Werbung

Reisen in der Blase?

Dr. Schmidt erklärt die Welt: Kann man mit mehr als Lichtgeschwinigkeit reisen?

  • Von Wolfgang Hübner
  • Lesedauer: 2 Min.
Lichtgeschwindigkeit: Reisen in der Blase?

Wie schnell ist eigentlich ein Blitz?

Blitzschnell sozusagen. Er erreicht keine Lichtgeschwindigkeit; die spielt nur bei der Faustformel eine Rolle, mit der man die Entfernung eines Blitzes berechnen kann. Das Licht des Blitzes ist quasi sofort da, der Donner braucht etwas länger.

Kann man die Lichtgeschwindigkeit technisch übertreffen?

Physikalisch ist es kompliziert. Nach Einsteins Spezieller Relativitätstheorie ergibt die Berechnung von Geschwindigkeiten jenseits der Lichtgeschwindigkeit tendenziell unsinnige Ergebnisse. In der Allgemeinen Relativitätstheorie ist das offener. Technisch wäre es schon ein gewaltiger Fortschritt, in die Nähe zu kommen. Bisher schaffen wir das nur mit kleinsten Teilchen in Teilchenbeschleunigern.

Also höchstens Gedankenexperimente.

Ja. Es gibt da hübsche Beispiele. Unter anderem hat ein Wissenschaftler ein Buch über die Physik in den »Star Trek«-Filmen geschrieben - da steckt ja allerhand physikalisches Wissen drin. Er stellt aber fest, dass der Energiebedarf für solche Reisen, bei denen ein paar Lichtjahre locker übersprungen werden, für uns technisch außer Betracht steht.

Nun hat ein Göttinger Physiker theoretische Gedanken für lichtschnelles Reisen veröffentlicht.

Er bezieht sich auf sogenannte Warp-Antriebe, die auch in »Star Trek« benutzt werden. Aber auch er kommt zu dem Schluss, dass dafür gigantische Energiemengen benötigt würden. Selbst ein Kernfusionsreaktor dürfte da zu schwach sein - mal abgesehen davon, wie man den in ein Raumschiff einbauen könnte. Er meint, das Raumschiff könnte in einer Art Blase stecken, für die er ein physikalisches Modell gefunden hat: sogenannte Solitonen. Das sind Wellenpakete, die bei der Bewegung ihre Form behalten. Andere Wissenschaftler stellen sich eine Art negative Energie vor.

Das hat nichts mehr mit heutigen Vorstellungen von Treibstoffen zu tun?

Nein. Bisher werden bei Raketenantrieben Unmengen chemische Energie verballert. Der Treibstoff selbst ist ein erheblicher Teil der Last. Für die Besiedelung anderer Planeten bräuchte man ein völlig neues Antriebsprinzip.

Nun entwickeln sich Wissenschaft und Technik rasend schnell - werden Menschen in 100 Jahren mit so einer Technik ins All fliegen?

Vielleicht, sofern sie eine gescheite Idee entwickeln, wie man den Energiebedarf deckt und eine Energiequelle finden, die weniger anrüchig ist als die Kernspaltung. Wenn ich bedenke, was die Leute vor 100 Jahren vom heutigen Stand der Technik geahnt haben - nichts. Also, da ist vieles möglich, auch wenn meine Vorstellungen von Physik momentan nicht dazu passen.

Wir werden im »nd« darüber berichten.

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung