Restart mitgearbeitet, das Wege zurück zu Festivals und Konzerten aufzeigt, aber Ballreich ist trotzdem kritisch. »Am Ende hängt es am Wohlwollen von einem Landrat oder Bürgermeister, da hilft auch das beste Konzept nicht«, blickt er kritisch auf den Sommer. Wegen fehlender Impfungen sieht Ballreich für Festivals, die vor Juli oder August stattfinden, keine guten Chancen. Sein Fazit: »Es wird kein guter Festivalsommer.«

Caren Lay hat sich das alles angehört. Vor einem Jahr hat sie im Bundestag das Parlamentarische Clubforum mitgegründet. Die Zusammenarbeit unter den Vertretern der verschiedenen Parteien sei dort besser als bei vielen anderen Themenfeldern. Es sei wichtig, dass »Club- und Festivalpolitik sichtbar« geworden sei. Ein »bisschen was« habe man erreichen können. Das sei aber »unglaublich zäh« gewesen. Aus dem Gespräch mit den Festivalveranstaltern nimmt sie mit, dass es bessere finanzielle Hilfen für Soloselbstständige geben müsse und dass die Festivals bei der Erarbeitung und Durchführung von Hygienekonzepten und Teststrategien unterstützt werden müssen. Lays Fazit des Abends: »Es braucht legale Möglichkeiten zu raven.«

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